
Geopolitische Spannungen, schwacher Konsum und globale Unsicherheiten prägen die Wirtschaft – doch der Mittelstand in Deutschland zeigt sich bemerkenswert robust: Laut der neuen Zukunftsmacher-Studie 2025 bewerten 59 Prozent der befragten Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als stabil („grün“), weitere 30 Prozent als moderat („gelb“). Nur eine Minderheit von unter zehn Prozent sieht sich im roten Bereich.
„Das Geschäft steckt nicht in der Krise – es ist von Krisen geprägt“, sagt Studienleiter Bernhard Steimel vom Smarter-Service-Institut. „Genau darin liegt die eigentliche Stärke der Zukunftsmacher: Sie organisieren sich nicht gegen Krisen, sondern durch sie.“
Wachstum trotz Gegenwind
Während allgemein die Wirtschaft stagniert – das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag laut Statistischem Bundesamt im dritten Quartal 2025 bei 0,0 Prozent Wachstum, wachsen 87 Prozent der befragten Unternehmen.
31 Prozent verzeichnen moderate Steigerungen bis zu zehn Prozent, weitere 56 Prozent zweistellige Zuwächse. „Digitale Vorreiter kennen keine Rezession“, so Steimel. Wachstum entsteht, wo Daten, Prozesse und Menschen intelligent vernetzt werden.
Hemmnisse bleiben dennoch: 46 Prozent nennen Konsum- und Investitionszurückhaltung als Hauptbremsklotz, gefolgt von Regulierung (22 Prozent) und Fachkräftemangel (15 Prozent). Die Unternehmen reagieren mit Rückverlagerung von Produktion oder Dienstleistungen aus dem Ausland zurück ins eigene Land (Reshoring), flexiblen Lieferketten und neuen Geschäftsmodellen.
Resilienz wird Systemfähigkeit
Die Studie identifiziert fünf Quellen der Widerstandskraft:
- Smartness – vernetzte Produkte und Services
- Resonanzfähigkeit – schnelle Reaktion auf Marktimpulse
- Entschlossenheit – Investitionen trotz Unsicherheit
- Handlungsschnelligkeit – rasche Umsetzung digitaler Projekte
- Anpassungsfähigkeit – Stabilität in volatilen Märkten
Steimel fasst zusammen: „Resilienz ist keine reine Haltung, sondern eine Systemfähigkeit – sie entscheidet darüber, ob Unternehmen Krisen meistern oder scheitern.“
KI als Wachstumstreiber
Künstliche Intelligenz ist zum Produktivitätsmotor geworden:
Laut Studie berichten Unternehmen von Effizienzgewinnen bis zu 80 Prozent in einzelnen Prozessen. Besonders im Vertrieb und Service beschleunigen KI-Agenten und automatisierte Entscheidungsunterstützung die Arbeit.
„Der Mittelstand hat die Lektion gelernt: Ein Mitarbeiter mit KI ist ein besserer Mitarbeiter als ohne“, erläutert Steimel. Er prägt dafür den Begriff der „AI-infused Company“ – eine Organisation, in der KI den Menschen stärkt, nicht ersetzt.
Erfolgsfaktoren: Digitalisierung nach innen und außen
39 Prozent der Unternehmen nennen digitale Produkte und Services als Haupttreiber ihres Erfolgs, 26 Prozent interne Prozessautomation, 20 Prozent digitalen Vertrieb.
Ein Maschinenbauer brachte es laut Studie auf den Punkt: „Premiumkunden erwarten heute digitale Zusatzservices – sonst sind wir austauschbar.“
Damit wird Digitalisierung doppelt wirksam: als Effizienzmaschine im Inneren und als Werttreiber am Markt.
Über die Studie
Die Zukunftsmacher-Studie 2025 ist Teil einer seit 2017 laufenden Forschungsreihe zur digitalen Transformation im deutschsprachigen Mittelstand. Für die aktuelle Erhebung wurden 55 Interviews mit Führungskräften aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Technologie ausgewertet.
Themenschwerpunkte: Krisenfestigkeit, Wachstum, KI-Reifegrad und digitale Wertschöpfung.
Herausgegeben wird die Studie von Bernhard Steimel (Mind Digital, Smarter-Service-Institut) in Kooperation mit der Convidera Group in Köln.
Die Kurzfassung kann man kostenlos über das Smarter-Service-Magazin herunterladen.
Die Langfassung gibt es über die KI-Compass-Website von Convidera.