
Es begann an einem dieser typischen Nachmittage in der Kölner Diskurszone: ein kleiner Sweden-Tisch, ein zu starker Kaffee, drei Keksdosen mit jeweils eigener LinkedIn-Wertschätzungsfunktion und mittendrin Winfried Felser, halb Denker, halb Möglichmacher, ganz Tischmoderator. Der Tisch war – wie es sich für eine Ikone der Sinnwirtschaft gehört – ein symbolisches Zentrum, ein Echoraum für Ideen, Netzwerke und neue Narrative.
Felser, stets zwischen Bielefeld, dem Westfälischen Diskursarchipel und seinem Smartphone wandernd, sprach von Ruskin. Nicht als ferne Fußnote der Kunstgeschichte, sondern als lebendiger Impulsgeber für das Denken einer neuen Ökonomie. Einer Ökonomie, die sich nicht über KPIs, sondern über Gemeinsamkeit, Sinn, Verantwortung und Resonanz definiert.
„Wir brauchen eine verbindende Krise, einen gemeinsamen Sinn und viele #NextRuskins!“, schrieb Felser. Und dann, als hätte sich die Roundtable-Bewegung des 19. Jahrhunderts heimlich bei IKEA einquartiert, begann am Sweden-Tisch eine kleine, feine Neudeutung des Großen und Ganzen.
John Ruskin, dieser viktorianische Prophet der Moral in der Architektur, hatte nicht nur die Steine der Kathedralen zum Sprechen gebracht, sondern auch die Herzen der britischen Oberklasse für eine neue Verantwortung geöffnet. Seine Idee: Wenn ihr schon Privilegien habt, dann nutzt sie. Baut Schulen, Siedlungen, Sozialprojekte. Denkt nicht nur über Kunst nach, sondern auch über die Gesellschaft, die sie hervorbringt. So entstanden die Roundtable-Gruppen, Settlement-Häuser und später das Chatham House in London.
Heute, so Felser, brauchen wir ein neues Roundtable-Revival – nicht als Elitenzirkel, sondern als offene Plattform für die koproduktive Gestaltung der Zukunft. Das heißt: weniger Status, mehr Substanz. Weniger Corporate-Theater, mehr echte Kollaboration. Weniger KPI-Gemurmel, mehr präzise Fragen an die Gegenwart. Und genau hier, am Schweden-Tisch mit vier wackelnden Beinen und einem sehr stabilen Wertefundament, entstand das Tisch-Evangelium der #NextRuskins. Auf der Serviette stand inzwischen: „Ruskin reloaded – Netzwerkethik statt Netzwerk-Ego.“ Darunter: „IKEA = Internationale Kollaboration Ethischer Ambitionen“
📋 Die Zehn Tischgebote der NextRuskins
Eine ironisch-konstruktive Gebrauchsanweisung für Zukunftsvernetzer, Sinnsucher und Keksesser.
1. Du sollst keine Meetings neben dem Tisch haben. Kein Zoom, kein Teams, kein Slack darf den heiligen Sweden-Tisch ersetzen. Nur was man dort ausspricht, zählt. Alles andere ist digitaler Lärm.
2. Du sollst nicht mehr als drei Buzzwords pro Satz verwenden. Bei Verstoß wird der Sprecher höflich zum Entschleunigungs-Empfang gebeten – mit Kamillentee und Schweigekreis.
3. Du sollst Ruskin ehren. Denn er sprach vom Schönen, Wahren und Guten – lange bevor jemand auf die Idee kam, das in ein ESG-Framework zu pressen.
4. Du sollst keine Stakeholder abholen, die gar nicht hinwollen. Zwinge niemanden in einen Loop, wenn er nur kurz lüften will. Respektiere das Passive als produktive Möglichkeit.
5. Du sollst das Whiteboard nicht zumüllen. Keine Pfeile ohne Richtung, keine Kreise ohne Kontext. Nur Ideen, die mehr sagen als „Think outside the Box“, haben eine Daseinsberechtigung.
6. Du sollst keine Keynote halten, wenn du nur eine Pointe hast. Denn der Sweden-Tisch ist kein TEDx-Resteverwerter. Kuratierte Tiefe schlägt kuratiertes Lächeln.
7. Du sollst PowerPoint meiden wie einen lauwarmen Aperol. Denn das Licht der Aufklärung kommt nicht aus einem Beamer. Es strahlt von innen. Oder eben gar nicht.
8. Du sollst dein Netzwerk nicht wie einen Fischteich behandeln. Wenn du nur Kontakte sammelst wie Panini-Bilder, dann wirst du nie ein echtes Gespräch führen. Freundschaft ist keine Funnel-Strategie.
9. Du sollst kein Agilitätsschild tragen, wenn du innerlich starr wie ein Felsbrocken bist. Transformation beginnt mit der Fähigkeit, sich selbst lächerlich zu machen – und dabei weiterzudenken.
10. Du sollst nie vergessen: Ein Tisch ist nur dann ein Tisch, wenn alle Platz haben. Kein VIP-Bereich, kein Bullshit-Balkon. Nur dann entsteht jene Roundtable-Kraft, die Winfried Felser als Hoffnung für ein Wirtschaftswunder 2.0 beschreibt.
„Hier sitzt nicht die Elite. Hier entstehen Ideen, die das Denken vergesellschaften.“
Diese Erzählung erscheint demnächst in einem weiteren Band der Sohn@Sohn-Schriftenreihe. Arbeitstitel: (Fiktive) Geschichten aus meinem Zettelkasten.