
Aus dem historischen Handeln des von Napoleon eingesetzten Bonner Bürgermeisters Johann Josef Eichhoff (1762–1827) lassen sich leitende Prinzipien ableiten, die auf heutige kommunalpolitische Debatten übertragen werden können. Er war ein pragmatischer Aufklärer, der die lokale Wirtschaft stärken, bürokratische Hindernisse abbauen und gleichzeitig das kulturelle Leben fördern wollte. Überträgt man diese Leitlinien auf den Kommunalwahlkampf und die OB‑Wahl 2025 in Bonn, könnten seine Forderungen wie folgt aussehen:
Abbau kommunaler Barrieren für Handel und Verkehr: Eichhoff sah in zahlreichen Zollstationen entlang des Rheins ein großes Hemmnis für den Handel. Er würde daher heute auf einen konsequenten Abbau bürokratischer Hindernisse drängen, etwa durch eine vereinfachte Gewerbeanmeldung, digitalisierte Verwaltung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Gebühren, Abgaben oder lokale Sonderregelungen, die den Waren‑ und Dienstleistungsverkehr innerhalb Bonns und der Region verkomplizieren, würde er reduzieren wollen.
Infrastruktur und Logistik stärken: Als Generaldirektor der Rhein‑Schifffahrt baute Eichhoff Unterbehörden entlang des Stroms auf und setzte sich für freie Schifffahrt ein. Übertragen auf 2025 hieße das, Verkehrsinfrastruktur – Straßen, ÖPNV, Fahrradmobilität und moderne Logistikzentren – zu modernisieren. Für den Wirtschaftsraum Bonn wäre eine bessere Anbindung an den Rhein und an überregionale Transportnetze (z. B. Ausbau von Hafen‑ und Bahnkapazitäten) essentiell.
Freier Handel und europäische Integration: Eichhoff plädierte für die Aufhebung der Binnenzölle und eine gemeinsame Außenmaut. Heute würde er die Chancen des Binnenmarkts der EU sehen und sich gegen protektionistische Maßnahmen aussprechen. Er dürfte Kooperationen mit der Region Köln/Bonn/Rhein‑Sieg und europäischen Partnern vorantreiben, um den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Steuerliche Entlastungen und lokale Investitionen: Er setzte sich als Nationalagent für eine Verringerung der Steuerlast und eine Verwendung der Gelder im Land ein Analog würde er sich im Kommunalwahlkampf für transparente Haushalte und zielgerichtete Investitionen einsetzen. Er würde Forderungen nach stabilen oder sinkenden Hebesätzen für Gewerbe‑ und Grundsteuer unterstützen, um Spielraum für private Investitionen zu schaffen, und zugleich verlangen, dass ein größerer Anteil der öffentlichen Einnahmen in Bildung, Infrastruktur und Kultur fließt.
Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) und Start‑ups: Als Unternehmer und Kaufmann erkannte Eichhoff den Wert freier Märkte. Heute würde er Programme zur Förderung von Gründungen, Handwerk und innovativen Unternehmen begrüßen. Dazu könnten Beratungsangebote, Zugang zu Risikokapital sowie Förderprogramme für Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehören.
Ökologische Modernisierung der Wirtschaft: Obwohl Umweltschutz zu seiner Zeit kaum Thema war, zeigt die heutige Nachfahrengeneration (etwa durch die forstbotanische Arbeit seines Enkels) ein Bewusstsein für Umweltfragen. Eichhoff würde daher moderne Verkehrspolitik und ökologische Standards im Rhein‑ und Stadtverkehr unterstützen. Eine klimaneutrale Rheinschifffahrt und nachhaltige Energienutzung dürften seinen Wunsch nach langfristiger wirtschaftlicher Prosperität ergänzen.
Stärkung des Stadtgedächtnisses und eines lebendigen Stadtmuseums: Mein Blogartikel zur Kommunalwahl kritisiert, dass Bonn sein Gedächtnis „in Kisten“ packt und die Gedenkstätte Eichhoffs verwahrlost. Als engagierter Mäzen und Sammler würde Eichhoff auf eine Wiedereröffnung und Professionalisierung des Stadtmuseums drängen. Er würde eine klare kuratorische Linie, professionelle Leitung und eine feste Ausstellungsfläche fordern. Die Geschichte Bonns – von der kurfürstlichen Residenz über die Beethoven‑Zeit und die Bundesrepublik bis heute – müsste sichtbar und erlebbar sein. Zudem würde er sich dafür einsetzen, dass sein eigenes Erbe und das seiner Mitstreiter angemessen gewürdigt wird.
Pflege von Denkmälern und Kulturerbe: Sein eigenes vernachlässigtes Grab ist zum Symbol einer erinnerungslosen Stadt gewordeni Eichhoff würde eine systematische Sanierung und Pflege von Gräbern, Denkmälern und historischen Bauten verlangen. Dabei sollte bürgerschaftliches Engagement (Vereine, Bürgerstiftungen) ebenso gefördert werden wie öffentliche Mittel.
Bürgerliche Lesekultur und Aufklärung fördern: Als Illuminat und Mitglied der Lesegesellschaft wies Eichhoff der gebildeten Bürgerschaft eine zentrale Rolle zu. Er würde heute eine Stärkung von Bibliotheken, Lesesälen und Diskussionsforen begrüßen. Angebote wie Bürgeruniversitäten, Volkshochschulen und öffentliche Debatten über städtische Zukunftsfragen entsprächen seinem Ideal der aufgeklärten Öffentlichkeit.
Förderung von Musik und darstellender Kunst: Seine Freundschaft zu Beethoven und die Zugehörigkeit seiner Frau zur Hofkapelle deuten auf eine besondere Affinität zur Musik. Eichhoff würde dafür eintreten, dass Bonn seine Tradition als Musikstadt pflegt. Dazu gehören Investitionen in Konzerthäuser (Beethovenhalle), Förderung lokaler Ensembles, Musikunterricht an Schulen und Musikfestivals. Auch experimentelle Kulturprojekte dürften Unterstützung finden, solange sie dem Gemeinwohl dienen.
Kulturelle Teilhabe und Diversität: Als Aufklärer forderte Eichhoff Bildung für alle Stände. Heute würde er Programme fördern, die barrierefreien Zugang zu Kultur ermöglichen – etwa über ermäßigte Eintrittspreise, Outreach‑Programme in Stadtteilen und eine inklusive Programmatik. Projekte wie „Open Museum“ oder „Kultur in der Schule“ würden seine Zustimmung finden.
Johann Josef Eichhoff war ein vielschichtiger Akteur der Bonner Stadtgeschichte. Als Aufklärer, Unternehmer, Bürgermeister, Unterpräfekt und Generaldirektor der Rhein‑Schifffahrt setzte er sich für die Liberalisierung des Handels, die Abschaffung von Binnenzöllen und eine Reduktion fiskalischer Belastungen ein. Gleichzeitig wirkte er als Kunstsammler, Mäzen und Freund Beethovens. Sein Engagement für Bildung und Kultur zeigt, dass er ein umfassendes Verständnis von Gemeinwohl besaß.
Überträgt man diese historischen Prinzipien auf die aktuelle Kommunalpolitik, lassen sich klare Leitlinien ableiten: Abbau bürokratischer Hemmnisse, Verbesserung der Infrastruktur, Stärkung des innerstädtischen und europäischen Handels sowie eine entschlossene Kultur‑ und Erinnerungspolitik. Eichhoff würde vermutlich eine Stadtverwaltung fordern, die wirtschaftliche Dynamik mit einer lebendigen, an Bildung orientierten Kultur verknüpft.
Ob jemand Eichhoff auch nur ansatzweise im Wahlkampf auf die Agenda setzt? Wohl nicht.
Und was ist mit unserer Mittwochsprognose? Die kommt ausnahmsweise am Dienstag. Keine großen Änderungen. Drei Kandidaten rücken auf hohem Niveau zusammen. Wer kommt in die Stichwahl? Das bleibt die einzige spannende Frage in einem recht langweiligen Wahlkampf.
🗳️ OB-Wahl Bonn – Prognose KW 31
| Kandidat:in | KW 30 | KW 31 | Trend |
|---|---|---|---|
| Guido Déus (CDU) | 31 % | 31 % | → |
| Katja Dörner (Grüne) | 27 % | 27 % | → |
| Jochen Reeh-Schall (SPD) | 20 % | 21 % | ⬆ leicht |
| Petra Nöhring (FDP) | 7 % | 7 % | → |
| Michael Faber (Linke) | 6 % | 6 % | → |
| Johannes Schott (BBB) | 4 % | 4 % | → |