Von Talenterweckung und dem Ende der Wissensgesellschaft: Ein Zukunftsbild in Grau und Gold #ZukunftPersonal #ZPE2024 #MesseTV

„Homeoffice macht arbeitslos“, so die provokante These von Sven Gábor Jánszky im Interview auf der Zukunft Personal Europe. Doch Jánszky ist kein Pessimist, das wird schnell klar. Sein Bild der Zukunft, so drastisch es klingt, ist durchzogen von Optimismus, aber einem, der sich der Risiken des Fortschritts bewusst ist.

Seine Vision ist mutig, herausfordernd und an manchen Stellen beunruhigend. „70 Prozent der Tätigkeiten im Personalmanagement können automatisiert werden“, erklärt er weiter. Damit trifft er einen Nerv. Was viele als stufenweisen Prozess der Digitalisierung und Automatisierung verstehen, beschreibt Jánszky als beinahe schon vollendeten Wandel. Die maschinelle Revolution ist längst nicht mehr Zukunftsmusik; sie spielt jetzt, in Echtzeit. Und doch sieht Jánszky in dieser Entwicklung einen positiven Ausblick, „weil die Zeit, die man einspart, für das Zwischenmenschliche genutzt werden kann.“

Es ist diese „Zwischenmenschlichkeit“, dieses schwer fassbare Konzept, das Jánszky als Rettungsanker in einer zunehmend automatisierten Welt beschreibt. Hier kommt die „Talenterweckung“ ins Spiel – ein Begriff, der vom Fragesteller Gunnar Sohn in die Diskussion geworfen wurde. Jánszky greift ihn bereitwillig auf: „Die KI wird uns helfen, Talente zu wecken, neue Fähigkeiten zu entdecken“, sagt er, wohl wissend, dass dies kein leichter Weg ist. Die Talentförderung, so seine These, könne nicht mehr nur dem Bauchgefühl und der Intuition überlassen werden. Denn die Künstliche Intelligenz, mit ihrer zukünftigen Fähigkeit, besser zu hören, besser zu sehen, besser zu fühlen als jeder Mensch, werde die zentrale Rolle auch in der Talententwicklung übernehmen.

Doch die eigentliche Tragik dieses Bildes wird erst deutlich, wenn man Jánszkys Überzeugung tiefer durchleuchtet: „Die Wissensgesellschaft ist vorbei,“ erklärt er ohne zu zögern, „was Wert schafft, ist nicht mehr das Wissen eines Menschen, sondern das, was über menschliches Wissen hinausgeht.“ Eine deutliche Zäsur, die für viele im Publikum fast ketzerisch klingen mag. Jahrzehnte lang wurde das Wissen als höchstes Gut einer modernen Gesellschaft gepriesen. Jetzt, da die Maschinen beginnen, dieses Wissen nicht nur zu replizieren, sondern zu übertreffen, bleibt die Frage: Was bleibt dann vom Menschen?

Das Mantra des Vortragenden lautet: Anpassung. Jánszkys Zukunftsszenario fordert die Bereitschaft, sich auf das einzulassen, was die Maschinen uns geben können. „Die Zeit der KI-Schwärme kommt“, prophezeit er. „KI wird mit KI kommunizieren, und wir Menschen werden in vielen Bereichen nicht mehr gebraucht.“ Es ist eine kalte, rationale Zukunft, in der der Mensch – wie es scheint – seine zentrale Rolle verliert. Doch inmitten dieses technologischen Gewitters gibt es einen Silberstreif. Denn, so Jánszky, „wenn es darum geht, neue Produkte zu kreieren, wenn es darum geht, wirklich innovativ zu sein, wird der menschliche Kontakt entscheidend bleiben.“

Hier offenbart sich eine der großen Paradoxien seines Vortrags: Während die Maschinen sich in rasendem Tempo weiterentwickeln und in immer mehr Lebensbereiche eindringen, bleibt der Mensch in bestimmten Domänen unersetzlich. Es ist der „menschliche Funke“, der in kreativen Prozessen eine Rolle spielt – und doch droht selbst dieser Funke unter der wachsenden Macht der Algorithmen zu verblassen. „Es ist schön, dass wir stärker geworden sind, aber es gibt Grenzen“, warnt Jánszky mit Blick auf die Zukunft. Denn auch die Kombination von Mensch und KI wird irgendwann an ihre Grenzen stoßen.

Die Zukunft ist in Jánszkys Augen kein festes Ziel, sondern ein laufender Prozess. „Schauen wir 10 Jahre in die Zukunft, dann wird es in vielen Bereichen den Menschen nicht mehr brauchen“, erklärt er mit der Gelassenheit eines Wissenschaftlers, der den Sturm kommen sieht. Doch dieser Sturm ist für ihn kein Grund zur Panik – vielmehr eine Chance. „Die Wissensgesellschaft ist tot, aber was wir erschaffen können, wenn wir uns mit der KI vereinen, geht weit darüber hinaus.“

Für die Führungskräfte im Publikum bleibt eine zentrale Frage offen: Wie soll man diese Entwicklung in der Praxis umsetzen? Die Unruhe und das Staunen sind im Raum spürbar. Einer der wichtigsten Punkte, der immer wieder durch den Vortrag hindurchscheint, ist die Notwendigkeit, die eigene Perspektive zu erweitern: „Beschäftigt euch täglich mit der Zukunft“, rät Jánszky. „Wenn man es nicht tut, wird man von ihr überrannt.“ Die Botschaft ist klar: Es ist nicht die KI, die eine Gefahr darstellt, sondern das Zögern, sich aktiv mit ihr auseinanderzusetzen.

Die vielleicht unbequemste Wahrheit seines Vortrags liegt in der Erkenntnis, dass viele Unternehmen noch immer im alten Denken verhaftet sind. Die Angst, sich mit der Zukunft zu beschäftigen, lähmt viele Entscheidungsträger. „Ich treffe oft auf Menschen, die mir sagen, dass sie das alles gut finden, aber es in ihren Unternehmen nicht durchsetzen können“, berichtet Jánszky fast beiläufig. Hier spiegelt sich die Kluft zwischen den Zukunftsvisionen und der Realität wider. Unternehmen suchen nach „Zukunftsbildern“, nach Methoden, die sie fit für das Morgen machen. Doch es braucht Mut, sich aus den alten Strukturen zu lösen und den Sprung ins Unbekannte zu wagen.

So bleibt der Zuhörer mit einem Gefühl der Dringlichkeit zurück. Die Zukunft, so wie Jánszky sie zeichnet, ist nicht die Zukunft, von der wir einmal geträumt haben – sie ist nicht die Welt der fliegenden Autos oder der friedlichen Roboter-Assistenten. Sie ist eine Welt, die auf uns zurollt, fordernd und unnachgiebig, eine Welt, in der Wissen nicht mehr König ist und in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer unschärfer werden.

Es ist die Zeit der Talenterweckung, der Neuentdeckung und der Anpassung. Doch ob wir in dieser neuen Welt bestehen werden, bleibt offen. Jánszky hat die Zukunft klar vor Augen – die Frage ist, ob wir bereit sind, ihr zu begegnen.

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