Weltmacht China nur ein Scheinriese?

Chinas und Indiens Wirtschaft lehrte in den letzten Jahren nicht nur die Deutschen das Fürchten. Die Konkurrenz aus Asien erschien übermächtig. Doch neue Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) http://www.imf.org beziffern den Anteil der beiden Volkswirtschaften deutlich geringer als bisher angenommen. „Diese Daten könnten noch zum Problem werden“, sagt der Düsseldorfer Emerging Markets-Fachmann Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Die Auguren gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den USA verschlechtern wird. Alle Anzeichen deuten darauf hin. Bisher hatte man darauf gesetzt, dass die so genannten Schwellenländer – und dabei natürlich insbesondere China und Indien – diesen Negativtrend zumindest teilweise kompensieren würde. Jetzt hat es aber den Anschein, dass andere Schellenländer wie Brasilien und Russland, aber auch Japan und die Ölexporteure, hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft bisher zu schlecht einschätzt wurden.“

Nach den neuen IWF-Schätzungen hat der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft im Jahr 2007 nicht 15,8 Prozent, sondern „nur“ 10,9 Prozent betragen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Der Anteil Indiens wurde von 6,4 auf 4,6 Prozent zurückgenommen, derjenige der amerikanischen Wirtschaft hingegen von 19,3 auf 21,4 Prozent hochgesetzt. Insofern ist fraglich, ob der Abschwung in Amerika spurlos an den Märkten in Europa und Asien vorbeigehen wird. „China ist zwar von dem IWF nicht als Scheinriese Tur Tur aus den Romanen Michael Emdes entlarvt worden, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Doch die Überbewertung Chinas sollte all denen eine Lehre sein, die in den vergangenen Jahren nur noch Blicke für dieses Riesenreich hatten und dabei anscheinend nicht richtig hingesehen haben“, so Peisert.

Unternehmen wollen in Osteuropa wachsen – Asien nur an zweiter Stelle bei Auslandsmärkten

Nicht Asien, sondern Osteuropa entzündet die Fantasie der deutschen Unternehmer. Zumindest verschieben sie den Fokus ihrer internationalen Expansion immer stärker in diese Region. „Dort erwarten sie einen kräftigen Schub für ihr eigenes Geschäft“, schreibt das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. Für den aktuellen Business-Monitor der Wirtschaftszeitung befragte das Psephos-Institut http://www.psephos.de 409 Top-Manager aus deutschen Unternehmen zu ihren Strategien für die kommenden zwölf Monate. Schwerpunkt des Wachstums bleibe zwar Deutschland, denn am Heimatmarkt erwarten 66 Prozent der Befragten in diesem Jahr ein stärkeres Unternehmenswachstum. Doch diese Zahl sei im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr konstant geblieben. Bei den Auslandsmärkten dominiere hingegen Osteuropa deutlich, schreibt das Handelsblatt.

In Asien planen nur 31 Prozent der Befragten eine stärkere Expansion, in den USA sind es zwölf Prozent. „Der aktuelle Foreign Direct Investment Index 2007 des Beratungsunternehmens A. T. Kearny, der auf einer Befragung von Vorständen der weltweit 1.000 größten Firmen beruht, zeigt ein anderes Bild“, sagt der Osteuropaexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Nach dieser Studie rücken Länder wie Tschechien, Rumänien oder Ungarn zunehmend aus dem Fokus internationaler Investoren. Selbst Russland verliert nach dieser Erhebung etwas an Boden. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass in Osteuropa weiterhin ein ungeheures Potenzial liegt, das noch längst nicht abgeschöpft wurde. Gerade für mittelständische Unternehmen bieten sich hier noch vielfältige Möglichkeiten. Und die Staaten der ehemaligen Sowjetunion darf man auch nicht außer acht lassen. Ich warne Investoren davor, nur nach China zu schauen, denn dort wachsen die Bäume auch nicht in der Himmel.“