
Ein spannendes Gespräch mit Jean-Pol Martin und Simon Wilhelm Kolbe zum Konzept “Lernen durch Lehren” (LDL), fand auf der Next Economy Open #NEO23 statt. Das LDL Handbuch, ein Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, öffnet die Tür zur Praxis und zeigt, wie es in verschiedenen Bildungsbereichen eingesetzt werden kann.
Das Handbuch zielt darauf ab, Lehrenden und Lernenden zu zeigen, wie sie die Autonomie und das Vertrauen der Lernenden stärken können. Es liefert konkrete Schritte und Empfehlungen zur Umsetzung von LDL, beleuchtet kritische Aspekte und zeigt Lösungswege auf. Es spricht Lehrende, Hochschullehrende, Forscherinnen und Forscher sowie alle, die in der Bildungspraxis tätig sind, an.
Jean-Pol Martin betont, dass das LDL-Konzept schon seit Jahrhunderten existiert, aber oft übersehen wird. Er kritisiert, dass Institutionen und Pädagogen das Konzept nicht genug unterstützen und verbreiten. LDL ermöglicht es, Schülerinnen und Schüler aktiv in den Lernprozess einzubeziehen und ihre Potenziale zu fördern. Simon Kolbe fügt hinzu, dass LDL in der aktuellen Bildungsdebatte eine wichtige Rolle spielen sollte. Er verweist auf Studien, die zeigen, dass Schulen mit mehr Autonomie und bestimmten Bedingungen besser mit der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler umgehen können. LDL bietet hier Lösungsansätze, die bisher noch nicht ausreichend genutzt werden.
Das LDL Handbuch ist ein Schatz an vielfältigen Einblicken und Erfahrungen. Es enthält Beiträge von verschiedenen Autorinnen und Autoren, die ihre Praxiserfahrungen teilen und konkrete Tipps geben. Es ist verständlich geschrieben und richtet sich an alle, die ihre berufliche Praxis verbessern möchten. Es bietet eine Antwort auf die Defizite im Bildungssystem, wie sie in der aktuellen Pisastudie aufgezeigt wurden.
In der Session wird erläutert, dass die Belohnung für die Konzeptionalisierung und Informationsverarbeitung der „Flow“ ist, der sich positiv auf den Organismus auswirkt. Dieser Flow wird auch in der Literatur über LDL beschrieben und kann durch quantitative Erhebungen unter den Nutzern weiter erforscht werden.
Es hebt auch den praktischen Nutzen des neuen Menschenrechtsansatzes hervor. Dieser Ansatz ordnet alle Paragraphen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den sechs Bedürfnisdimensionen zu und bietet somit eine praktische Grundlage für die Reflexion und das praktische Handeln in der sozialen Arbeit. Es betont, dass dieser Ansatz die Menschenrechte nicht angreift, sondern sie in einer praktischen und verständlichen Weise umsetzt.
Das LDL-Konzept ist in der Hochschulbildung noch nicht weit verbreitet. Positive Erfahrungen gibt es beispielsweise mit Projektteams an der Hochschule Fresenius, die in Live-Sendungen zu verschiedenen Themen gearbeitet haben. Dabei wurde festgestellt, dass die Studierenden intensiver und tiefer in die Themen eingestiegen sind und auch empirische Forschung betrieben haben.