Maskerade und Identität in der digitalen Welt: In Erinnerung an Johannes Wiele

Tauche ein in die Welt der Maskerade: Entdecke die Verbindung von Venezianischen Karnevalsmasken und digitaler Identität.

Die Commedia dell’Arte mit ihren bekannten Charakteren wie Harlekin, Brighella und dem tollpatschigen Knecht, Colombina, Dottore und Pantalone, war mehr als nur ein italienisches Straßentheater des 16. bis 18. Jahrhunderts. In der Sendung „Sohn trifft Becker“ sprachen wir mit Johannes Wiele über die Parallelen zwischen der traditionellen Maskerade und modernen Identitätsfragen im digitalen Zeitalter.

Johannes Wiele, ein erfahrener Journalist und Redakteur, der sich seit Jahren mit dem Thema IT-Sicherheit auseinandersetzt, sieht in der virtuellen Maskerade ein Mittel, um Hierarchien zu überwinden und einen freien Gedankenaustausch zu ermöglichen. Er zieht Parallelen zur venezianischen Gesellschaft, in der Masken sowohl im alltäglichen Leben als auch in der Politik eine Rolle spielten. Diese Masken ermöglichten es den Trägern, sich frei von sozialen Zwängen zu bewegen und ihre wahre Identität zu verbergen.

Wiele betont die Bedeutung von Anonymität und Datenschutz im Internet, insbesondere im Hinblick auf die Überwachung und Datenspeicherung durch Unternehmen. Er argumentiert, dass Nutzer das Recht haben sollten, sich gegen ungewollte Überwachung zu wehren, ähnlich wie es die Venezianer mit ihren Masken taten.

Das Gespräch drehte sich auch um die Rolle der Maske in der heutigen Gesellschaft. Wiele erläutert, wie das Tragen einer Maske – sei es physisch oder digital – eine Distanz schafft, die es ermöglicht, sich von der indiskreten Bewertung anderer zu entziehen. Diese Distanz könne dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen ohne Angst vor Vorurteilen oder Diskriminierung kommunizieren können.

Die Diskussion führte zu der Frage, wie solche Konzepte der Maskerade und Anonymität in der heutigen digitalen Welt angewendet werden könnten. Wiele sieht in diesen Ideen ein Potenzial für einen kulturellen Wandel, der unsere Art der Kommunikation und des Umgangs miteinander tiefgreifend verändern könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Interview mit Johannes Wiele eine faszinierende Perspektive auf die Rolle der Maske und der Anonymität in unserer heutigen Gesellschaft und im digitalen Zeitalter bietet. Es zeigt, dass historische Praktiken wie die venezianische Maskerade auch heute noch relevante Einblicke in die komplexen Fragen von Identität, Datenschutz und sozialen Interaktionen geben können.

Lutz Becker teilte mir gerade mit, dass Johannes Wiele im Jahr 2021 verstorben ist. Wir hatten uns ein wenig aus den Augen verloren nach unserem Interview. Johannes wurde nur 59 Jahre alt. Ich denke immer wieder über das Thema nach und werde das in einem anderen Kontext noch einmal ausführlich ausbreiten in einem Buchbeitrag. Ich denke an Dich, lieber Johannes.

3 Gedanken zu “Maskerade und Identität in der digitalen Welt: In Erinnerung an Johannes Wiele

  1. Lutz Becker

    Unfassbar traurig.Ich hatte lange nichts mehr von ihm gehört und wollte ihn anrufen. Ich habe Johannes Ende der 1990er als jungen Journalisten kennen und schätzen gelernt. Später hat er mich als Lehrbeauftragter unterstützt, und wir haben gemeinsam an Publikationsprojekten gearbeitet. Jetzt erinnere mich noch gut an eines unserer ersten Projekte http://www.nadin.name/links/websites/trust/bio_sum/shortbio.html. Sein Bauta-Projekt hat es verdient, weitergeführt zu werden. Ich mochte seine tiefgründige und zugleich zurückhaltend Art. Möge er in Frieden ruhen.

  2. Pingback: Stillstehen im Lauf: Brecht liest Gracián - ichsagmal.com

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