
Im Gespräch mit Franz Langecker, einem Urgestein des HR-Journalismus und seit 1996 Chefredakteur der Fachzeitschrift HR Performance, stieß ich als Moderator auf eine zentrale Frage, die die gesamte Branche umtreibt: Wie sehr hindern alte Machtstrukturen den notwendigen Wandel in der Arbeitswelt? „Die Manager von gestern versauen die Zukunft von morgen“, war mein prägnanter Kommentar, der im Laufe der Diskussion mehrfach aufgegriffen wurde und als Diagnose eines strukturellen Problems fungierte.
Langecker, der auf eine lange Karriere im HR-Journalismus zurückblickt und die Entwicklungen der Branche aus nächster Nähe verfolgt hat, teilte diese Einschätzung. Doch seine Perspektive ging noch weiter. In den vergangenen drei Tagen auf der Zukunft Personal Europe waren viele der Themen, die diskutiert wurden – von Digitalisierung über KI bis hin zu Gesundheit und neuen Arbeitsformen – nicht neu. „Viele alte Themen haben wir immer noch nicht aufgearbeitet“, resümierte Langecker. Die Einführung neuer Technologien wie KI wird zwar diskutiert, doch der tatsächliche Wandel erfolgt zu langsam. Zu oft scheitert dieser Fortschritt an veralteten Führungsstrukturen, die nach wie vor die Unternehmensspitzen dominieren.
Im Verlauf der Diskussion kamen wir auf ein besonders zukunftsweisendes Thema zu sprechen: die global vernetzte Arbeitswelt. „Die Hidden Champions im Maschinenbau machen es vor“, sagte ich, als wir über die Möglichkeiten sprachen, wie Unternehmen durch dezentrale Teams in Singapur oder Mexiko global erfolgreich sein können, ohne dass Fachkräfte vor Ort sein müssen. Es ist eine Vision, die traditionelle Vorstellungen von Präsenzarbeit aufbricht und die Vorteile der Digitalisierung voll ausschöpft. In einer Welt, die von grenzenloser Kommunikation und digitaler Zusammenarbeit geprägt ist, sollten Unternehmen nicht mehr auf die physische Anwesenheit ihrer Spezialisten angewiesen sein. Diese Arbeitsweise ist nicht nur kosteneffizient, sondern auch ein Schritt hin zu einer flexiblen, globalen Workforce, die in der Lage ist, über geografische und kulturelle Grenzen hinweg zu agieren.
Langecker zeigte sich in der Diskussion allerdings auch kritisch gegenüber der Geschwindigkeit, mit der diese Entwicklungen in der Realität voranschreiten. Ein besonders nachdenklicher Moment entstand, als er die Frage stellte: „Was tun wir mit der Zeit, die uns die Automatisierung schenkt?“ Die Automatisierung vieler HR-Prozesse könnte den Alltag von Personalabteilungen erheblich entlasten. Doch anstatt diese Zeit produktiv für Innovation und strategische Entwicklungen zu nutzen, fehlt es vielen Unternehmen an einem klaren Konzept, wie diese neu gewonnene Ressource eingesetzt werden sollte. Es ist ein Versäumnis, das darauf hindeutet, dass nicht die Technik das Problem ist, sondern das Festhalten an alten, bewährten Strukturen – Strukturen, die verhindern, dass neue Ideen wirklich Raum bekommen.
Während unseres Gesprächs wurde auch deutlich, dass HR mehr Verantwortung übernehmen muss. Es darf nicht nur um das Personal gehen, sondern um die strategische Entwicklung des gesamten Unternehmens. „HR muss das Unternehmen mitentwickeln“, forderte Langecker. Dabei geht es um mehr als nur um die Verwaltung von Mitarbeitern – HR sollte aktiv Impulse setzen, neue Geschäftsmodelle entwerfen und Druck auf die Unternehmensführung ausüben, um echte Veränderungen anzustoßen.
Für die Zukunft der Zukunft Personal-Messen machte Langecker schließlich einige klare Empfehlungen. Er sprach sich dafür aus, den Fokus stärker auf die digitale Transformation und flexible Arbeitsmodelle zu legen. HR-Abteilungen sollten sich nicht länger als reine Verwalter verstehen, sondern als strategische Akteure, die maßgeblich zur Entwicklung neuer Unternehmensmodelle beitragen. Diese Veränderungen sind nicht nur für die Frühjahrsmessen, sondern auch für die nächste Zukunft Personal Europe von entscheidender Bedeutung. Themen wie die Schaffung einer globalen, ortsunabhängigen Belegschaft und die Nutzung von Automatisierung und KI als strategische Ressourcen müssen dabei eine zentrale Rolle spielen.
Die Debatte mit Franz Langecker war ein Blick in die Zukunft einer Branche, die sich im Umbruch befindet, aber immer wieder von den Altlasten ihrer Vergangenheit gebremst wird. Es bleibt zu hoffen, dass die notwendigen Impulse auf den kommenden Messen aufgenommen und die neuen Möglichkeiten konsequent genutzt werden.
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