Künstliche Intelligenz, Kant und der kategorische Imperativ: Gedanken zum 300. Geburtstag des Philosophen aus Königsberg #HM24 #ZPNord @DFKI

Wenn Immanuel Kant seinen 300. Geburtstag erleben würde, stünde er vor einer Welt, die von der Idee künstlicher Intelligenz (KI) durchdrungen ist. Ein Gespräch mit Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wirft ein neues Licht auf die Debatte: „KI ist nichts ohne den menschlichen Einfluss“, meint Karger und erinnert uns damit indirekt an Kants Imperativ der Autonomie und Vernunft.

Kant forderte, dass unsere Handlungsmaximen den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben können – ein Ideal, das bei Karger Resonanz findet: „Was KI leisten kann, hängt von den ethischen Richtlinien ab, die wir als Gesellschaft festlegen.“ Die KI heute folgt menschlichen Befehlen, verarbeitet Daten nach menschlich vorgegebenen Algorithmen, aber kann sie auch kantisch „wollen“? „Das, was eine KI ‚will‘, ist nichts weiter als ein Spiegel der Ziele, die wir ihr geben“, stellt Karger klar.

Kants kategorischer Imperativ verlangt von uns, so zu handeln, dass unsere Handlungsgrundsätze als allgemeines Gesetz dienen könnten. Karger spricht von „demokratieförderlicher“ KI, die gesellschaftlichen Nutzen stiftet und nicht schadet. Doch wie Kants Imperativ vorschreibt, müsste KI in die Lage versetzt werden, diese universellen Gesetze selbst zu verstehen und anzuwenden. „Derzeit“, so Karger, „bleibt KI eine Maschine, die unserem Willen folgt, und kein autonomer moralischer Akteur.“

Die Spannung zwischen Kants Ethik und der KI zeigt sich in der Diskrepanz zwischen menschlichem Handeln und maschineller Ausführung. Karger betont die Bedeutung von KI als Werkzeug: „Sie kann helfen, unsere Arbeit zu erleichtern, Entscheidungen vorzubereiten, aber sie ersetzt nicht unseren moralischen Kompass.“ Kants Idee der Autonomie bleibt also unerreicht, da KI nicht selbstständig „wollen“ oder den moralischen Wert ihrer Handlungen beurteilen kann.

Und dennoch – könnte die KI nicht in einem kantischen Sinne nützlich sein, indem sie uns als „verlängerter Arm“ unserer eigenen vernunftgeleiteten Entscheidungen dient? „KI-Systeme können uns unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen, indem sie uns Informationen liefern, die wir alleine vielleicht nicht finden würden“, erklärt Karger.

Was würde es bedeuten, wenn KI nach kantischen Prinzipien programmiert würde? Karger sieht das Potenzial: „KI könnte dazu beitragen, unsere Gesellschaft zu verbessern, indem sie Zugang zu Bildung, medizinische Diagnosen und andere lebenswichtige Informationen bietet.“ Allerdings unter der Voraussetzung, dass die KI im Einklang mit ethischen Grundsätzen entwickelt wird – ein modernes Echo von Kants Moralphilosophie.

Auf die Frage nach der Verantwortung antwortet Karger: „Letztendlich tragen wir die Verantwortung dafür, wie die KI verwendet wird. Sie ist ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Vernunft und Verantwortung.“ Damit verweist er auf die Grenzen der Technologie und die Notwendigkeit menschlicher Ethik.

Kants Lehren sind auch in der Ära der KI von Bedeutung mit einigen Anpassungen: nicht KI nach dem kategorischen Imperativ zu gestalten, sondern KI mit kantischen Idealen zu leiten. Karger fasst zusammen: „Wir müssen die KI mit einer Ethik programmieren, die der menschlichen Vernunft und dem Gemeinwohl dient.“

Kants 300. Geburtstag gibt uns Anlass, über die Rolle der Vernunft in einer von KI geprägten Welt nachzudenken und wie wir, im Geiste Kants, eine Gesellschaft gestalten können, die sowohl die Möglichkeiten der Technologie nutzt als auch ihre moralischen Prinzipien bewahrt.

Auf der Hannover Messe und auf der Zukunft Personal Nord in Hamburg haben wir einigen Debattenstoff. Eine Frage gehört auch ins Personalmanagement: Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Pflichtethik und Nützlichkeitsethik. Kant versus Hobbes.

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