
Die Begegnung mit Jule Jankowski auf der „Zukunft Personal Europe“ in Köln war ein intensiver Austausch über das „Denken in Möglichkeiten“. Man könnte auch Kontingenz sagen. Es geht nicht nur um Unsicherheit, sondern auch um die Freiheit, das Unerwartete zu nutzen. Diese Freiheit, die durch die Offenheit für Alternativen entsteht, bildet die Grundlage für das strategische Handeln, das Jankowski als essenziell für eine zukunftsfähige Arbeitskultur versteht.
Ihr Ansatz erinnert stark an Roland Barthes’ Theorie des offenen Textes, bei dem die Bedeutung nie festgelegt ist, sondern stets im Fluss bleibt. In dieser Denkweise wird die Zukunft nicht als starre Vorherbestimmung verstanden, sondern als ein Raum der Möglichkeiten, den es zu gestalten gilt. Genau in diesem Moment zeigt sich, dass die Vision für die Zukunft nicht nur eine Frage der Strategie ist, sondern auch eine Frage der Haltung: Welche Chancen nehmen wir wahr, welche Wege schlagen wir ein?
In der heutigen Unternehmenswelt sehen wir häufig eine taktische Vorgehensweise, die darauf abzielt, akute Krisen zu bewältigen. Doch, wie Jule Jankowski feststellte, ist dies ein kurzfristiges Denken, das auf Dauer nicht tragfähig ist. Strategisch und zukunftsgerichtet zu handeln bedeutet, sich zu öffnen – nicht nur für das, was fehlt, sondern vor allem für das, was bereits da ist. Der Vergleich mit dem Kochen aus dem Vorhandenen anstelle von exotischen Zutaten ist hier nicht nur eine pragmatische Anmerkung, sondern eine Aufforderung, die Ressourcen zu nutzen, die uns bereits zur Verfügung stehen.
Denken in Möglichkeiten ist dabei nicht nur ein intellektueller Prozess, sondern ein emotionaler. Dies wurde besonders deutlich, als das Thema Trauer zur Sprache kam. Im Gespräch erzählte ich von Michael Bommer, der sich im Angesicht seiner unheilbaren Diagnose als KI neu erschuf und somit einen heilsamen Abschied fand. Diese Geschichte zeigt, dass der Mut zur Trauer und der Umgang mit dem Unerwarteten uns auch in den dunkelsten Momenten Raum für Kreativität und Möglichkeiten gibt. Michael Bommer nutzte seine letzten Tage, um nicht nur Abschied zu nehmen, sondern auch ein Vermächtnis zu hinterlassen, das weit über sein eigenes Leben hinausreicht.
Die Verbindung zwischen „Denken in Möglichkeiten“ und dem Mut zur Trauer verdeutlicht, dass wir nicht nur beruflich, sondern auch persönlich immer wieder vor Entscheidungen stehen, wie wir mit dem Unvorhersehbaren umgehen. Es fordert uns auf, uns mit dem auseinanderzusetzen, was ist, und uns gleichzeitig für das zu öffnen, was kommen könnte – auch wenn es unerwartet ist.