
Erstmals beteiligt sich „ein“ Finanzinvestor an einem deutschen Fußball-Bundesliga-Club, meldet Spiegel Online. Klingt erst einmal umspektakulär. Aber dann kommt es doch Dicke. Mein Lieblingsclub, dem ich seit dem Beginn meiner bescheidenen Fußballkarriere in der E-Jugend die Treue halte, begibt sich in die Hände eines Firmenjägers mit dem wohl schlimmsten Ruf:
„Das weltweit agierende Private-Equity-Unternehmen KKR erwirbt nach Informationen des SPIEGEL knapp zehn Prozent am Hauptstadtclub Hertha BSC. Insgesamt beläuft sich das Investment auf gut 60 Millionen Euro, die strategische Partnerschaft ist auf mindestens sieben Jahre angelegt. KKR, einer der weltgrößten Finanzinvestoren, hat dem Vernehmen nach die Möglichkeit, seinen Anteil auf 33 Prozent aufzustocken. Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller bestätigte den Abschluss des Geschäfts auf Anfrage: ‚Wir setzen gemeinsam mit KKR auf Wachstum.‘ KKR wird einen Sitz im Aufsichtsrat in der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA bekommen, der Profi-Fußball-Tochter des Vereins, darüber hinaus hat der Investor dem Vernehmen nach keinerlei Einfluss auf sportliche und wirtschaftliche Entscheidungen des Fußball-Unternehmens verlangt. Hertha BSC wird mit dem Geld aus dem Verkauf an KKR seine Kredite von knapp 37 Millionen Euro größtenteils zurückzahlen. Darüber hinaus wird der Club Marketing-, TV- und Catering-Rechte zurückkaufen.“
„Wir setzen auf Wachstum“, „die strategische Partnerschaft ist auf sieben Jahre angelegt“, fehlt nur noch „wir sind wieder gut aufgestellt“ und „KKR und Hertha bilden eine schlagkräftige Allianz und setzen auf Synergien“ oder ähnlicher semantischer Management-Brei. Also liebwerteste Hertha-Freunde, ich weiß nicht, von welchem Floh Ihr gebissen wurdet, aber damit habt Ihr kräftig ins Klo gegriffen.
Jetzt kommt für das Management von Hertha BSC eine kleine Firmenjäger-Nachhilfe-Stunde:
Private Equity-Gesellschaften wie KKR beschaffen sich für die Firmenjagd Kapital von institutionellen Investoren, immer häufiger aber von sogenannten HNWI (High Net Worth Individuals), also vermögenden Individuen – Firmeninhaber, Firmenerben, Vermögensverwalter, Topmanager, Anwaltskanzleien mit verfügbaren Anlagesummen ab fünf Millionen US-Dollar aufwärts. Nach Auffassung des Kölner Journalisten Werner Rügemer brauche das radikale Vorgehen von KKR Verbündete innerhalb des übernommenen Unternehmens – oder im Umkreis. Die “Anleger” sind also entweder Einzelpersonen – teilweise aus dem Dunstkreis des übernommenen Unternehmens – oder Institutionen.
Und die zeichnen die Private Equity-Fonds sehr häufig auf den Cayman Islands.
Für diese halbseidenen Geschäfte müssen die “Investoren” weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Die Namen der Aas-Geier werden natürlich nicht preisgegeben:
„Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden”, kritisiert der ehemalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert und der muss es ja wissen, nicht wahr meine Hertha-Freunde. Fragt doch mal bei Seifert nach!
Beim KKR-Deal mit dem Grünen Punkt-Müllkonzern endeten meine Recherchen in Luxemburg – auf den Cayman-Inseln hätte ich wohl nur an verschlossenen Türen der Fondsgesellschaften mit schönen Fantasie-Namen rütteln können. Die KKR-Tochter Deutsche Umwelt Investment AG in Düsseldorf hatte zwar formal die Übernahme des DSD vollzogen. Hinter der DUI stand wiederum eine Beteiligungsgesellschaft, die sämtliche Aktien übernommen hatte: die Blade Lux Holding Two S. mit Sitz in Luxemburg. Dahinter befand sich wiederum die Blade MEP Beteiligungs GmbH. Geschäftszweck:
„Gegenstand des Unternehmens: Erwerb, Halten und Verwalten sowie Veräußerung von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, an denen die Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, und/oder die Blade Lux Holding Two S. .r.l, mit Sitz in Luxemburg, unmittelbar oder mittelbar beteiligt sind, sowie an Personengesellschaften, die Beteiligungen an solchen Kapitalgesellschaften halten im Zusammenhang mit der Beteiligung von Organmitgliedern, Führungskräften und Mitarbeitern verschiedener Unternehmen der Blade-Gruppe an solchen Gesellschaften; die Blade-Gruppe umfasst die Gesellschaften, die unmittelbar oder mittelbar von der Blade Lux Holding One S. .r.l mit Sitz in Luxemburg, abhängig sind. Die Gesellschaft betreibt keine Geschäfte, für die eine gesetzliche Erlaubnispflicht besteht”, so lautete der Eintrag im Handelsregister.
Bei allen Deals wird die Öffentlichkeit, werden Gesellschafter und Aktionäre mit den selben Floskeln abgespeist.
„Wir wollen das Unternehmen ertüchtigen und an die Börse bringen“, „wir wollen das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig machen“, „unser Engagement ist langfristig angelegt“ – Blablablabla.
Wenn die Hertha-Bubis nicht Rendite bringen, wird es Ärger geben. Im Zweifel muss das Tafelsilber verscherbelt werden, um die Renditeerwartungen der KKR-Kunden auf den Cayman-Inseln zu befriedigen. Und das Rendite-Versprechen liegt bei satten 20 bis 25 Prozent. Hertha war ja schon für einige Eskapaden gut. Mit KKR werdet Ihr so richtig auf die Fresse fallen. Preetz und Co. sollten sich schon mal mit den „Fachbegriffen“ der Firmenjäger vertraut machen: In der Regel wird beim Geschäft der Firmenjäger das liquide Vermögen bis zur Grenze des rechtlich Zulässigen an die neuen Gesellschafter ausgezahlt – so etwas nennt man in Branchenkreise “Recap”. Das übernommene Unternehmen wird also nach dem Wieselprinzip wie ein Ei ausgesaugt und danach an einen weiteren Finanzinvestor weitergereicht, der die Reste aufsammelt und verscherbelt. Neudeutsch bezeichnet man das als “secondary buyout”. Gute Nacht, Hertha 🙁
Siehe auch:
Müll-Geschäfte drehen sich weiter: Der Grüne Punkt und die Heuschrecken.
