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Facebook-Lamento, Klickbomben und barfüssige Propheten

Im Besserwisser-Biotop der Untergangspropheten
Im Besserwisser-Biotop der Untergangspropheten

Ob es um den Euro, um Facebook oder das Abendland geht: Untergangspropheten wandeln in einer Komfortzone des Schlauermeiertums: Als Alarmglocken-Lautsprecher hat man in jedem Diskurs-Szenario recht. Falls das Unheil eintritt, hat man es immer schon gewusst. Je größer das Elend, desto triumphaler die Geste des Allwissenden. Bleibt zu Lebzeiten die Niedergangs-Vorhersage aus, ist es sogar noch besser: Dann waren es die eigenen Warnungen, die die Menschheit gerettet haben. Den Rest erledigt die Vergesslichkeit des Publikums oder die Kunst der Umdeutung eigener Aussagen. Die Wahrheitsmenschen mit dem „Ich-weiß-was-Image“ entfalteten in den 1920er Jahren als barfüssige Propheten (siehe auch das gleichnamige Buch von Ulrich Linse) begnadete Show- und Reklame-Talente, um sich als Heiler geschundener Seelen zu verdingen.

Nun hängt von Facebook sicherlich nicht das Wohl und Wehe des Weltgeschehens ab. Als Objekt für kulturpessimistische Rundumschläge und warnende Trendbotschaften entfaltet der Zuckerberg-Konzern jedoch magnetische Kräfte. Oder es sollen ganz profan Klickbomben produziert werden, wie es Falk Hedemann trefflich ausgedrückt hat. So prognostiziert eine zusammengerührte Studie den Facebook-Exitus, der in drei Jahren eintreten soll:

„Aber der wirkliche Kracher ist die Datenbasis, auf die die Prognose beruht: Die ‚Experten‘ haben sich das Suchvolumen der letzten Jahre angesehen. Wie oft wurde also nach Facebook bei Google gesucht? Mal ehrlich, unter uns Facebook-Nutzer: Wann habt ihr denn zum letzten Mal nach Facebook gesucht? Hat man nicht normalerweise einen Browsertab offen oder klickt oft ein Lesezeichen? Braucht man die Googlesuche um Facebook zu finden? Und was ist denn mit all den vielen mobilen Nutzern, die Facebook ausschließlich über die mobilen Apps verwenden?“

Mit dem nachlassenden Suchvolumen könne man sogar das Gegenteil belegen. Es ist eher ein Indiz für die Etablierung sowie Popularisierung von Facebook und kein Indikator für die bevorstehende Apokalypse. Als Implosions-Fachmann versucht sich der Berater Wolfgang Lünenbürger in der Februar-Ausgabe des Internet-Magazins zu profilieren. In diesem Jahr werde Facebook an den Rändern erodieren und schließlich kollabieren, da eine Verständigung in diesem siloartigen Moloch nicht mehr möglich sei. Ich spare mir die Wiedergabe des Lünenbürger-Gemurmels, weil es die Beweiskraft von heißer Luft besitzt. Irgendwann bekommt er recht – Gesetz der Rabulistik. Gleiches gelang dem Analytiker in den vergangenen Jahren am laufenden Band.

Beispiel: „2012: Das Jahr, in dem wir nicht mehr über Social Media reden.“ So klug können nur Theologen sein – göttliche Weissagungen oder: Jahresrückblick auf die 2012-Fehlprognose: Online-Marketing-One-to-One-Personalisierungs-Matchmaking-Zielgruppen-Gedöns-Propaganda.

Demnächst sterben übrigens alle Unternehmensblogs wegen Isolationsfurchtoder vielleicht doch nicht.

Was könnte denn noch so alles untergehen?

Update:
Auf Facebook wird gerade weiter lamentiert.

Hier noch ein paar aktuelle Facebook-Zahlen – so etwas sollte man bei Untergangshypothesen ein wenig im Auge behalten.

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