
Die Nachhaltigkeit hat die Geschäftswelt unaufhaltsam erfasst. Klaus Wiesen, mit einem Auge auf die wachsende Bedeutung von ESG-Reporting, hat auf der Digital X eine klare Botschaft: Nachhaltigkeit ist keine Option mehr, sie ist Notwendigkeit. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) rückt unaufhaltsam näher, und mit ihr steigen die Anforderungen. Wiesen spricht von einer Zeitenwende, bei der Unternehmen nicht nur dokumentieren müssen, sondern durch konkrete Maßnahmen langfristige Veränderungen vornehmen. Dies sei nicht nur eine Angelegenheit der großen Konzerne – auch kleine Unternehmen werden durch die Lieferkettenanforderungen zunehmend in den Strudel der ESG-Regulierung gezogen.
Wiesen zeichnet ein Bild, das über die bloße Erfüllung gesetzlicher Vorgaben hinausgeht. Es geht nicht nur darum, CO2-Emissionen zu berechnen oder Lieferanten zu überprüfen. Vielmehr sieht er die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die Kreditvergabe durch Banken, so argumentiert Wiesen, werde künftig noch stärker an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft sein, da Investoren verstanden haben, dass nachhaltige Unternehmen robuster gegenüber langfristigen Risiken sind. Verso, das Unternehmen, das er leitet, bietet hier umfassende Unterstützung – nicht nur in Form von Softwarelösungen, sondern auch durch Beratung.
Interessant ist der Wandel, den Wiesen aufzeigt: Einst eine Angelegenheit von Marketingabteilungen, die das grüne Image pflegten, sind nun echte Maßnahmen gefragt. Nachhaltigkeitsmanager werden gesucht, die sich nicht nur mit der Außendarstellung, sondern mit der Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien befassen. Der Arbeitsmarkt reflektiert diesen Wandel: Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, punkten bei Arbeitnehmern. Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil – und Greenwashing, so prophezeit Wiesen, werde durch die kommende Green Claims Directive massiv erschwert.
Abseits dieser strukturellen und regulatorischen Herausforderungen hebt Wiesen die Dynamik hervor, die er auf der Digital X beobachtet hat. Der Dialog über Nachhaltigkeit wird tiefer, substanzieller. Interessenten kommen nicht mehr mit allgemeinen Fragen, sondern suchen nach konkreten Lösungen. Dieser Wandel, so Wiesen, mache den Austausch so wertvoll – und die Teilnahme am Techboost-Programm der Telekom habe Verso geholfen, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.
Es ist eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Wirtschaftlichkeit und Verantwortung immer durchlässiger werden. Wiesen skizziert dabei nicht nur eine Agenda für die Zukunft, sondern liefert zugleich ein klares Plädoyer für den Wandel in der Gegenwart.