Elon Musks Praktikanten-Regime: Die USA als Beute des Vulgärkapitalismus

Der Typ ist 19. Hat gestern noch den Pizzakarton aus dem Wohnheim gekratzt. Heute steht er vor einem US-Ministerium, verlangt Zugang. Dienstnummer? Fehlanzeige. Sicherheitsfreigabe? Braucht man nicht. Er ist hier im Namen von Elon. DOGE nennt sich das Ganze, als ob die letzte große Plünderung der Staatskasse ein Meme gewesen wäre. Ist sie ja auch. Ein Spektakel der Adepten des grölenden Oligarchen-Reichs, die alles hassen, was sich ihrer Hyperverwertung entzieht. Also das Recht, den Staat, die Gesellschaft.

Wir haben das 2017 gesagt. Silicon Valley, Vulgärkapitalismus, Krypto-Gurus, libertäre Privatinseln. Die Mischung war explosiv. Aber ach, das war doch nur so eine Debatte, ein Diskurs. Der Marktradikale mit der Sonnenbrille lächelte, sagte: „Lass uns doch erst mal ausprobieren, was passiert.“ Jetzt ist es passiert. Und Elon sitzt auf dem Thron des Steuerzahlers.

DOGE, das klingt so freundlich, so drollig. Es ist die blanke Piraterie. Eine Truppe aus Musks willfährigen Praktikanten, 19 bis 24 Jahre alt, steuert in Washington auf Kollisionskurs. Einer ist Highschool-Absolvent, einer ein Uni-Dropout, die anderen haben bei Neuralink, SpaceX oder Thiel-Firmen Kaffeemaschinen gewartet und auf Slack großspurige Ökonomie-Debatten geführt. Jetzt verwalten sie die US-Finanzbehörden. Der Staat als Startup. Access all areas.

Die Behördenchefs wehren sich? Dann werden sie eben ausgetauscht. Musk ruft durch, Trump nickt ab, und in den Systemen der Finanzverwaltung tauchen plötzlich neue Server auf. Zahlungsflüsse gefrieren. An wen geht das Steuergeld? Nur noch an Firmen, die Musk genehm sind. SpaceX, Starlink, und klar, ein bisschen auch an Peter Thiel, den ewigen Schattenmann dieser postdemokratischen Privatisierungsorgie.

2017, das war noch die Phase der Vorwarnungen. Wir saßen in Panels, redeten über den wild gewordenen Kapitalismus, seine enthemmten Manager, die CEOs als Popstars der Deregulierung. „Ihr seid zu alarmistisch“, riefen die Digital-Evangelisten. „Das ist doch alles noch Theorie.“ Theorie, genau. Nur dass die Theorie jetzt die Macht übernimmt. Mit 19 Jahren, einer Praktikumserfahrung und einem Twitter-Account.

Das ist der neue Öffentliche Dienst. Regierung per X-Post. Wer in Musks Eliteklub zahlt, kriegt Zugang. Loyalität ersetzt Kompetenz. Widerspruch ist Ressourcenverschwendung. Der Beamte, der auf Regeln besteht? Erklärt zum Feind. Die Abteilung, die Prüfungen verlangt? Aufgelöst. Das ist nicht mehr Regierung, das ist nicht mal mehr Simulation von Regierung. Das ist ein Experiment im Schleifen der letzten demokratischen Widerstände.

Wer dachte, Peter Thiels libertäre Inselprojekte seien wahnhaft, versteht jetzt: Washington selbst ist zur Privatinsel geworden. Musk ist der Gouverneur. Die Musks, die Thiels, die Krypto-Heuschrecken, sie alle haben gewonnen. Sie haben nicht nur Firmen, Märkte, sondern jetzt auch Staaten in Besitz genommen. Der Staat war nie ihr Gegner, sondern ihre künftige Beute. Und sie holen sich, was ihnen angeblich immer zustand. Jetzt.

Vielleicht ist es schon zu spät. Vielleicht sitzen die letzten Oppositionellen bereits an ihrem Schreibtisch und haben Angst, dass morgen die Security kommt. Aber wer heute noch glaubt, es gäbe eine Gegenbewegung, ein Korrektiv, eine demokratische Antwort, die diesen Kurs aufhält, muss erklären, warum ausgerechnet Praktikanten mit Twitter-Accounts die Mächtigsten der Mächtigen ersetzen durften. Und warum niemand aufgestanden ist, als sie es taten.

https://twitter.com/jaegerthomas2/status/1887179574145913302

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