
Thomas Ramge, ein Mann, der die Zeichen der Zeit zu lesen versteht, saß kürzlich auf dem Roten Sofa in der NDR-Sendung DAS und sprach über Themen, die nicht nur den Puls der Gegenwart, sondern auch den Takt der Zukunft bestimmen könnten. Die Diskussion drehte sich um die drängendsten Fragen unserer Zeit: den Klimawandel, die Möglichkeiten und Gefahren des Geoengineerings, und vor allem um das, was uns als Menschheit bevorstehen könnte, wenn wir nicht rechtzeitig die Kurve kriegen.
Ramge, ein Wissenschaftsautor, der mit klarem Blick und ohne Beschönigungen die Lage beschreibt, legte dar, wie ernst die Situation wirklich ist. „In zehn oder zwanzig Jahren“, so Ramge, „werden wir wohl keine andere Wahl mehr haben: Wir werden die Sonne dimmen müssen.“ Da sitzt er, ruhig, fast gelassen, und spricht über etwas, das klingt wie ein Märchen aus einer dystopischen Zukunft. Doch er meint es ernst, sehr ernst. Die Sonne dimmen, das heißt, in die Atmosphäre eingreifen, Aerosole versprühen, die das Sonnenlicht reflektieren und die Erde kühlen sollen. Eine Notlösung, kein Heilmittel, und das ist Ramge auch bewusst.
Die Technik, die er beschreibt, ist so einfach, dass es einem fast unheimlich wird: „Ein Flotte von speziellen Flugzeugen könnte tonnenweise Schwefeldioxid in die Stratosphäre pumpen. Das wäre nicht teuer, vielleicht 20 Milliarden Dollar im Jahr. Aber das Problem ist nicht das Geld. Das Problem sind die Risiken.“ Ramge spricht diese Worte aus, als hätte er sie schon viele Male durchdacht, als wüsste er genau, dass die Frage nicht mehr ist, ob diese Technik eingesetzt wird, sondern wann und unter wessen Kontrolle.
Hier, in dieser ruhigen NDR-Sendung, scheint Ramge fast beiläufig die Möglichkeit eines solaren Geoengineerings zu skizzieren, während draußen die Sonne über Hamburg steht, als wäre nichts dabei. Doch was er beschreibt, ist eine Technologie, die die Macht hätte, das Klima der Erde zu verändern – zum Guten oder zum Schlechten. „Es wäre nur eine Zwischenlösung“, sagt er. „Eine Art Notfallplan, um Zeit zu gewinnen, um endlich das zu tun, was längst hätte geschehen müssen: die Wirtschaft zu dekarbonisieren, die Emissionen drastisch zu senken.“
Und während Ramge spricht, fühlt man sich an die Szenario-Arbeit von D2030 erinnert, einer Initiative, die ebenfalls mit großer Ernsthaftigkeit Zukunftsbilder entwirft, aber einen anderen Weg geht. D2030 arbeitet partizipativ, zieht Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftler, Politiker und alle Interessierten mit ein. Man entwirft Szenarien, die nicht nur zeigen, was sein könnte, sondern die auch Handlungsoptionen eröffnen. „Wir müssen jetzt handeln“, sagen die Menschen bei D2030, „sonst überrollt uns die Zukunft.“ Ramge geht in die gleiche Richtung, doch seine Worte sind härter, dringlicher. Die Zeit ist knapp, das ist sein Mantra.
In einem langen, intensiven Gespräch skizziert er das Bild einer Zukunft, die in weiten Teilen der Welt zur Realität werden könnte, wenn die globalen Anstrengungen, den Klimawandel zu bekämpfen, nicht schnell genug vorankommen. Die Szenarien, die Ramge beschreibt, klingen beängstigend, aber auch vertraut. Da sind die Aerosole, die den Himmel trüben sollen, die Kipppunkte im Klima, die, einmal erreicht, die Temperatur weiter in die Höhe treiben könnten, und da ist die Frage, wer diese Entscheidungen treffen soll. „Wir müssen verhindern, dass einzelne Staaten, Tech-Milliardäre oder Unternehmen einfach vorpreschen“, sagt Ramge. Seine Stimme bleibt ruhig, fast sachlich, doch die Dringlichkeit seiner Botschaft ist spürbar.
Er fordert nicht nur eine breite gesellschaftliche Diskussion, sondern auch eine klare politische Verantwortung. „Es darf nicht sein, dass ein einzelner Akteur entscheidet, wann und wie solches Geoengineering eingesetzt wird“, mahnt er. „Das muss auf internationaler Ebene geregelt werden.“ D2030 spricht von der Partizipation, von einem gemeinsamen Zukunftsbild, das in breiten Schichten der Gesellschaft entwickelt wird. Ramge hingegen spricht von Kontrolle, von Verantwortung und davon, dass die Menschheit als Ganzes in der Lage sein muss, diese Entscheidungen zu treffen.
Als die Sendung sich dem Ende nähert, bleibt ein Gefühl der Dringlichkeit zurück, aber auch eine leise Hoffnung. Ramge hat uns in ein Zukunftsszenario geführt, das erschreckend, aber auch notwendig zu denken ist. D2030 arbeitet an ähnlichen Bildern, doch mit einem Unterschied: Während D2030 darauf abzielt, die Menschen aktiv einzubeziehen, um gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten, mahnt Ramge, dass die Zeit drängt und dass wir uns klare, weltweite Regeln geben müssen, um das Schlimmste zu verhindern.
Die Sonne dimmen – das ist keine leichte Entscheidung. Doch wenn es so weit kommt, dann sollte die Menschheit bereit sein, dies gemeinsam und verantwortungsvoll zu tun. D2030 gibt Impulse, wie man handeln sollte, und Ramge ergänzt diese mit einem klaren Appell: Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Was bleibt, ist die Frage, ob wir es schaffen, rechtzeitig zu handeln – oder ob uns die Zukunft eines Tages überholt.