
Freiheit! Teilhabe! Alles wird gut! – So schallt es aus den Echoräumen des digitalen Fortschritts. Auf der einen Seite: die Krypto-Apostel. Auf der anderen: die Fediverse-Feuerwehrtrupps für digitale Reinheit. Gemeinsam vereint im Kampf gegen das Zentrum, gegen die Plattform, gegen das große böse „Eine“. Twitter? Teufelszeug. Banken? Unterjochung. Facebook? Digitale Hölle mit Werbebannern. Die Zukunft, so tönt es, ist dezentral, verteilt, gleichberechtigt, demokratisch. Alle dürfen mitspielen, alles gehört allen, und niemand ist mehr der Boss. Soweit das Märchen.
In der Realität aber: Macht bleibt Macht. Sie zieht sich nur andere Turnschuhe an. Und trägt ein Hoodie mit Regenbogenstickern.
Krypto: Wale im goldenen Tutu
Die Bitcoin-Bewegung war nie wirklich eine Bewegung. Eher eine Art technologischer Goldrausch mit libertärem Bausatz. Ganz nach dem Motto: Wenn das Geld nicht mehr der Staat kontrolliert, dann kontrolliert es endlich niemand mehr. Hurra! Nur – stimmt das? Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass die neue „Dezentralität“ der Kryptowelt keineswegs Gleichheit schafft. Im Gegenteil: In Wallets weniger early adopter lagert ein Großteil der digitalen Münzen. Man nennt sie „Wale“, als wären sie possierliche Meeresbewohner – in Wahrheit sind es digitale Oligarchen im Tauchanzug.
Die Krypto-Szene liebt es, sich als Widerstand zu inszenieren: gegen Banken, gegen Inflation, gegen das System. Aber was ist das Ergebnis? Eine Schattenökonomie mit eigenen Gated Communities, Pump-and-Dump-Messen, Meme-Währungen und einem Wortschatz aus toxischer Männlichkeit, Kapitalfetisch und „Freiheits“-Pathos. Es ist, als hätte Ayn Rand mit Dogecoin ein Kind gezeugt und es in einer Telegram-Gruppe großgezogen.
Die Kritiker sagen: Wer das Finanzsystem abschaffen will, um das Gleiche in hässlicher und unregulierter Form neu zu errichten, braucht keine Vision – sondern einen Spiegel. Dezentralität ist eben kein moralischer Freifahrtschein. Vor allem nicht, wenn sie in der Praxis bedeutet, dass ein paar nerdige Serverfarmer in Nevada mehr Kontrolle über den Finanzfluss haben als mancher Zentralbanker in Frankfurt.
Fediverse: Die Dorfkneipe mit Verhaltenskodex
Und dann ist da noch dieses andere Experiment der digitalen Entflechtung: das Fediverse. Mastodon, Pixelfed, PeerTube, Lemmy, und wie sie alle heißen. Die Verheißung: Keine Konzerne, keine Algorithmen, kein Hass. Nur Menschen, die miteinander reden. Dezentral, föderiert, freundlich.
Sagen wir es so: Der Geist war willig, aber die Moderation ist schwach.
Was als Gegenmodell zu Twitter begann, wurde schnell zur moralischen Sauna. Alle schwitzen, aber niemand redet über die Hitze. Stattdessen: Regelwerke. Instanzregeln. Content-Warnings. Trigger-Warnungen. Warnings vor den Trigger-Warnungen. Und wenn man sich nicht an alles hält – zack, steht man da, mit dem digitalen Nasenring: „Dieser Beitrag wurde entfernt, weil er in unserer Instanz als…“ – na ja, Sie wissen schon.
Fediverse ist wie ein Stammtisch, an dem jeder reden darf – solange er genau weiß, wie er zu reden hat. Ironie? Muss gekennzeichnet werden. Sarkasmus? Bitte sparsam dosieren. Windows-Nutzer? Verdächtig. Microsoft 365? Grenzt an digitalen Faschismus.
Und wehe, man nutzt Tools von Google, Dropbox oder Amazon Web Services, um journalistische Arbeit zu tun, Livestreams zu hosten oder Archive zu pflegen. Dann hat man den heiligen Schwur der Dezentralität gebrochen – so jedenfalls das Verdikt mancher Toskana-Moralisten, die ihre Zeit, ihre Haltung und ihren Serverplatz offensichtlich aus einem übervollen Biowein-Keller finanzieren. Diese Kritik an „Kommerzialität“ wirkt oft weniger wie ein Aufbegehren gegen Monopole als wie ein elitäres Naserümpfen über Leute, die mit Open Source zwar sympathisieren, aber auch einfach ihren Job machen müssen. Ohne Google Drive, ohne YouTube, ohne GitHub, ohne Spotify, ohne LinkedIn, ohne ein wenig – Verzeihung – Kapitalismus, wären viele von uns nicht mehr sichtbar, sprechfähig, handlungsfähig. Auch Sohn@Sohn nicht.
Kritische Stimmen sagen: Der partizipative Lack blättert ab, darunter kommt ein hölzernes Korsett aus Tugendkontrolle, moralischem Wettbewerb und passiv-aggressivem Regelzitat zum Vorschein. Manche Nutzer verlassen das Fediverse nicht wegen rechter Trolle – sondern wegen achtsam auf Augenhöhe agitierende Gärtner, die beim Jäten alle Blumen rausreißen.
Bluesky: Dezentrale Luftschlösser mit Diskurs-Sperrzonen
Bluesky, der nächste Stern am Anti-Twitter-Himmel, verspricht erneut das Paradies: portierbare Identitäten, offene Protokolle, keine Bosse. Die neue Freiheit! Und technisch: beeindruckend. Doch im Diskurs zeigen sich altbekannte Dynamiken.
Wer auf Bluesky schreibt, lernt schnell: Nicht der Algorithmus entscheidet, sondern das Milieu. Der Ton ist sanft, aber die Grenzziehung ist scharf. Debatten über Migration, Geschlechterrollen, Mobilität oder Technikverzicht? Nur erlaubt, wenn sie exakt in den vorherrschenden Diskursrahmen passen. Wer abweicht, wird nicht gesperrt – sondern ignoriert, belehrt oder öffentlich ironisiert. Das ist fast schlimmer.
Auch auf Bluesky entstehen schnell Regeln – sichtbare, unsichtbare, moralisch aufgeladene. Wer was wie sagen darf, entscheidet kein Algorithmus mehr, sondern soziale Dynamiken, so subtil, dass sie wie ein literarisches Stilmittel wirken: Andeutung, Verschweigen, und das diskrete Wegnicken hinter vorgehaltener Hand, bis jemand zur persona non grata wird.
Die neue Dezentralität ist nicht weniger hierarchisch – sie ist nur scheinheiliger verpackt. Statt Mark Zuckerberg löscht jetzt der lokale Instanzadmin. Statt einem Algorithmus entscheidet die Community, wer dazugehört. Nur was ist „die Community“? Meist: ein kleiner Zirkel von Vielsprechern mit Meinungshoheit und Blockbutton.
Alte Muster in neuem Gewand
Kritiker monieren, dass der Dezentralitäts-Mythos beider Welten – Krypto wie Fediverse – weniger mit Gleichheit zu tun hat als mit der Verlagerung von Macht. Die Macht geht nicht weg. Sie trägt jetzt Hoodie, ist nett formuliert und hat einen PhD in Critical Theory. Aber sie ist noch da. Mehr denn je. Und manchmal sogar empfindlicher als früher.
Also: Dezentralität? Gerne. Aber bitte ohne neue Hohepriester. Ohne Wächterrat. Ohne Netiquette-Weihrauch Und vor allem: mit Humor.
Denn wer in digitalen Welten keine Ironie mehr erkennt, hat schon verloren.
Siehe auch:
Hey, Danke für den Link. Zusätzlich feiere ich Deinen Beitrag. Zu dem Krüpto-Zeugs kann ich nix sagen, da habe ich keine Ahnung von. Aber was die Netzwerke angeht, bin ich voll bei Dir. Wenn ich mal in meinem Bekanntenkreis – wo viele gar nicht an social Networks teilnehmen – erzähle, über was dort belehrt, diskutiert und moralisiert wird, blicke ich meist in fragende Augen. „Haben die kein normales Leben“ ist dann oft die daraus resultierende Frage. Eine Antwort konnte ich dazu noch nicht geben.
Treffend. Ich grinse… (Habe mich auf Mastodon als neue Online-Stammkneipe festgelegt.)
Danke dir – freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefallen hat!
Und ja, genau dieses Kopfschütteln aus der Offline-Welt kenne ich auch. Wenn man erzählt, worüber im Fediverse diskutiert oder gar sanktioniert wird, kommt oft nur ein Stirnrunzeln zurück: „Habt ihr sonst keine Sorgen?“ Vielleicht ist das die neue digitale Askese – mit erhobenem Zeigefinger statt Weihrauch.
Schön zu lesen, dass du das ähnlich siehst. 🙌
🙂
Ja, es gibt den moralischen Gartenverein im Fediverse. Aber das ist nicht das eigentliche Probleme. Solche Klugscheisser und Besserwisser gab es schon immer in den sozialen Netzwerken – auch beim von so vielen vermissten Twitter. Da habe ich sie einfach geblockt. Fertig. Das Problem hat jedes soziale Netzwerk. Offensichtlich liegt es in den Genen solcher Tools. Blockieren, ignorieren und das eigene Ding mit seinem Netzwerk machen. Punkt.
Die Herausforderung ist aus meiner Sicht eine andere: Warum gehen Verlage, Parteien, Verwaltungen, öffentliche Institutionen, Universitäten, ARD und ZDF, alle Öffentlich-Rechtlichen, Forschungsinstitute nicht ins Fediverse, öffnen, bespielen und moderieren ihre eigenen Instanzen, bringen wieder wertvolle Inhalte ins Netz. Und ja, genau das dezentral nicht unter der Kontrolle eines Herrn Saggerbörgs oder eines Murks und deren Kumpanen.
Und denen, die selbstgerecht wo auch immer rumschwafeln und „besserwissen“ kann man nur als Hesse antworten: Schnauze, Lutscher!!!!
Yes, Gunni, mit Humor und Spassssssssssss!
> In der Realität aber: Macht bleibt Macht. Sie zieht sich nur andere Turnschuhe an. Und trägt ein Hoodie mit Regenbogenstickern.
Mit Homer Simpson formuliert: „It’s funny ‚cause it’s true.“
> Die Krypto-Szene liebt es, sich als Widerstand zu inszenieren: gegen Banken, gegen Inflation, gegen das System. Aber was ist das Ergebnis? Eine Schattenökonomie mit eigenen Gated Communities, Pump-and-Dump-Messen, Meme-Währungen und einem Wortschatz aus toxischer Männlichkeit, Kapitalfetisch und „Freiheits“-Pathos. Es ist, als hätte Ayn Rand mit Dogecoin ein Kind gezeugt und es in einer Telegram-Gruppe großgezogen.
Der Teil mit der toxischen Männlichkeit ist offensichtlich Unfug (toxische Männlichkeit existiert nicht), aber für mich sind diese ganzen Coin-Geschichten wie eine Version des Films „Und täglich grüßt das Murmeltier“, bei der es darum geht, aus der niederländischen Tulpenzwiebel-Blase und der Biographie von Viktor Lustig absolut gar nichts zu lernen. (Insbesondere der NFT-Hype hat mich sehr an Lustig erinnert.)
> Diese Kritik an „Kommerzialität“ wirkt oft weniger wie ein Aufbegehren gegen Monopole als wie ein elitäres Naserümpfen über Leute, die mit Open Source zwar sympathisieren, aber auch einfach ihren Job machen müssen.
Das erinnert mich an das Thema Klimaschutz, wo man in Deutschland eine gewisse Arroganz von Städtern gegenüber Landbewohnern (bzw. allen, bei denen ein Bus seltener als alle 20 Minuten vorbeikommt) spüren kann.
> Wer auf Bluesky schreibt, lernt schnell: Nicht der Algorithmus entscheidet, sondern das Milieu. Der Ton ist sanft, aber die Grenzziehung ist scharf. Debatten über Migration, Geschlechterrollen, Mobilität oder Technikverzicht? Nur erlaubt, wenn sie exakt in den vorherrschenden Diskursrahmen passen. Wer abweicht, wird nicht gesperrt – sondern ignoriert, belehrt oder öffentlich ironisiert. Das ist fast schlimmer.
„Guckt uns an. Wir sind auf alternative Art toxisch.“
> Die Macht geht nicht weg. Sie trägt jetzt Hoodie, ist nett formuliert und hat einen PhD in Critical Theory.
Da muss ich irgendwie an eine Folge von „Futurama“ denken als die US-Regierung Lautsprecher-Fahrzeuge durch die Gegend schickt, die nach Wissenschaftlern suchen.
„I’ve got a degree in Homeopathic Medicine.“
„You’ve got a degree in baloney.“
Der beste Teil ist aus heutiger Sicht, dass „baloney“ von „Bologna“ (wie in „Bologna-Prozess“) kommt.
Ich treibe mich ja schon länger im Fediverse herum. Allerdings nicht mit Mastodon sondern mit Friendica. Klar sind mir auch schon ein paar Moralapostel aufgefallen, vor allen auf einigen bestimmten Mastodon Instanzen. Aber wer sich auf die paar Leutchen einschießt und sie wenn sie einen zu arg auf die Nerven geht nicht einfach blockt, der hat das Fediverse nun wirklich nicht verstanden. Ich kenne im Fediverse alles von ultra barsch bis hin zu ultra weichgewaschen. Wems stört, der sorgt dafür das er nichts mehr davon hört. Achso und so als kleine Empfehlung, es ist auch recht einfach sich einen eigenen Fediverse Server anzulegen, entweder auf einen eigenen Server, oder für wenig Geld auf einer gehosteten Instanz. Da hat man dann die 100%ig volle Kontrolle. Also weiter so. Leben und Leben lassen.
Wer blocken kann, muss nicht jammern. Wer sich seine Timeline kuratiert wie einen Garten, muss sich über Unkraut nicht echauffieren. Aber mein Punkt war ein anderer.
Es geht mir nicht um Einzelne, sondern um ein Klima. Eine Haltung, die sich moralisch für unantastbar hält, dabei aber selbst hermetisch, autoritär und bisweilen schlicht diskursvermeidend agiert. Das gibt’s auch auf Twitter, Facebook, LinkedIn – eh klar. Aber im Fediverse schwingt manchmal ein Überlegenheitsgestus mit, der aus dem „Wir sind die Guten“-Mantra eine neue Orthodoxie bastelt. Und das passt so gar nicht zu einer Struktur, die eigentlich Offenheit und Dezentralität verspricht.
Dass man sich eigene Instanzen bauen kann – geschenkt. Aber der Rückzug ins Private ist keine Lösung für ein kulturelles Problem. Wenn die Antwort auf nervige Diskurspolizei immer nur lautet: „Dann block sie halt“, dann bleibt der größere Dialog auf der Strecke.
Kurzum: Ich bin ganz bei Dir, was die Vielfalt im Fediverse angeht. Ich erlebe da auch vieles Spannendes, Versponnenes, Freundliches, Mutiges. Aber es gibt eben auch Milieus, die aus einem offenen Protokoll ein geschlossenes Weltbild machen.
a, die Macht trägt jetzt Turnschuhe – meistens von „Allbirds“ oder irgendeinem DTC-Startup, das aussieht wie eine Mischung aus Achtsamkeitspodcast und Venture Capital. Dazu Hoodie und ein LinkedIn-Profil, auf dem steht: „Reimagining Trust with Decentralized Empathy Protocols (Web5, but emotionally)“.
Und was ist das Fediverse in dem Bild? Wahrscheinlich die Kommune, in der alle den ganzen Tag über Protokolle streiten, aber keiner den Abwasch macht.
Der Vergleich mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist übrigens perfekt. Nur dass Bill Murray diesmal Crypto-Bro ist, der jeden Morgen aufwacht, denselben NFT kauft – und wieder daran glaubt, dass diesmal wirklich die Community der Utility ist.
Ich sehe schon die Verfilmung:
„Ayn Rand and the Philosopher’s Stone Wallet – powered by vibes.“
Ach, und der Homeopathic-PhD in Critical Theory? Den bekommt man im Fediverse gratis, wenn man „Diskurshoheit“ fünfmal ironisch in die Timeline schreibt.
Kurzum: Macht bleibt Macht. Nur dass sie jetzt Gaslighting mit Gender Studies kreuzt und dir auf Mastodon erklärt, dass dein Widerspruch ein Mikroaggressions-Retweet war.
Auf FB bin ich in vielen Jahren einmal geblockt worden (OK, ich habe ziemlich gefrotzelt und hatte Spaß an der leichten Provokation 😁) im Fedi in kurzer Zeit schon 2-3 mal.
Das Fedi ist damit der Spitzenreiter der Cancel Culture. Das liegt aber auch an den vielen verkopften Menschen, die sich hier noch konzentriert tummeln und die oft ziemlich klare Vorstellungen haben, wie was zu sein hat. Und natürlich möchten sie auch Dinge wie alt-Tags voran bringen, die ja durchaus ihren Sinn haben. Je mehr Normalsterbliche nachziehen, desto mehr wird sich das entspannen. Ich fühle mich jedenfalls trotz Blocks immer noch deutlich wohler im Fediverse und halte es auch für den besseren Weg. Neben dem terrorartigen Antriggern mit schlechten Nachrichten ist es hier nahezu beschaulich. Im ersten Moment hat man den Eindruck: „Hier ist nichts…“. – dabei herrscht einfach nur friedvolle Ruhe. Ab und an ein Gespräch, ein Austausch, eine Diskussion. Aber kein laut brüllender Katastrophen- Algorithmus. Sehr wohltuend.
Orrr, was für ein sensationeller Artikel. Danke fürs Verlinken. Ich habe mehrfach herzlich über die Formulierungen gelacht. Das hat beim Lesen enorm viel Spaß gemacht.
Am Ende bleibt es doch dann wahrscheinlich so, dass überall, wo eine kleine Meute eine große Meute administriert, die große Meute weniger zu sagen hat. Und ich glaube, hier kommt dem sozialen Netzwerk namens Blogosphäre (Darf man das wieder benutzen?) ins Spiel, da da hier halt so funktioniert.
Danke für diesen Beitrag. Den kann man nicht besser schreiben.
🙂
Hier eine Fortsetzung: https://ichsagmal.com/der-habitus-der-heiligen-parzelle-ueber-privatisierte-oeffentlichkeiten-antikapitalistische-pose-und-semantische-vanillesauce/
Die Debatte geht weiter https://social.cologne/deck/@crossgolf_rebel@moppels.bar/114449088675843529
Lieber Stefan,
du hast völlig recht, wenn du sagst: Klugscheißer, Tugendwächter und digitale Aufpasser gab’s immer – bei Twitter, bei Facebook, im Usenet und auf Mailinglisten mit moderierter Rechthaberei. Und ja: man kann blocken, muten, ignorieren, weitermachen. Das ist das pragmatische Minimum, aber nicht die medienpolitische Frage, die mich umtreibt.
Denn mein Punkt zielt weniger auf die Gartenzwerge mit Moralinsäure als auf die Landkarte der öffentlichen Meinung. Und da hilft ein Blick in die ARD/ZDF-Medienstudie 2024-
68 % Tagesreichweite für mediales Internet – mit klarer Dominanz von Social Video, Streamingdiensten und Plattformen wie YouTube und TikTok.
Instagram, Facebook und Tiktok dominieren das Social Web. Deshalb darf man die Marktplätze in der Meinungsbildung nicht aussparen.
Die Theorie der öffentlichen Meinung – von Noelle-Neumann bis Habermas – ist eindeutig: Öffentlichkeit entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo Kommunikation strukturell sichtbar, zugänglich und wiederholbar ist. Kurz: wo Reichweite, Anschlussfähigkeit und Relevanz aufeinandertreffen.
Deshalb kann man Alternativen aufbauen, muss aber dennoch die privatisierten Öffentlichkeiten im Auge behalten. Gruß Gunnar
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