„Die Lügen des Neuen“ – Ein Manifest für eine mutige Innovationskultur

Willkommen zu einer ungeschönten Reise durch die Mythen der Innovationspolitik. In „Die Lügen des Neuen“ lege ich die Finger in die Wunden einer Innovationswelt, die an falschen Idealen festhält und von festgefahrenen Vorstellungen dominiert wird. Dieses Buch ist mehr als eine Sammlung von Essays, die bei Haufe New Management erschienen sind: Es ist ein Manifest, das zum Nachdenken und Umdenken anregen soll, um Deutschland und Europa zurück auf den globalen Innovationspfad zu bringen.

Was steckt hinter den „Lügen des Neuen“?

Im Zentrum steht die Frage, warum Deutschland trotz aller Versuche und staatlicher Initiativen im Bereich Innovation hinterherzuhinken scheint. Schumpeter schrieb über die „kreative Zerstörung“ und betonte, dass Innovation nicht durch staatliche Eingriffe entstehen kann, sondern durch den freien Unternehmungsgeist. Doch dieser Grundsatz scheint in Deutschland oft missverstanden. So beleuchte ich die Misserfolge staatlicher Projekte wie die UMTS-Lizenzversteigerung und das französische Quaero-Projekt – Beispiele dafür, wie staatliche Initiativen häufig in einem Fiasko enden, wenn sie die Eigeninitiative der Wirtschaft behindern. Diese Projekte zeigen drastisch, dass staatlich regulierte Innovationspolitik oft nicht nur erfolglos, sondern auch kostspielig ist und wertvolle Ressourcen verschwendet.

Gastbeiträge und Denkanstöße: Von Carsten C. Schermuly bis zu Hermann Simon

Gastbeiträge und inspirierende Stimmen sind ein integraler Bestandteil dieses Buches. Auf meinem Weg habe ich Denker und Visionäre getroffen, deren Ideen und Erkenntnisse dieses Buch bereichern. Besonders hervorheben möchte ich den Wirtschaftspsychologen Carsten C. Schermuly, dessen Analyse der „New Work Dystopia“ scharfsinnig aufzeigt, wie die wahre Idee von New Work in seelenlosen Büroreformen und profitgetriebenen Agenden untergeht. Schermuly verdeutlicht, dass echtes „Empowerment“ in Unternehmen nicht durch neue Arbeitsformen oder Schlagworte wie „Agilität“ entsteht, sondern durch psychologische Selbstbestimmung und Sinnfindung. Ohne diese Elemente wird „New Work“ zur hohlen Phrase – eine Diagnose, die ich durch eigene Beobachtungen nur bestätigen kann.

Spannend ist auch die Einschätzung von Innovationsforschern wie Hermann Simon, der aufzeigt, dass Deutschland eher im Bereich Deep-Tech statt in der konsumorientierten Digitalisierung Erfolge erzielen kann. Seine Warnung vor einer zu großen Abhängigkeit von Konsumgütern und der Ratschlag, die deutsche Industriepolitik auf die versteckten Technologien in den Wertschöpfungsketten zu konzentrieren, sind mehr als aktuell. Solche Stimmen fordern dazu auf, tiefer zu blicken und unsere Wirtschaftspolitik langfristiger zu gestalten.

Innovation als „öffentliches Gut“ und die Bedeutung offener Daten

Rafael Laguna de la Vera, Gründer der Bundesagentur für Sprunginnovationen, und der Publizist Thomas Ramge vertreten die These, dass Innovation durch Offenheit und Kooperation gefördert werden sollte – und nicht durch monopolistische Strukturen. Ein Kapitel widmet sich dieser offenen Innovationsphilosophie, die für Unternehmen oft radikal erscheint, aber unverzichtbar für den Fortschritt ist. Hier wird die Idee beleuchtet, Daten als öffentliches Gut zu betrachten und damit den Pioniergeist zu fördern – eine Perspektive, die Peter Thiel und andere Kapitalisten in Frage stellen, deren Vision von Datenexklusivität lediglich der Monopolrendite dient.

Historische Parallelen: Was wir aus dem 19. Jahrhundert lernen können

Ein weiteres Kapitel widmet sich der Geschichte und zeigt, wie Innovation auch in Zeiten technischer Rückständigkeit möglich war. Mit Heinrich von Stephan, dem Generalpostmeister des Deutschen Kaiserreichs, stelle ich einen vergessenen Pionier vor, der mit der Einführung des Telefons und der Telegraphie Deutschland ins Kommunikationszeitalter führte. Diese historischen Lektionen verdeutlichen, dass die Förderung von Technologie und Infrastruktur kein modernes Phänomen ist, sondern seit Jahrhunderten den Weg für wirtschaftlichen Aufschwung geebnet hat.

Ein Plädoyer für die Kraft des Zufalls

„Schmeißt Eure Pläne und Strategien über Bord: Lest mehr Luhmann!“ – In diesem Kapitel argumentiere ich für den Wert des Zufalls in Innovationsprozessen. Mit Niklas Luhmanns Konzept der „Kontingenz“ und seiner „Serendipity“ lade ich ein, einen anderen Blick auf die Planbarkeit von Innovation zu werfen. Unsere Obsession, alles kontrollieren zu wollen, führt oft zu einer einengenden Bürokratie, die das kreative Chaos verhindert, das für echte Durchbrüche notwendig ist.

Die Perspektive von Thymian Bussemer und Lara Di Martino: Der (Grenz)Nutzen deutscher Innovation

Bussemer und Di Martino beginnen ihre Analyse mit einem Blick auf das Vermächtnis deutscher Erfinder und Ingenieure, von der Zündkerze bis zum MP3-Format. Deutschland hat lange davon profitiert, doch die Frage bleibt: Was kommt als Nächstes? Die Autoren zeigen auf, dass Deutschlands Innovationskraft heute oft in Weiterentwicklungen klassischer industrieller Produkte investiert wird, während disruptive, zukunftsweisende Innovationen kaum gefördert werden.

Sie verweisen auf den stagnierenden Produktivitätszuwachs, der seit Jahren kaum noch steigt – ein beunruhigendes Zeichen für ein Land, das einst als Innovationsführer galt. Anhand eines eindrücklichen Beispiels – der Einführung des Sicherheitsgurtes und der späteren, weniger wirksamen Assistenzsysteme im Straßenverkehr – machen sie deutlich, dass der Grenznutzen traditioneller technischer Innovationen oft ausgeschöpft ist.

Bussemer und Di Martino schlagen einen Weg vor, der sich nicht nur auf physische Innovationen, sondern auf die Verbindung von Stofflichem und Digitalem konzentriert. Sie argumentieren, dass Deutschland in der Industrie 4.0 und dem Zusammenspiel von Ingenieurskunst und digitalen Technologien eine Nische besetzen könnte. Hierzu gehört jedoch ein tiefgreifendes Umdenken in Bildung, Ausbildung und Risikobereitschaft, denn die Autoren warnen: Die Weltwirtschaft befindet sich in einem radikalen Umbruch, und Deutschland darf den Anschluss nicht verlieren.

„Der kreative Umbruch: Warum Innovation mehr als nur Wandel bedeutet“ von Margitta Eichelbaum

Margitta Eichelbaum geht in ihrem Beitrag noch einen Schritt weiter und fragt: Was ist Innovation wirklich? Für sie bedeutet Innovation nicht nur technologischen Fortschritt oder wirtschaftliche Verbesserung, sondern einen fundamentalen kulturellen Wandel, der alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt. Eichelbaum kritisiert, dass Innovation oft auf kurzfristige Optimierungen reduziert wird, anstatt einen nachhaltigen Wandel zu fördern, der tief in die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen hineinwirkt.

Besonders im Bereich Human Resources sieht Eichelbaum dringenden Handlungsbedarf. Die wahre Herausforderung liege darin, Arbeitsumfelder zu schaffen, die mehr bieten als reine Effizienz, sondern Menschen inspirieren und ihnen Raum für kreative Entfaltung lassen. Sie ruft dazu auf, Innovation als kulturelle Erneuerung zu begreifen, die Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen vorantreibt.

„Die Lügen des Neuen“ ist nicht nur eine Abrechnung mit der staatlichen Innovationspolitik, sondern ein Aufruf zur Rückbesinnung auf echte kreative Freiheit und das Potenzial des Individuums. Wenn wir mutig genug sind, unsere Strategien radikal zu hinterfragen und den Wert des Zufalls zu erkennen, können wir in Deutschland und Europa eine neue Innovationskultur etablieren – eine Kultur, die nicht auf Massenkonsum basiert, sondern auf der Schaffung von langlebigen, robusten Technologien, die uns unabhängig und wirtschaftlich stabil machen.

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