
Es begann mit einer Zitrone. Jolanda Gallas, Sustainability Consultant bei der Telekom, hielt die Frucht hoch und fragte: „Würden Sie diese Zitrone essen, nur weil sie grün ist?“ Die Reaktionen im Publikum waren gemischt – einige Lacher, skeptische Blicke, ein leises Murmeln. Doch die Botschaft war unmissverständlich: Nachhaltigkeit darf keine Illusion sein, kein „Greenwashing“, das sich mit einem oberflächlichen Anstrich von Verantwortlichkeit zufrieden gibt. „Der Reifegrad einer Zitrone hängt nicht an ihrer Farbe,“ sagte Gallas. Nachhaltigkeit, so fügte sie hinzu, müsse in der Substanz verankert sein – in Taten, nicht nur in Worten.
Mit dieser Metapher setzte der fünfte Green Monday in Dresden einen Ton, der sich wie ein roter Faden durch den Abend zog: klare Ansagen, mutige Ideen und ein steter Blick auf das, was noch zu tun ist.
Breakout-Session: Nachhaltigkeit im Alltag – Getränke Hoffmann zeigt den Weg

Am frühen Abend führte Maria Blume, Leiterin Nachhaltigkeit bei Getränke Hoffmann, durch eine Breakout-Session, die so pragmatisch wie visionär war. Ihr Thema: Wie lassen sich Konsumgewohnheiten verändern, ohne die Verbraucher zu überfordern? Und wie schafft man es, Nachhaltigkeit zu einem festen Bestandteil des Geschäftsmodells zu machen?
Blume begann mit einem beeindruckenden Zahlenbeispiel: „Wussten Sie, dass allein unsere gedruckten Kassenbons im Jahr 2021 eine Papierstrecke von 18.000 Kilometern verbraucht haben? Das ist einmal von Deutschland nach Neuseeland.“ Die Einführung des digitalen Kassenzettels, des „Digibons“, hat diesen Verbrauch drastisch reduziert – um fast zwei Drittel.
Doch die Herausforderung endet nicht bei digitalen Lösungen. Blume erläuterte, wie Getränke Hoffmann mit der Einführung von Mehrweg-Weinflaschen eine neue Richtung einschlägt: „Es geht darum, Nachhaltigkeit in den Alltag der Menschen zu bringen. Einfache, konkrete Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Gewohnheiten einfügen, sind der Schlüssel.“
Die Breakout-Session wurde zu einer offenen Diskussion. Eine Teilnehmerin fragte, wie man es schaffe, den Kunden von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu überzeugen. Blume antwortete ohne zu zögern: „Wir brauchen keine Moralpredigten. Wir müssen zeigen, dass Nachhaltigkeit praktisch, einfach und attraktiv ist.“
Ein weiterer Diskussionspunkt drehte sich um die Digitalisierung als Motor für nachhaltige Prozesse. „Daten sind unser bester Verbündeter,“ erklärte Blume. „Mit präzisen Analysen können wir Verbrauchsmuster verstehen und Systeme so optimieren, dass sie sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch sinnvoll sind.“
Ihre Schlussfolgerung war klar: Nachhaltigkeit muss vom Detail bis zur Strategie gedacht werden. „Es geht nicht nur um große Visionen,“ sagte Blume. „Es geht darum, im Kleinen zu beginnen, konsequent zu sein und nie aufzuhören, besser zu werden.“
Der Roundtable: Innovationen für Sachsen – moderiert von Mister Green Monday

Nach der Breakout-Session begann um 19 Uhr der Roundtable, moderiert von Bernhard Steimel, dem „Mister Green Monday“. Die Frage lautete: Wie können Innovationen in Sachsen schneller in die Praxis gebracht werden?
Martin Hermenau, VP Product Innovation bei Heliatek, sprach als Erster. „Deutschland ist Weltmeister im Erfinden, aber wir scheitern oft an der Umsetzung. Wir müssen den Reifegrad unserer Ideen nicht nur bewerten, sondern konsequent vorantreiben.“ Hermenau präsentierte die ultraleichten Solarmodule seines Unternehmens, die selbst an Fassaden und Fahrzeugen Anwendung finden können. „Unsere Technologie ist marktreif. Jetzt brauchen wir schnellere Prozesse, um sie auf die Dächer dieser Welt zu bringen.“
Ingo Senftleben von der GICON-Gruppe setzte auf eine andere Innovation: das Höhenwindrad. „Wir können mit unseren Anlagen die doppelte Energieausbeute erzielen und den Flächenverbrauch halbieren,“ erklärte er. Aber auch Senftleben sprach von Hindernissen: „Ohne klare politische Signale und gesellschaftliche Akzeptanz werden diese Projekte nicht die Breitenwirkung entfalten, die wir brauchen.“
Mandy Schipke, Geschäftsführerin von NOVUM engineering, brachte eine weitere Perspektive ein: „Innovationen entstehen an den Schnittstellen. Hochschulen und Unternehmen müssen enger zusammenarbeiten. Wir brauchen praxisorientierte Forschung, die direkt in den Markt übersetzt werden kann.“

Die Diskussion kreiste schließlich um die Frage, wie man die oft träge Bürokratie überwinden könne. „Sachsen hat das Potenzial, Vorreiter der Energiewende zu sein,“ fasste Steimel zusammen. „Doch dafür braucht es Mut, Tempo und klare Prioritäten.“
Dr. Daniela Pufky-Heinrich: Wasserstoff als Schlüssel zur Industrie-Transformation
Im Anschluss an den Roundtable sprach Dr. Daniela Pufky-Heinrich vom Fraunhofer-Institut über die strategische Bedeutung von Wasserstoff. Ihre Analyse war prägnant: „Wasserstoff ist kein Allheilmittel, aber er ist ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der energieintensiven Industrien – von Stahl bis Zement.“
Pufky-Heinrich erläuterte, dass die Herausforderungen weniger technischer, sondern infrastruktureller Natur seien. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um Wasserstoff nicht nur zu produzieren, sondern ihn auch effektiv zu transportieren und zu speichern.“ Ihre Forderung an die neue Bundesregierung war unmissverständlich: „Wir brauchen langfristige Strategien, weniger Bürokratie und vor allem den politischen Mut, Entscheidungen zu treffen, die nicht sofort populär sind, aber langfristig den Unterschied machen.“
Die Prozessindustrie, betonte sie, sei bereit für den Wandel. „Wir haben das Wissen und die Technologien. Jetzt müssen wir die Strukturen schaffen, die diesen Wandel ermöglichen.“
Startup-Night: Fünf Unternehmen, fünf Visionen

Am späteren Abend richtete sich der Fokus auf die Startup-Night, moderiert von Frank Barz vom Techboost-Programm der Telekom. „Es ist nicht entscheidend, ob Innovationen von Konzernen oder Startups kommen,“ erklärte Barz. „Das Zusammenspiel beider Welten ist der Schlüssel.“
Fünf Startups präsentierten ihre Lösungen für die Herausforderungen der Energiewende:

- Twinetic: Gründerin Rachel Maier zeigte eine Plattform, die ineffiziente Energiemuster aufdeckt und Unternehmen hilft, Kosten und CO₂-Emissionen zu reduzieren. „Transparenz ist der erste Schritt zur Veränderung,“ sagte Maier.
- enerthing: Michael Niggemann präsentierte Sensorlösungen, die Gebäude energieeffizient machen – ohne invasive Eingriffe. „Wir brauchen einfache, skalierbare Technologien, die direkt anwendbar sind,“ erklärte er.
- Greenflash: Denis Voss stellte maßgeschneiderte Energiesysteme vor, die Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur kombinieren. „Flexibilität ist das A und O, wenn es um nachhaltige Energiesysteme geht,“ betonte er.
- eclever: Oliver Raguse präsentierte Softwarelösungen, die den Ladevorgang von Elektroautos optimieren und Reichweitenängste reduzieren. „Wir machen Elektromobilität alltagstauglich,“ erklärte Raguse.
- Sustayn: Janik Seitzer demonstrierte, wie Gamification Mitarbeitende motivieren kann, Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren. „Nachhaltigkeit beginnt bei jedem Einzelnen,“ betonte Seitzer.


Barz lobte die Vielfalt der Ansätze: „Diese Startups zeigen, dass die Energiewende nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Herausforderung ist. Wir brauchen Lösungen, die Menschen mitnehmen.“
Die Zitrone und die Zukunft
Der Green Monday in Dresden endete, wie er begann – mit einer klaren Botschaft: Nachhaltigkeit darf keine Fassade sein. Die grüne Zitrone, mit der Jolanda Gallas den Abend eröffnete, steht als Sinnbild für den notwendigen Wandel. Es geht nicht darum, oberflächlich grün zu wirken, sondern darum, wirklich reif zu werden.

Dresden, eine Stadt, die Tradition und Innovation vereint, zeigte an diesem Abend, wie mutige Ideen und Zusammenarbeit die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft schaffen können. Die Frage bleibt: Werden wir den Mut haben, die grünen Ideen von heute in die Realität von morgen zu verwandeln? Der Green Monday hat gezeigt, dass die Antworten längst in unseren Händen liegen.