
„Looking Back“ – so lautete der Titel der Abschluss-Session der diesjährigen Next Economy Open. Und keine andere Persönlichkeit hätte diese Session besser tragen können als Lutz Becker, dessen wissenschaftliches Leben und praktische Erfahrungen von der Wuppertaler Schule bis hin zu globalen Innovationsprojekten reichten. In einem dynamischen Gespräch blickte er nicht nur auf prägenden Stationen und Begegnungen zurück, sondern zeichnete auch die Fäden seiner Denkschule nach, die sich durch interdisziplinäres Denken, narrative Kraft und eine klare Haltung auszeichnet.
Die Wuppertaler Schule: Eine Reformuniversität als intellektuelles Fundament
Lutz Becker begann seinen Weg an der Wuppertaler Schule der Wirtschaftswissenschaften, einer Reformuniversität, die zu ihrer Zeit weit über die klassischen Fächergrenzen hinausging. „Es gab keine getrennte Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre“, erzählte Becker, „sondern eine integrierte Wirtschaftswissenschaft, die den Menschen und die Gesellschaft stets im Blick hatte.“
Mit Nachdruck schilderte Becker die Bedeutung von Persönlichkeiten wie Reinhard Pfriem und Johannes Rau, die diese Institution prägten. „Rau hatte ein untrügliches Gespür für Menschen“, so Becker. „Er wusste, wie wichtig es ist, kluge Köpfe zu vernetzen und ihnen Raum zu geben.“ In dieser Atmosphäre lernte Becker, wirtschaftliche Prozesse als kulturelle und soziale Phänomene zu betrachten – ein Ansatz, der ihn sein Leben lang begleiten sollte.
Mentoren und prägende Begegnungen: Die Rolle des Dialogs
Neben der Wuppertaler Schule waren es auch die Begegnungen mit einzelnen Persönlichkeiten, die Becker prägten. Einer seiner einflussreichsten Mentoren war Professor Johannes Erhard. „Erhard war es, der mir den Weg in die Wissenschaft gezeigt hat“, erinnerte sich Becker. „Seine Worte – ‚Du musst an die Uni gehen‘ – waren ein Anstoß, den ich damals dringend brauchte.“
Stationen in der Wirtschaft: Zwischen Innovation und Krisenmanagement
Beckers beruflicher Werdegang führte ihn durch verschiedene Branchen, von der Medien- und Werbebranche bis hin zu multinationalen Unternehmen wie Philips. Besonders eindrücklich schilderte er seine Zeit bei Philips, wo er an der Entwicklung der Bildplatte arbeitete. „Es war ein faszinierendes Projekt, das seiner Zeit weit voraus war“, erklärte er. „Aber wie so oft scheitert Innovation nicht am Produkt, sondern an den Strukturen, die sie tragen sollen.“
Auch die Gründung eines eigenen Unternehmens gehörte zu Beckers Erfahrungen. „Mit Trade Wheels International hatten wir Büros in ganz Europa“, berichtete er. „Es war eine unglaublich lehrreiche Zeit, aber auch eine, die zeigte, wie zerbrechlich Netzwerke sein können, wenn das Vertrauen schwindet.“
Wissenschaft und Praxis: Die Rückkehr in die Hochschule
Nach Jahren in der Wirtschaft entschied sich Becker, in die Wissenschaft zurückzukehren. „Ich wollte die Brücke schlagen zwischen Theorie und Praxis“, sagte er. An der Hochschule Fresenius und später an der Karlshochschule setzte er sich dafür ein, die Lehre praxisorientiert und dennoch wissenschaftlich fundiert zu gestalten.
Besonders hob Becker die Bedeutung der Wuppertaler Schule für seinen eigenen akademischen Stil hervor. „Die Idee, Silos aufzubrechen und interdisziplinär zu denken, ist etwas, das ich von Anfang an mitgenommen habe.“
Die narrative Kraft der Wissenschaft
Ein zentraler Aspekt von Beckers Arbeit war stets die Bedeutung von Narrativen. „Geschichten sind nicht nur Reflexionen der Vergangenheit, sondern auch Werkzeuge, um die Zukunft zu gestalten“, erklärte er. Besonders in seiner Forschung zur schöpferischen Zerstörung griff Becker immer wieder auf die Macht von Narrativen zurück, um Innovationen verständlich zu machen.
Ein Fazit mit Perspektive
Am Ende der Session war klar: Lutz Becker hat nicht nur ein beeindruckendes wissenschaftliches Lebenswerk vorzuweisen, sondern auch eine einzigartige Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Sein Lebensweg ist ein Beispiel dafür, wie Wissenschaft und Praxis, Tradition und Innovation, Theorie und Narration ineinandergreifen können.
Mit Blick auf die Zukunft sagte Becker: „Die Arbeit endet nie. Wissenschaft ist ein ständiger Dialog – mit der Welt, mit der Praxis und mit sich selbst.“ Und so bleibt Becker nicht nur Chronist, sondern auch Visionär – ein Denker, der stets neue Räume öffnet, in denen Gedanken sich bewegen können.