
In Bonn werden unbemerkt Überwachungssysteme installiert. Was als Pilotprojekt zur Verbesserung der Bioabfallqualität präsentiert wird, offenbart bei genauerem Hinsehen eine technologische Überwachungsmaßnahme. Grüne Tonnen, ausgestattet mit Chips und einem Störstoff-Detektionssystem, sollen Verunreinigungen wie Plastiktüten erkennen. Doch die von mir befragten Haushalte wissen nichts davon. Sie wurden lediglich darüber informiert, wie man den Biofilterdeckel aktiviert. Die eigentliche Überwachung? Keine Spur.
Die Müllfahrzeuge von Bonn Orange sammeln nun detaillierte Daten, welche Tonnen korrekt getrennt werden und welche nicht. Eine Heatmap soll zeigen, wo die Mülltrennung fehlerhaft ist. Doch das ist nur der Anfang. Jérôme Lefevre, Sprecher von Bonn Orange, hat offen zugegeben, dass als Konsequenz auch „ein Einzug der Biotonne oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren angestrebt werden“ könnte. Die stille Einführung dieser Maßnahmen – ohne die betroffenen Bürger einzubeziehen – zeigt, wohin das Ganze führen soll: Kontrolle und Sanktionen.
In Bonn wird ein technisches Überwachungssystem aufgebaut, das heimlich die Mülltrennung überwacht. Ohne Aufklärung, ohne Transparenz. Die Bürger, die längst Teil dieses Experiments sind, wurden darüber im Dunkeln gelassen. Es geht nicht nur um die Technologie, sondern um den fehlenden Dialog. Nachhaltigkeit lässt sich nicht durch Überwachung und Sanktionen erreichen, sondern nur durch Offenheit und Einbindung der Menschen.
Was hier installiert wurde, ist mehr als eine technische Lösung. Es ist ein Überwachungsapparat, der unbemerkt in den Alltag der Bürger eingreift, während sie nichts davon wissen.
Die Grüne Tonne und der Maschinen-Paternalismus 2.0 – Bonner Erfahrungen
Die Kontrolle ist eher weniger das Problem. Aber dazu gehört natürlich die Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und auch Ankündigung der Kontrolle und der Sanktionierung. Also das Stehenlassen der Behälter, damit auch alle Bürger*innen verstehen, worum es geht.