DIW: Für jede Fehlprognose eine Million weniger – und Fratzscher zuerst

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hätte einen glänzenden Vorschlag gemacht, wenn er ihn auf sich selbst angewandt hätte: „Wenn die Menschen in den ersten 18 Jahren nicht wählen dürfen, dann sollten sie in den letzten 18 Jahren ihres Lebens auch nicht wählen dürfen.“ Ein Satz, der klingt, als käme er aus dem Planungsbüro einer postdemokratischen Statistik-Republik. Wer so redet, sollte sein eigenes Institut einer kleinen Realitätstherapie unterziehen – oder wenigstens den Taschenrechner neu kalibrieren.

Haushaltsdisziplin für Hellseher

Wie wäre es also, den Etat des DIW künftig leistungsabhängig zu gestalten? Für jede Fehlprognose eine Million Euro weniger.

Das wäre gelebte Anreizökonomie – endlich einmal angewandt auf jene, die sie ständig predigen. Denn das DIW hat in den vergangenen Jahren in etwa so präzise vorausgesehen wie ein Horoskop im Boulevardblatt. Wachstum, Inflation, Beschäftigung – alles mit der gleichen wissenschaftlichen Treffsicherheit wie Wetterberichte für den Mars.

Die freiwerdenden Millionen könnten dort investiert werden, wo echte Neugier und empirischer Mut herrschen: bei „Jugend forscht“. Weniger Talkshow-Ökonomie, mehr Forschergeist – das wäre ein Fortschritt.

Die Infantilisierung der Alten

Dass Fratzscher seine Fehlprognosen nun mit politischer Rechthaberei kompensiert, macht die Sache nicht besser. Erst das soziale Pflichtjahr für Rentner, jetzt das Wahlrecht auf Lebenszeitkreditbasis – die Boomer als neue Kollektivschuldigen.

Wer so redet, verwechselt Demografie mit Moraltheologie. Die Alten sind nicht das Problem, sie sind das Gedächtnis der Republik. Wer ihnen das Wahlrecht abspricht, will nicht Reform, sondern Revanche.

Technokratie der Lebensspanne

Was Fratzscher als ökonomische Logik verkauft, ist ein Rückfall in den Technokratismus: Der Mensch als kalkulierbare Variable, Demokratie als Rechenfehler. Vielleicht sollte man dort einmal ein verpflichtendes Jahr in Realität absolvieren. Es wäre das einzige Pflichtjahr, das wirklich etwas bewirken würde.

Das Ende der Urteilskraft

Fratzschers Denkfigur ist nicht bloß schräg, sie ist gefährlich. Wer das Wahlrecht an biologische Parameter knüpft, öffnet die Tür zur Technokratie der Lebensspanne.
Heute sind es die Alten, morgen die „Ungebildeten“, übermorgen die Falschwähler.

Ein Gedanke zu “DIW: Für jede Fehlprognose eine Million weniger – und Fratzscher zuerst

  1. Pingback: 🕯️ Daily Brief Bonn #004 – Donnerstag, 9. Oktober 2025 - Kuratieren heißt erkennen – nicht addieren! - ichsagmal.com

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.