Mitte April 2024 wurde den Mitarbeitenden des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW die Entscheidung des Vorstands zur geplanten Betriebsänderung und Teilschließung des Instituts verkündet. Bei den Mitarbeitern des IMW stößt die Vorgehensweise der Fraunhofer Gesellschaft auf massive Kritik. Der Pressesprecher Thomas Eck der Dachorganisation reagierte jetzt gegenüber ichsagmal.com:
„Der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft hat seine Entscheidung getroffen, um den Standort Leipzig nachhaltig zu sichern und die Innovationspolitik dort zu stärken (Pressemitteilung zu den strukturellen Anpassungen finde Sie hier). Die Integration der Abteilungen ‚Wissens- und Technologietransfer‘ sowie ‚Regionale Transformation und Innovationspolitik‘ in das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie die Schließung der weiteren Teile des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW und damit die Auflösung der Eigenständigkeit des Fraunhofer IMW gründet auf der Basis tiefgehender Analysen und eingehender Abwägungen. Die internen, ergebnisoffenen Analysen wurden von Expertinnen und Experten erstellt. Bei unternehmerischen Entscheidungen ist es üblich, interne Zahlen und Daten mit Blick auf die Wahrung der Vertraulichkeit nicht zu veröffentlichen.
Es ist Aufgabe und Verantwortung des Vorstands, die Weiterentwicklung, Struktur und Themen der Fraunhofer-Gesellschaft als Ganzes zu beurteilen und – wo notwendig – neu zu ordnen. Ganz grundsätzlich gilt: Das IMW blieb seit seiner Gründung vor 18 Jahren, trotz seither gewährten Sonderkonditionen, die normalerweise nur für die Aufbauphase vorgesehen sind, deutlich und kontinuierlich hinter den mit der Institutsleitung mehrfach vereinbarten Zielen zurück. Das Zentrum konnte darüber hinaus seit der Gründung kein im Außenraum und für Kunden klar sichtbares FuE-Alleinstellungsmerkmal entwickeln. Eine Weiterführung ohne strukturelle Anpassungen ist im unternehmerischen und forschungsstrategischen Kontext nicht gerechtfertigt.
Der Vorstand nimmt daher seine Pflicht und Verantwortung wahr, gezielt Maßnahmen für die Weiterentwicklung und Prosperität der Fraunhofer-Gesellschaft zu ergreifen. Diese Entscheidung eröffnet die große Chance, den Standort Leipzig im Sinne des Grundsatzes ‚Stärken stärken‘ im Bereich der Innovationsforschung zu sichern und langfristig auszubauen. Klares Ziel – auch in engem Schulterschluss mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus – ist es, die Innovationsforschung in den regional wichtigen Themen Strukturwandel und Politikberatung weiter zu verwurzeln, u. a. durch die vertiefte Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig, und so vielen Mitarbeitenden des IMW eine langfristige und zukunftssichere Perspektive zu eröffnen. Die Beschlussvorlage für den Senat sowie unsere internen Analysen sind nicht öffentlich, da bitten wir um Verständnis.“ Soweit das Statement von Eck.
In Kreisen des IMW stößt das auf Unverständnis. Erste Reaktion: „Vertrauliche Analysen bei einem öffentlich geförderten Verein. Interessant.“ Da werde ich wohl das Informationsfreiheitsgesetz bemühen müssen via fragdenstaat.de.
Weitere Reaktionen aus dem Kreis des IMW: Diese Entscheidung basiere auf einer nicht offengelegten Analyse des Vorstands, die besagt, dass das Fraunhofer IMW in seiner aktuellen Form nicht weitergeführt werden kann. „Die Kernpunkte die gegen diese Spekulation sprechen: Das Fraunhofer IMW ist finanziell stabil und erfolgreich. Wissenschaftlich und strategisch ist unser Institut gut positioniert. Die geplante Vorgehensweise ist intransparent und unüblich. Die Auswirkungen auf die Region Mitteldeutschland, die Wissenschaftslandschaft und die Mitarbeitenden sind erheblich. Die Mitarbeitenden des Fraunhofer IMW bitten die Mitglieder des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft eindringlich, die Entscheidung des Vorstands zu überdenken und die Schließung nicht ohne weitere Prüfung zuzustimmen. Das Kollegium des Fraunhofer IMW fordert eine transparente und nachvollziehbare Evaluierung aller Maßnahmen.“
Meine Fragen an die Fraunhofer-Gesellschaft, die ich Thomas Eck schicken werde. Den Weg über das IFG behalte ich mir vor.
Warum genau sind die internen Analysen und die Beschlussvorlage nicht öffentlich? Entscheidungen von solcher Tragweite erfordern mehr Transparenz. Gibt es möglicherweise finanzielle, personelle oder politische Gründe, die nicht offen kommuniziert werden?
Welche konkreten „tiefgehenden Analysen und eingehenden Abwägungen“ wurden durchgeführt?
Was bedeutet „hinter den mit der Institutsleitung mehrfach vereinbarten Zielen zurück“ konkret? Könnten konkrete Zahlen und Vergleichsindikatoren, die diese Zielverfehlung belegen, offengelegt werden? Welche spezifischen Ziele wurden nicht erreicht?
Gibt es finanzielle Engpässe oder andere wirtschaftliche Gründe, die die Entscheidung beeinflusst haben? Reaktion im IMW: „Alle Auditberichte sagen das Gegenteil.“
Vergleich mit anderen Instituten und deren Erfolgsmodellen:
Wie schneiden andere Fraunhofer-Institute im Vergleich ab? Sind die Herausforderungen, denen sich das Fraunhofer IMW gegenüber sieht, einzigartig oder gibt es andere Institute, die ähnliche Probleme haben oder hatten? Wie wurden diese Probleme dort gelöst?
Welche konkreten „Sonderkonditionen“ wurden dem IMW gewährt, und wie haben diese zu seinem Erfolg oder Misserfolg beigetragen?
Wie reagieren lokale politische Akteure und die Universität Leipzig auf diese Entscheidung?
Welche Rolle spielt das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus in dieser Entscheidung? Ist deren Unterstützung bedingungslos, oder gibt es politische Zwänge oder Abmachungen, die hier eine Rolle spielen?
Wie soll die „Stärken stärken“-Strategie konkret umgesetzt werden? Was sind die geplanten Maßnahmen und wie werden diese finanziert?
Das IFG gilt nur gegenüber Bundesbehörden und sonstigen Bundesorganen – selbst die Bundesländer sind explizit ausgenommen (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsfreiheitsgesetz). Für einen eingetragenen Verein dürfte es erst recht nicht greifen…..
So ist es. Deshalb habe ich meine Anfrage auch so geschrieben. https://fragdenstaat.de/anfrage/anfrage-zur-entscheidungsfindung-bei-der-schliessung-von-teilen-des-fraunhofer-zentrums-fuer-internationales-management-und-wissensoekonomie-imw/