Wie gelingt die Ernährungswende im Sinne des Klimaschutzes?

In einer weiteren aufschlussreichen Episode unserer Gesprächsreihe mit Friedrich Büse tauchen wir in die Thematik der effizienten Ressourcennutzung und der Potenziale pflanzenbasierter Materialien ein. Büse, ein Pionier in Sachen Nachhaltigkeit, beleuchtet innovative Wege, wie wir durch den Einsatz alternativer Rohstoffe wie Erbsen- und Ackerbohnenfasern den Wasser- und Energieverbrauch senken können – selbst wenn diese Ansätze derzeit noch kostenintensiv sind.

Das Kernargument des Interviews ist die Notwendigkeit, unsere Rohstoffe sinnvoll zu verwerten, um eine nachhaltige Wertschöpfungskette zu etablieren. Büse kritisiert dabei die derzeitige Praxis, pflanzliche Stärke indirekt für die Fleischindustrie nutzbar zu machen, und plädiert stattdessen für eine Verwendung, die den ökologischen Fußabdruck minimiert. In seiner Vision werden Nebenprodukte wie Fasern in der Papierproduktion eingesetzt, während Stärke zur Energieversorgung von Kulturen im Laborfleischbereich dienen könnte.

Das Gespräch lenkt auch den Blick auf die aktuelle Debatte über Plastik- versus Papiertüten und skizziert, dass trotz der schlechten Ökobilanz von Papiertüten das Recycling und die Verwendung pflanzenbasierter Materialien wesentlich für die Entwicklung nachhaltigerer Alternativen sind.

Büse sieht bereits positive Entwicklungen, wie den Einsatz von erneuerbaren Energien und nachhaltiger Wassernutzung in der Industrie. Er betont aber, dass die Branche für alternative Fleisch- und Milchprodukte, trotz ihres beeindruckenden Wachstums, immer noch einen geringen Marktanteil im Vergleich zur traditionellen Fleisch- und Molkereiindustrie hat. Um den notwendigen Wandel zu beschleunigen, ruft er nach Investoren, die Transformationen wie die von Endori initiierte Übernahme von Rügenwalder Mühle unterstützen.

Die Bedeutung von Hybridprodukten, die sowohl tierische als auch pflanzliche Proteine enthalten, wird hervorgehoben. Diese Produkte könnten nicht nur die Qualität verbessern, sondern auch den Fleischanteil in unserer Ernährung reduzieren. Als positives Beispiel nennt Büse Initiativen in England und Kopenhagen, wo eine solche Diversifizierung des Angebots bereits erfolgreich praktiziert wird.

Büse schließt mit einem Plädoyer für die Geschmacksvielfalt, die durch lokale Spezialitäten und eine bewusste Nutzung von Gewürzen erreicht werden kann. Er kritisiert die Standardisierung des Geschmacks in der Fleischproduktion und fordert mehr Raum für saisonale und regionale Sorten in den Supermarktketten.

„Innovation trifft Tradition: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Lebensmittelwirtschaft“.

Der Weg scheint aber noch lang und steinig zu sein. So berichtet die FAZ über eine neue Umfrage des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

„Demnach ändern Ernährungstipps oder Informationen über Fleischkonsum und mögliche Umweltfolgen kurzfristig nichts am Fleischverzehr der Bürger. Solche Maßnahmen führen nicht einmal dazu, dass Verbraucher die Absicht äußern, weniger Fleisch zu essen. Das ist für die Autoren überraschend – schließlich lassen sich Absichten viel leichter ändern als das tatsächliche Verhalten. ‚Damit gibt die Studie Hinweise auf mögliche Grenzen verhaltensökonomischer Maßnahmen in Lebensbereichen, die durch starke Gewohnheiten geprägt sind‘, sagt RWI-Ökonom Manuel Frondel über die unveröffentlichte Studie, die der F.A.Z. vorliegt“, so die FAZ.

Nachzulesen in der FAZ-Montagsausgabe vom 15. April 2024.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein reduzierter Fleischkonsum schont die eigene Gesundheit und das Klima. Rund ein Siebtel des weltweiten Treibhausgasausstoßes wird durch die Haltung und Verarbeitung von Tieren produziert – das ist mehr als der Beitrag des Verkehrs. Der Verzehr von Fleischprodukten gehört damit neben dem Energieverbrauch zu den wesentlichen Quellen von Treibhausgasen. Um den Fleischkonsum zu reduzieren, helfen Ernährungstipps oder Informationskampagnen zu den Klimawirkungen jedoch kaum, wie eine aktuelle RWI-Studie zeigt.
  • In der Studie veranlassen Informationen zum Fleischkonsum Konsumentinnen und Konsumenten nicht dazu, unmittelbar weniger Fleisch zu essen. Noch überraschender ist: Die Aufklärungskampagne stärkt nicht einmal die Absicht, den Fleischverzehr zu verringern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verhaltensänderungen schwerfallen – zumindest bei Essgewohnheiten und wenn diese auch noch innerhalb kurzer Zeit geändert werden sollen.
  • Im Durchschnitt verzehrten die Probanden der Stichprobe rund 4,3 Kilogramm Fleisch im Monat, was in etwa dem Bundesdurchschnitt entspricht. Dieser liegt ungefähr bei 55 Kilogramm Fleisch pro Jahr bzw. bei etwa 4,6 Kilogramm pro Monat. Im Verlauf des Experiments schienen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchschnittlich ca. 0,1 Kilogramm weniger Fleisch gegessen zu haben als im Monat vor der ersten Befragung. Die Schlussfolgerung, dass der Fleischverzehr statistisch signifikant geringer ist, lässt sich allerdings nicht durch die Analyse bestätigen.
  • Für die Studie wurde die Wirkung zufällig zugesandter Informationen auf die Reduktion des Fleischkonsums untersucht. Diese waren in eine Panel-Erhebung unter rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Jahr 2022 eingebettet, die im Rahmen des von der E.ON Stiftung geförderten Projektes „Sozialökologisches Panel – Fortführung und Weiterentwicklung“ durchgeführt wurde. Die Informationsinterventionen bestanden aus drei Newslettern, die Kontrollgruppe erhielt hingegen keine Newsletter. Die drei Newsletter für die erste Interventionsgruppe enthielten Informationen zu den Umweltauswirkungen von Fleisch, die drei Newsletter für die zweite Interventionsgruppe Ernährungstipps und Rezepte zur Reduktion des Fleischkonsums. Die drei Newsletter für die dritte Interventionsgruppe bestanden aus einer Kombination aus beidem. Vor und nach den Interventionen wurden die Probanden zu ihrem Fleischkonsum befragt sowie zur Absicht, diesen zu reduzieren.
  • Das Autorenteam weist darauf hin, dass die Stichprobe der Studie nicht repräsentativ ist, da tendenziell eher an Ernährung interessierte Personen an der Studie teilgenommen haben. Umso überraschender ist die offenbar zumindest kurzfristig mangelnde Effektivität der Informationsinterventionen. Womöglich könnten Änderungen im Essverhalten aber zukünftig auftreten, da die Umstellung von Essgewohnheiten gewöhnlich einige Zeit beansprucht.

„Unsere empirischen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Informationskampagnen zu klimarelevanten Essgewohnheiten oder Ernährungstipps Konsumentinnen und Konsumenten kaum zu Verhaltensänderungen bewegen“, sagt RWI-Umweltökonom Manuel Frondel. „Trotz der relativ starken Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima reduzieren sie ihren Konsum kaum. Sie verringern nicht einmal die Absicht, den Fleischkonsum einzuschränken. Damit gibt die Studie Hinweise auf potenzielle Grenzen verhaltensökonomischer Maßnahmen in Lebensbereichen, die durch starke Gewohnheiten geprägt sind“, so Frondel. Bessere Chancen, einen Anreiz zu messbaren Verhaltensänderungen oder klimaschonenden Innovationen zu geben, haben seiner Einschätzung nach Preissignale, wie beispielsweise durch die C02-Bepreisung als Leitinstrument der Klimapolitik.

Sollte man die Wende mit einer Fleischsteuer beflügeln? Was denkt Ihr?

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