Wahl in Bonn: Wie nah unsere Sentiment-Prognose am Ergebnis lag

Am 14. September 2025 wurde in Bonn gewählt – sowohl der Stadtrat als auch das Amt des Oberbürgermeisters standen zur Entscheidung. Für unser Team bei Sohn@Sohn markierte dieser Wahlabend den Abschluss eines mehrmonatigen Begleitprojekts: Seit Mitte Juni hatten wir eine kontinuierliche Sentiment-Analyse durchgeführt, mit dem Ziel, auf Basis öffentlich sichtbarer Kommunikationssignale eine fundierte Prognose zu entwickeln – ohne klassische Umfragedaten, aber mit systematisch erhobenen Indikatoren aus digitalen, medialen und lokalen Quellen.

📊 Die Prognose zur OB-Wahl: Déus vorn

Zum Wahlabend (14.09., 18:00 Uhr) veröffentlichten wir folgende Vorhersage für die OB-Wahl in Bonn:

Kandidat:inPrognose (18:00 Uhr)EndergebnisDifferenz
Guido Déus (CDU)33 %38,9 %+5,9 %
Katja Dörner (Grüne)30 %33,1 %+3,1 %

Damit identifizierte unsere Prognose zutreffend die beiden Kandidierenden, die den höchsten Stimmenanteil erhalten würden. Beide lagen bei unserer Einschätzung mehrere Prozentpunkte unter dem späteren Ergebnis, was sich durch eine kurzfristige Mobilisierung im Endspurt, insbesondere im grünen und konservativen Kernmilieu, erklären lässt. Den Zweikampf sagten wir schon zu Beginn des Wahlkampfes voraus – was von vielen Experten bezweifelt wurde.

🏛️ Der Stadtrat: CDU vorn, Grüne stabil, SPD verliert – Tendenzen bestätigt

Auch auf Ebene der Parteien haben wir am Wahlabend eine Sentiment-basierte Verteilung veröffentlicht. Diese basierte auf der aggregierten Sichtbarkeit, Tonalität und Resonanz der Parteien im Wahlkampf.

🏛️ Bonn Kommunalwahl 2025 – Vergleich Prognose (18 Uhr) vs. Ergebnis

ParteiPrognose (18 Uhr)ErgebnisAbweichungBewertung
CDU25–30 %31,9 %+1,9leicht unterschätzt
Grüne18–22 %26,3 %+4,3unterschätzt
SPD14–18 %11,8 %–2,2überschätzt
AfD7–9 %6,0 %–1,0realitätsnah
BBB3–6 %5,3 %innerhalbgut getroffen
Volt1–3 %2,7 %innerhalbgut getroffen
Linke7–9 %8,7 %innerhalbsehr genau getroffen
FDP2–3 %2,9 %-0,1gut prognostiziert
BSW0–1 %1,1 %+0,1korrekt im Aufkommen

Die Prognose lag bei den großen Parteien in den erwarteten Tendenzen richtig. Die CDU wurde als stärkste Kraft prognostiziert und konnte diesen Vorsprung im Ergebnis noch ausbauen. Die Grünen zeigten im Sentiment-Modell ein gemischtes Bild, das in der tatsächlichen Wahlbeteiligung dann doch stärker in Wahlergebnisse umschlug.

📡 Über die Methodik: Sentiment statt Stichprobe

Unser Ansatz basiert auf einer fortlaufenden Erhebung von Stimmungsdaten, einschließlich:

  • Präsenz und Tonlage in lokalen Nachrichtenportalen (General-Anzeiger Bonn, WDR Lokalzeit etc.)
  • Aktivität und Reaktion auf Social-Media-Kanälen (YouTube, Instagram, Facebook, X/Twitter)
  • Themenresonanz auf Basis von Google News Trends
  • Plakat- und Veranstaltungsbeobachtungen in Bonn-spezifischen Kommunikationsräumen
  • Tonalitätsklassifikation (positiv / neutral / negativ)

Daraus wurde ein konsolidierter Sichtbarkeits- und Sentimentindex berechnet. Die Methode fokussiert nicht auf hypothetisches Wahlverhalten, sondern auf real beobachtbare Kommunikationswirkung.

Ein Werkzeug für die Wirkungsanalyse

Unsere Analyse hat keine Wahrsagerei betrieben, sondern Stimmungen gemessen. Die Abweichungen zwischen Prognose und Endergebnis zeigen, dass auch die beste Resonanzanalyse nicht die spontane Wahlentscheidung ersetzen kann – insbesondere dann nicht, wenn sie durch nicht öffentliche Gespräche, persönliche Kontakte oder innerparteiliche Dynamiken beeinflusst wird.

Was wir aber liefern konnten, war ein realistischer Blick auf die kommunikative Stärke und Reichweite der Kampagnen. Sichtbarkeit ist nicht alles – aber ohne Sichtbarkeit ist alles nichts.

Hier die Endergebnisse.

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