
Die Digitalisierung fordert nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern auch Unternehmen heraus, traditionelle Methoden zu hinterfragen. Gunnar und Constantin Sohn haben ein Modell entwickelt, das ursprünglich in der Hochschuldidaktik entstand, sich jedoch ebenso als richtungsweisend für das HR-Management erweist. Ihr Ansatz kombiniert innovative Lehrmethoden mit der Dynamik des Livestreamings, um sowohl Wissen als auch Kompetenzen nachhaltig zu vermitteln.
Vom Frontalunterricht zur Interaktion
„Wer lernt, der lehrt auch“, sagt Gunnar Sohn, und mit dieser Aussage beschreibt er den Kern seines didaktischen Ansatzes. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Fresenius und Dekan Lutz Becker entwickelten Vater und Sohn ein Konzept, das die klassische Wissensvermittlung ablöst. Statt frontaler Belehrung treten Studierende in die Rolle von Wissensvermittlern. Sie erstellen eigenständig Inhalte und präsentieren diese in einer Live-Sendung. „Die Verantwortung liegt bei den Studierenden“, erklärt Constantin Sohn. „Es geht darum, dass sie den Stoff nicht nur verstehen, sondern ihn auch so aufbereiten, dass andere davon profitieren.“
Dieses Prinzip lässt sich mühelos auf die betriebliche Weiterbildung übertragen. Gunnar Sohn hebt hervor: „Wenn Mitarbeitende aktiv in die Vermittlung von Wissen eingebunden werden, steigert das nicht nur die Tiefe ihres Verständnisses, sondern fördert auch ihre Eigeninitiative.“ In einem HR-Kontext könnten Mitarbeitende beispielsweise Projektberichte, Best Practices oder Fachwissen in einem interaktiven Live-Format präsentieren. „So lernt nicht nur der Einzelne, sondern das gesamte Team“, fügt Constantin Sohn hinzu.
Die Macht des Live-Mediums
Die Wahl des Livestreamings ist dabei zentral. „Es ist die unmittelbare Natur des Live-Formats, die den Unterschied macht“, erklärt Gunnar Sohn. „Wenn etwas live präsentiert wird, spürt jeder, dass es ernst ist. Es gibt kein Zurück, keine Nachbearbeitung – nur das Hier und Jetzt.“ Diese Authentizität führt nicht nur zu einer stärkeren inhaltlichen Auseinandersetzung, sondern schafft auch ein Gefühl der Dringlichkeit.
Constantin Sohn ergänzt: „Das ist kein Meeting, bei dem man einfach zuhört und sich berieseln lässt. Man ist Teil des Geschehens, man interagiert.“ In der Praxis bedeutet das, dass Live-Formate Mitarbeitenden die Möglichkeit bieten, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Gunnar Sohn beschreibt es so: „Die Vorstellung, dass ein Kollege vor der Kamera steht und Wissen teilt, hat eine stärkere Wirkung, als wenn ein externer Trainer einen Vortrag hält.“
Technik als Mittel, nicht als Zweck
Die Technik ist dabei nicht Selbstzweck, sondern Werkzeug. Gunnar Sohn betont: „Wir setzen Technik so ein, dass sie die Botschaft unterstützt – nicht, um sie zu überlagern.“ Die Teilnehmenden lernen den Einsatz von Livestreaming-Tools, aber auch, wie sie Inhalte strukturieren und visuell aufbereiten. „Es geht nicht nur um das ‚Wie‘, sondern vor allem um das ‚Warum‘“, sagt Constantin Sohn. „Warum ist dieses Thema wichtig? Warum sollte es jemanden interessieren? Diese Fragen müssen beantwortet werden.“
Für Unternehmen liegt hier eine große Chance. Gunnar Sohn erklärt: „Viele Organisationen suchen nach Wegen, Wissen besser zu teilen und die interne Kommunikation zu stärken. Mit einem Format wie unserem lassen sich nicht nur Inhalte vermitteln, sondern auch Soft Skills wie Präsentationsfähigkeit und Medienkompetenz fördern.“ Beispiele aus ihrer Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung zeigen, dass Livestreaming als Plattform auch für komplexe Inhalte geeignet ist.
Anwendungsbeispiele im HR-Management
Das Konzept kann vielseitig eingesetzt werden. Gunnar Sohn schlägt vor: „Stellen Sie sich vor, ein Team präsentiert die Ergebnisse eines Projekts nicht in einer PowerPoint-Schlacht, sondern in einer interaktiven Live-Sendung. Fragen werden in Echtzeit beantwortet, und das gesamte Unternehmen kann teilnehmen.“ Constantin Sohn ergänzt: „Oder denken Sie an neue Mitarbeitende, die ihre Erfahrungen aus der Einarbeitung in einem interaktiven Format teilen. Das schafft Transparenz und stärkt die Unternehmenskultur.“
Auch in der Führungskräfteentwicklung sieht Gunnar Sohn großes Potenzial: „Live-Formate fördern nicht nur die Fähigkeit, sich klar auszudrücken, sondern auch die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Das ist eine zentrale Kompetenz für jede Führungskraft.“ Ein weiterer Vorteil: Die Inhalte können aufgezeichnet und später als Lernressource genutzt werden.
Eine neue Unternehmenskultur
Am Ende ist es jedoch mehr als nur eine Methode. Gunnar Sohn bringt es auf den Punkt: „Dieses Format verändert die Kultur in Unternehmen. Es macht Mitarbeitende sichtbar und schafft einen Raum, in dem Wissen nicht nur geteilt, sondern gelebt wird.“ Constantin Sohn fügt hinzu: „Wir sprechen oft über Innovation, aber Innovation beginnt mit Kommunikation. Live-Formate sind ein Katalysator dafür.“
Unternehmen, die dieses Konzept übernehmen, könnten nicht nur ihre internen Weiterbildungsangebote revolutionieren, sondern auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Gunnar Sohn schließt mit einer klaren Botschaft: „Wer wagt, seine Mitarbeitenden ins Rampenlicht zu stellen, zeigt Vertrauen. Und Vertrauen ist der Schlüssel zu jeder erfolgreichen Organisation.“