Vom Live-Hangout zur Biotonne: Wie digitale Diskussionen und Mülltrennung unsere Aufmerksamkeit fesseln (können) – Gilt natürlich auch für andere Themen

Was ich im Jahr 2012 zu Papier gebracht habe, ist auch heute noch super wichtig:

Für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Initiativen und Verbände bieten Live-Hangouts (damals unser Goldstandard für Liveübertragungen, heute machen wir das im Multstream von Twitch bis LinkedIn) ein effektives Instrument, um öffentliche Fachdiskussionen zu führen. Die Teilnahme hochkarätiger Experten wird durch die räumliche Unabhängigkeit erleichtert, da sie lediglich eine Stunde ihrer Zeit investieren müssen, um von ihrem eigenen Laptop aus Vorträge zu halten oder an Diskussionsrunden teilzunehmen (hier haben wir über Remote-Konzepte nachgedacht, bevor es andere buchstabieren konnten). Ein zusätzlicher Nutzen entsteht durch die Aufzeichnung der Veranstaltungen, die eine spätere Nutzung auf Plattformen wie Slideshare, YouTube, Blogs, Xing, Twitter und Co. ermöglicht.

Diese Formate folgen der neuen Logik der Aufmerksamkeit, die zunehmend unseren digitalen Alltag prägt. Während klassische Medien auf das unmittelbare Ereignis fokussiert sind und nur zeitnahe Themen aufgreifen (also all das, was über den Ticker von dpa und Co. purzelt – vom Ukraine-Krieg bis zu irgendwelchen neuen Eskapaden von Promis wie Boris Becker), orientiert sich die digitale Öffentlichkeit stärker an den Interessen der Nutzer. Themen, die bewegen, bleiben auch dann relevant, wenn die professionelle Berichterstattung längst weitergezogen ist. Nachrichten können – wie guter Wein – mit der Zeit an Bedeutung gewinnen.

Wenn eine Nachricht wichtig für mich ist, wird sie mich schon finden (Grundsatz, den der Medientheoretiker Jeff Jarvis vor ewigen Zeiten formulierte – gilt aber heute in den privatisierten und zersplitterten Öffentlichkeiten mehr denn je). Und wann sie für mich wichtig ist, entscheide ich selbst und nicht die Tagesschau.  So entsteht eine virale Dynamik, die ihre eigene Logik entwickelt.

Soweit mein Posting vor gut 12 Jahren.

Es passiert immer wieder, dass Beiträge auf ichsagmal.com eine eigene Wirkung entfalten. Das zeigt eine Reaktion vom Hersteller der neuen grünen Tonnen, die in Testgebieten in Bonn verteilt wurden. Heute Vormittag wurde ich Chief Sales Officer von der Firma BIOLOGIC angerufen.

Wir führten ein sehr interessantes Telefonat und ich bekam danach noch super interessante Infos via E-Mail:

„wie soeben besprochen, erhalten Sie mit der Signatur meine Kontaktdaten.

Hintergrundinformationen zum Projekt Bonn / VKS News:

Auf unserer Seite Aktuelles und kommunale Erfahrungsberichte finden Sie weitere Informationen zum Bio-Filterdeckel.

Generell ist uns das „Problem“ der größere Kopflastigkeit bei Biotonnen mit Bio-Filterdeckel gegenüber dem normalen Deckel bekannt, spielt im Alltag aber tatsächlich kaum eine Rolle. Sie werden nahezu keine umgefallene Tonne in den Testgebieten finden.

Das Problem wird auch in diesem WDR-Beitrag genannt. Auch das Problem, das die Filtertrocken sind, weil Bürger sie nicht aktiviert haben. Die Filter aktivieren sich mit der Zeit durch gestaute Feuchtigkeit in der Biotonne selbst:

Das Menschen zum besseren Trennen bereit sein müssen, ist uns bewusst und dazu bedarf es auch Aufklärung. Aber Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Bürger (bei allen bisherigen Testgebieten) tatsächlich von Geruch und Ungeziefer bereits abgeschreckt wird und dies auch Trennwillige oft davon abhält, Biomüll korrekt zu trennen. Den Bürgern ein System zu stellen, dass diese Probleme drastisch reduziert, unterstützt dabei, dass Aufklärungsarbeit tatsächlich fruchten kann und bereits trennwillige Bürger dies auch besser umsetzen.“

Soweit die Info. Jetzt können wir in Bonn und darüber hinaus noch intensiver über die Problematik der Mülltrennung sprechen und auch über die Technologien, die zur Verringerung von Fehlwürfen führen können. Allerdings nur mit einer transparenten Informationspolitik:

Deshalb meine Nachfrage beim Pressesprecher von Bonn Orange:

zu meinem Artikel über die Grüne Tonne in Bonn habe ich zahlreiche Rückmeldungen erhalten, darunter auch den Hinweis auf einen Namensartikel von Ihnen in den VKS-News. Dort schreiben Sie:

„Des Weiteren wird im Pilotgebiet ein Störstoff-Detektionssystem an den Abfallsammelfahrzeugen getestet. Mithilfe dieses Systems möchte man Verunreinigungen wie Plastiktüten erkennen, um die Qualität des gesammelten Bioguts zu steigern und Tonnen mit Verunreinigungen zu identifizieren.“

In Ihrer Antwort auf meine Fragen heißt es jedoch:

„Auf den Test mit den Chips aufbauend soll im Pilotgebiet zudem ein Störstoff-Detektionssystem erprobt werden. Die bonnorange AöR plant, diese selbstlernende, innovative Technologie zu testen, um Rückschlüsse auf die Qualität des Biomülls zu ziehen und zu prüfen, ob die Maßnahmen zur Vermeidung von Kunststoffen im Biomüll greifen.“

Das klingt etwas anders. Verstehe ich richtig, dass das Detektionssystem in der Lage ist, genau zu erkennen, welcher Haushalt Störstoffe in die Grüne Tonne geworfen hat? Ist das System bereits vollständig einsatzbereit, und sind alle Testhaushalte damit ausgestattet?

Wir sind ebenfalls ein Testhaushalt, jedoch habe ich bislang keine entsprechende Information dazu erhalten. Ist denn insgesamt die Öffentlichkeit darüber informiert worden, dass durch das Chip-Ident-System personalisierte Informationen über Fehlwürfe ermittelt werden können? Und wenn so ein System ins Laufen kommt, was passiert denn als Reaktion auf ermittelte Fehlwürfe? Entzug der Grünen Tonne, Bußgeld etc.

Über eine schnelle Rückmeldung würde ich mich freuen. 

Zudem wäre ich daran interessiert, mit Ihnen einen Livetalk über diese Projekte zu führen via Zoom – übertragen im Multistream.

Gruß

Gunnar Sohn

Unabhängig vom Sachverhalt über Überwachungssysteme in Tonnen, zeigt das Beispiel, wie wichtig der Longtail in der Social-Web-Kommunikation ist.

Beiden Firmen habe ich übrigens angeboten, einen Livetalk zu der Tonnen-Technologie zu führen.

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