
It’s a Match!
Da stehen sie, geschniegelt, blankgefiltert, bis auf die letzte Gesichtspore KI-geglättet, rein retuschierte Existenzen, deren IQ so „lowkey“ ist, dass sogar ein Algorithmus Mitleid hätte. Aber who cares? It’s all about the content, Baby!
Er: „Ich brauch’ einfach ne Connection mit Deepness, weißt du?“
Sie: „Ja, same. Ich glaub, du bist voll mein Vibe!“
Er: „Ja, also ich bin halt so voll real, ich brauch’ ne Queen, die mich matched.“
Sie: „Hundertpro! Also ich steh halt so auf High-Energy, Loyalität und Leute, die mich inspirieren!“
Inspirieren, LOL.
Real Talk: Die größte Inspiration dieser Leute ist ihr eigener Spiegel. „Look, ich bin so krass gewachsen dieses Jahr, mental, weißt du?“ – Ja, genau, deine Business-Class-Flüge nach Dubai haben dich echt transformiert. Hard Launch incoming: „Ich bin jetzt einfach CEO meiner eigenen Journey.“
Challengen, Leveln, Hustlen – Die Management-Gang
Meanwhile in Corporate Wichtigtuerhausen:
„Wir müssen die Synergien heben!“ (Sie haben keine.)
„Das Mindset shiften!“ (Er hat keins.)
„Wir challengen das nochmal.“ (Heißt: Er hat nichts verstanden.)
„Wir brauchen einen Deep Dive ins Thema!“ (Wird nie passieren.)
„Ich seh da nen krassen Pain Point.“ (Keiner weiß, was das bedeutet.)
„Lass mal ein Quick Check-in machen.“ (Also ein Meeting. Schon wieder.)
Alles ist Growth. Alles ist Scaling. Alles ist Business-Boosting.
Du schickst eine Mail? – „Massive Impact.“
Du hast eine Excel-Tabelle geöffnet? – „Next Level Move.“
Du atmest? – „Gamechanger.“
Social-Media-Hölle: Die Prediger des Banalen
Willkommen im Club der verlogenen Selbstoptimierer, wo 20-jährige Business-Coaches „Lebenstipps“ geben, während sie in Mamas Keller hausen. Wo alles „inspirierend“ ist, jede Story ein „Deep Dive in dein Potential“ und jede Kackbotschaft ein „Lifehack“.
Dazu das tägliche LinkedIn-Kotzen:
📢 „Glaub an dich und du kannst ALLES erreichen!“
(Hat noch nie jemandem geholfen.)
📢 „Mein Weg war nicht leicht, aber jetzt bin ich CEO!“
(Fake GmbH mit null Umsatz.)
📢 „Ich hab’ 2 Jahre umsonst gearbeitet, um jetzt reich zu sein!“
(Kompletter Scam.)
Immer mehr Bullshit, immer weniger Realität.
Das große Canceln – oder doch nicht?
Und wehe, einer macht mal nicht mit. Canceled!
Aber Moment – wenn’s nützt, dann doch wieder Rebranding!
Motto: „Ich hab mich reflektiert, sorry für meinen Old-School-Mindset.“
Drei Wochen später: „Haters gonna hate, ich bin einfach authentisch.“
Hashtag: #JustBeYourself, aber natürlich nur mit Filter.
Was bleibt?
Eine Gesellschaft voller Fake CEOs, Coaching-Gurus, Reality-Dumpfbacken und LinkedIn-Jesusse, die sich gegenseitig zu immer absurderen Phrasensalven hochjazzen. Hauptsache, es klingt wichtig.
Und jetzt?
Tief durchatmen.
Mails ignorieren.
Meetings verweigern.
Reality-TV abschalten.
Aber ganz ehrlich: Wir wissen beide, dass du morgen wieder scrollst.
Genau wegen so einem Sprech habe ich LinkedGedöns und Co. irgendwann fluchtartig verlassen. Ich kann es nicht mehr hören/lesen. Wer bei uns im Büro so spricht, wird mit Kaffeemaschine reinigen nicht unter drei Monaten bestraft.
🙂
Herrlich! Gut, dass ich sowas sonst nicht mitkriege 🙂
Zu einer Reaktion auf Facebook: Das große Enabling des geistigen Leerlaufs
Manchmal fragt man sich ja noch, was die alle da reden. Diese Business-Typen, die LinkedIn-Thought-Leader, die Reality-Sternchen, die Politiker, die sich über den Bildungsnotstand echauffieren, aber lieber in Flipchart-Poesie als in Klartext denken.
Aber dann merkt man: Da ist gar nichts.
Wirklich nichts.
Nicht mal dünne Semantik-Sauce. Nur leerer Raum.
Und weil dieser luftleere Raum nicht einfach stillstehen darf – das wäre ja zu auffällig –, wird er mit Buzzword-Geblubber befüllt, aufgeblasen, aufgepumpt, bis er die perfekte, glänzende Seifenblase des vollkommenen Blödsinns ist. Business-Sprech, LinkedIn-Predigten, Reality-Geschwätz – alles dasselbe.
„Wir müssen sie enablen!“
Und dann hört man diese Soziologin im Deutschlandfunk.
Thema: Bildung. Jugend. Zukunft.
Erwartbar: Große Worte, keine Lösungen.
Aber dann kommt dieser eine Satz.
„Wir müssen sie enablen.“
Und ich kann nicht mehr.
Weil sich in diesem einen Wort die ganze Krankheit unserer Zeit bündelt.
Weil es nicht nur ein Modebegriff ist, sondern ein intellektuelles Armutszeugnis.
Weil es nicht mal mehr darum geht, Dinge schlauer zu verpacken, sondern nur noch darum, den völligen Stillstand zuzukleistern.
Die Königsdisziplin: Phrasendreschen auf höchstem Niveau
Und weil der Mensch ein Herdentier ist, das sich für wahnsinnig innovativ hält, wenn es dasselbe sagt wie alle anderen, geht das Ganze dann so weiter:
📍 Schule:
„Die Schülerinnen brauchen mehr Self-Empowerment.“* (Nein, sie brauchen Lehrer, die Bock haben.)
„Let’s redefine Learning Outcomes.“ (Warum nicht einfach mal lernen?)
📍 Business:
„Lass uns die Synergien heben.“ (Keiner weiß, was das bedeutet.)
„Hier sehe ich einen klaren Need für Upskilling.“ (Heißt: Ihr seid zu doof, aber ich sage es netter.)
„Wir brauchen eine disruptive, agile Roadmap.“ (Also: Keiner hat einen Plan, aber wir tun so.)
📍 Reality-TV & Social Media:
„Ich will einfach jemanden, der mich challenged, aber trotzdem mein Safe Space ist.“ (Aha.)
„Unsere Love-Story ist ein wilder Ride – aber vielleicht bist du mein Endgame.“ (Alles klar.)
„Ich bin so ready für den nächsten Step in meiner Journey.“ (Geh doch einfach zur Arbeit.)
Der perfekte Kreislauf der Inhaltsleere
Jeder, der nichts zu sagen hat, muss besonders viel und besonders fancy reden.
Jeder, der nicht weiß, was er tut, braucht eine Roadmap.
Jeder, der sich nicht sicher ist, ob er was kann, muss sein Mindset challengen.
Und alle klatschen sich gegenseitig auf die Schultern, liken sich in ihren endlosen Bullshit-Bingo-Kommentaren und versichern sich, dass sie die Welt transformieren.
In Wahrheit passiert: nichts.
Was bleibt?
Die große Frage ist ja: Warum lachen wir eigentlich nicht ununterbrochen?
Warum haben wir nicht längst ein Bullshit-Bingo-Tourette, wenn wir durch LinkedIn scrollen oder einem Management-Typen zuhören, der in seinem karierten Sakko von „Leadership Excellence“ faselt?
Warum reicht uns das nicht längst, um in pure Verzweiflung oder wahnsinniges Gelächter zu kippen?
Vermutlich, weil wir uns dran gewöhnt haben. Weil wir es nicht mehr merken.
Aber vielleicht sollten wir es wieder merken.
Vielleicht sollten wir nicht nur den Wahnsinn benennen, sondern ihn auch offen auslachen.
Vielleicht sollten wir die nächste „Enabling“-Konferenz einfach mit Buh-Rufen crashen.
Aber wahrscheinlich wird’s einfach nur weitergehen.
Das große Enabling der Inhaltsleere.
Weil keiner sich traut zu sagen:
„Halt doch einfach mal die Klappe.“