Massenentlassungen und Rekordgewinne – Nehmen Deutschlands Konzerne noch ihre soziale Verantwortung ernst?

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Februar deutlich um 42.000. Und doch wollen Konzerne wie BMW und Henkel über 8.000 beziehungsweise 3.000 Stellen streichen. Wie passt das zusammen? Auch wenn jetzt der Verlust von insgesamt etwa 20.000 Arbeitsplätzen im Raum stehe, relativiere sich diese Zahl, wenn man sie in einen größeren Zusammenhang stelle, erklärte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) http://www.rwi-essen.de gegenüber dem Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. Allein 2007 seien in Deutschland im Jahresdurchschnitt knapp 600.000 Jobs entstanden.

IW-Direktor http://www.iw-koeln.de Michael Hüther äußerte gegenüber der Bild-Zeitung Verständnis für die Entlassungen bei mehreren Dax-Konzernen. Deutsche Produkte würden wegen des starken Euro auf dem Weltmarkt immer teurer: „Deshalb stehen exportabhängige Firmen wie BMW oder Henkel unter Kostendruck. Sie müssen jetzt sparen, um nicht später sanieren zu müssen.“ Für nicht ganz stichhaltig hält der Düsseldorfer Wirtschaftsexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de diese Argumentation: „Rund 98 Prozent aller deutschen Exporteure sind Mittelständler. Viele davon sind auch auf den Weltmärkten extrem erfolgreich und erweisen sich als die eigentlichen Profiteure der Globalisierung. In ihren jeweiligen Nischen besitzen sie teilweise überragende Marktpositionen. Es ist also etwas zu eng gedacht, wenn man wieder einmal den ‚bösen Weltmarkt’ für Massenentlassungen bei deutschen Konzernen verantwortlich macht. Es sollte eher gefragt werden, ob diesen Kündigungswellen nicht auch eventuell schwerwiegende Managementfehler zugrunde liegen.“

Dass bei den Konzernen zeitgleich Massenentlassungen und Rekordgewinne vermeldet werden, trifft auf scharfe Kritik bei Deutschlands wichtigstem Mittelstandsverband. BVMW-Präsident http://www.bvmw.de Mario Ohoven sagte gegenüber dem Online-Dienst der WAZ http://www.derwesten.de: „Im Gegensatz zu vielen Konzernen, bei denen offenbar nur der Börsenkurs zählt, nehmen Millionen Mittelständler ihre soziale Verantwortung ernst. Sie schaffen Arbeitsplätze.“

Regelungswut der EU-Kommission in der Kritik – Gesamtkonzept für mehr Wirtschaftswachstum fehlt

Als „oberflächlich“ und „am Kern des Problems vorbei“ hat der CDU-Europaabgeordnete Werner Langen http://www.europarl.europa.eu/members/expert/committees/view.do?language=DE&id=1928 die Aussage bezeichnet, die sinkende Zustimmung der Bürger zu den EU-Institutionen gehe auf einen allgemeinen Vertrauensverlust in Institutionen und Banken nach der internationalen Finanzkrise zurück. Diese Schlussfolgerung des EU-Vertreters in Deutschland werde der repräsentativen Befragung des 68. Eurobarometers vom Herbst 2007 „nicht gerecht“. Gerade die EU-Kommission mit ihrem häufig „blinden Aktionismus“ und einer „ungebremsten Regelungswut“ müsse sich fragen lassen, wo ihre eigene Verantwortung für die wachsende Skepsis liege, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Subsidiarität sei ein ungeliebtes Stiefkind der EU-Kommission. Wer wie die EU-Kommission ständig den europäischen Binnenmarkt „vorschiebe“, um neue Regelungsvorschläge zu allem und jedem zu machen, brauche sich nicht zu wundern, wenn dieser Aktionismus zu Vertrauensverlust führe. Dort allerdings, wo ein klarer Handlungsbedarf bestehe, etwa bei der Transparenz und Kontrolle der internationalen Finanzmärkte, stelle sich die EU-Kommission „taub“ bzw. spiele der zuständige EU-Kommissar den „toten Mann“.

Langen bemängelt insbesondere die fehlende Koordinierung und Kohärenz der Vorschläge der EU-Kommission. Es fehle nach wie vor „die ordnende Hand“, die den Ressortegoismus der 27 Kommissare bremse und zu einem Gesamtkonzept für Wohlstand, Stabilität, Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit führe. EU-Kommissionspräsident Barroso bemühe sich zwar redlich und verstärkt, die positiven Ergebnisse ließen aber weiter auf sich warten oder kämen nur allmählich „ans Tageslicht“. Langen nannte als jüngste Beispiele für die „ungebremste Regelungswut“ die Bodenschutzrichtlinie, die vorläufig im Rat gescheitert sei, die Gleichstellungsrichtlinie, die weiter verschärft werden soll, die jüngsten Vorschläge für die Kennzeichnung von Automobilverkäufen, die EU-Vorschläge für jeweils 10-jährige europaweite Volkszählungen und die damit verbundene Abfrage sensibler Daten, die Pflanzenschutzgesetzgebung sowie die Umsetzung von Vogelschutz- und FFH-Richtlinien. Der seit langem propagierte „Bürokratieabbau“ stecke noch in den Anfängen und werde durch neue Vorschläge ständig konterkariert. „Weniger wäre mehr“, betonte Langen. „Etwas mehr Selbstkritik und Selbstbeschränkung der EU-Kommission, aber auch Handlungsbereitschaft dort, wo sie nötig sei, wie etwa am Finanzmarkt, sei der bessere Weg zu mehr Vertrauen der EU-Bürger, insbesondere in Deutschland.“

Der Osteuropa- und Emerging Markets-Experte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de verlangte unterdessen von der Europäischen Union, das Verhältnis zu Russland konstruktiver zu gestalten: „Die neue Regierung in Polen ist ja erkennbar darum bemüht, das Verhältnis zu den beiden großen Nachbarn Deutschland und Russland zu entkrampfen. Die Chancen für ein neues EU-Russland-Abkommen haben sich dadurch deutlich verbessert. Wir im Westen neigen manchmal zu etwas ungerechten Urteilen über Moskau und übersehen, welchen Stabilisierungserfolg Putin in den vergangenen Jahren errungen hat. Ein gutes EU-Russland-Verhältnis ist wichtig für die politische Stabilität auf dem Kontinent und die ökonomische Prosperität.“

Weltmacht China nur ein Scheinriese?

Chinas und Indiens Wirtschaft lehrte in den letzten Jahren nicht nur die Deutschen das Fürchten. Die Konkurrenz aus Asien erschien übermächtig. Doch neue Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) http://www.imf.org beziffern den Anteil der beiden Volkswirtschaften deutlich geringer als bisher angenommen. „Diese Daten könnten noch zum Problem werden“, sagt der Düsseldorfer Emerging Markets-Fachmann Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Die Auguren gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den USA verschlechtern wird. Alle Anzeichen deuten darauf hin. Bisher hatte man darauf gesetzt, dass die so genannten Schwellenländer – und dabei natürlich insbesondere China und Indien – diesen Negativtrend zumindest teilweise kompensieren würde. Jetzt hat es aber den Anschein, dass andere Schellenländer wie Brasilien und Russland, aber auch Japan und die Ölexporteure, hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft bisher zu schlecht einschätzt wurden.“

Nach den neuen IWF-Schätzungen hat der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft im Jahr 2007 nicht 15,8 Prozent, sondern „nur“ 10,9 Prozent betragen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Der Anteil Indiens wurde von 6,4 auf 4,6 Prozent zurückgenommen, derjenige der amerikanischen Wirtschaft hingegen von 19,3 auf 21,4 Prozent hochgesetzt. Insofern ist fraglich, ob der Abschwung in Amerika spurlos an den Märkten in Europa und Asien vorbeigehen wird. „China ist zwar von dem IWF nicht als Scheinriese Tur Tur aus den Romanen Michael Emdes entlarvt worden, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Doch die Überbewertung Chinas sollte all denen eine Lehre sein, die in den vergangenen Jahren nur noch Blicke für dieses Riesenreich hatten und dabei anscheinend nicht richtig hingesehen haben“, so Peisert.

Unternehmen wollen in Osteuropa wachsen – Asien nur an zweiter Stelle bei Auslandsmärkten

Nicht Asien, sondern Osteuropa entzündet die Fantasie der deutschen Unternehmer. Zumindest verschieben sie den Fokus ihrer internationalen Expansion immer stärker in diese Region. „Dort erwarten sie einen kräftigen Schub für ihr eigenes Geschäft“, schreibt das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. Für den aktuellen Business-Monitor der Wirtschaftszeitung befragte das Psephos-Institut http://www.psephos.de 409 Top-Manager aus deutschen Unternehmen zu ihren Strategien für die kommenden zwölf Monate. Schwerpunkt des Wachstums bleibe zwar Deutschland, denn am Heimatmarkt erwarten 66 Prozent der Befragten in diesem Jahr ein stärkeres Unternehmenswachstum. Doch diese Zahl sei im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr konstant geblieben. Bei den Auslandsmärkten dominiere hingegen Osteuropa deutlich, schreibt das Handelsblatt.

In Asien planen nur 31 Prozent der Befragten eine stärkere Expansion, in den USA sind es zwölf Prozent. „Der aktuelle Foreign Direct Investment Index 2007 des Beratungsunternehmens A. T. Kearny, der auf einer Befragung von Vorständen der weltweit 1.000 größten Firmen beruht, zeigt ein anderes Bild“, sagt der Osteuropaexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Nach dieser Studie rücken Länder wie Tschechien, Rumänien oder Ungarn zunehmend aus dem Fokus internationaler Investoren. Selbst Russland verliert nach dieser Erhebung etwas an Boden. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass in Osteuropa weiterhin ein ungeheures Potenzial liegt, das noch längst nicht abgeschöpft wurde. Gerade für mittelständische Unternehmen bieten sich hier noch vielfältige Möglichkeiten. Und die Staaten der ehemaligen Sowjetunion darf man auch nicht außer acht lassen. Ich warne Investoren davor, nur nach China zu schauen, denn dort wachsen die Bäume auch nicht in der Himmel.“

Mindest- und Maxilöhne festlegen?

Kommen nach den Mindestlöhnen für vermeintlich „einfache“ Jobs jetzt auch die gesetzlich festgelegten Maxi-Löhne für Manager? Nach eigenen Worten „prüft“ der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, welche gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, um die Managerbezüge zu deckeln. Neben der Höhe der Bezüge, selbst bei offensichtlichem Versagen der Führungskräfte, kritisierte Beck auch die mangelnde Transparenz der jetzigen Regelungen.

Im Gegensatz zu dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten bezeichnete Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) diese Pläne als „völligen Unsinn“. Er rief aber die Wirtschaft dazu auf, „überhöhte Vergütungen selbst zu unterbinden“, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net. Gegenüber der Welt am Sonntag (WamS) http://www.welt.de sagte Schäuble, man könne aber über Transparenzregeln, mit denen Aktiengesellschaften vorgeschrieben würde, die tatsächlichen Bezüge ihrer Manager offenzulegen, nachdenken.

„In dieser Frage nimmt die FDP die eindeutig vernünftigste Regelung ein“, sagt der Düsseldorfer Finanzexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. „Es ist nicht Aufgabe des Staates, Mindest- oder Maxilöhne festzulegen. Denken wir an die handstreichartig vorgenommene Diätenerhöhung der Politiker zurück. Jede Kritik daran wurde als Neiddebatte abgetan. Einige Politiker aus der Provinz verglichen sich sogar mit Fußballstars, die man ja auch ordentlich alimentiere. Beck und Co. springen aus wahlkampftechnischen Gründen hier nur auf einen populistischen Zug auf.”

Helmut, Boris und die Saunafreundschaften: Was Deutsche über Russen denken

Das deutsch-russische Verhältnis war immer ein ganz besonderes. Helmut Kohl und Boris Jelzin verband eine Art „Saunafreundschaft“, und Wladimir Putin und Gerhard Schröder gaben sich nach außen hin auch immer als ein Herz und eine Seele. Doch wie sieht es hinter der offiziellen Fassade aus? Das Russlandbild der Deutschen ist stark geprägt von Vorurteilen, behauptet eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa http://www.forsa.de, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Demnach gelten die Russen bei den Deutschen vor allem als trinkfest (90 Prozent), gastfreundlich (88 Prozent) und tapfer (78 Prozent). Russland selbst werde vor allem als „weites Land“ mit „sozialer Ungleichheit“ und einem hohen Machtbewusstsein gesehen, so die Berliner Morgenpost http://www.morgenpost.de über die Studienergebnisse. Die Studie wurde anlässlich der Ausstellung „Unsere Russen – Unsere Deutschen. Bilder vom Anderen. 1800 bis 2000“ erstellt, die im Schloss Charlottenburg eröffnet wurde. „Die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Realität ändert sich oft schneller als langlebige Klischees“, sagt Russlandkenner Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de. Es sei bedauerlich, dass auch über die ökonomische Situation in der ehemaligen Weltmacht so wenig und oft so einseitig berichtet würde.

Wirtschaftschancen in Osteuropa

Der Emerging Markets-Experte Jörg Peisert hat ein Faible für Osteuropa. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagte Jörg Peisert: „Russland profitiert von massiven Restrukturierungen der Wirtschaft.Laut Peisert spricht für den russischen Markt, dass es sich um das rohstoffreichste Land der Erde handelt. Besonders interessant seien die Ölindustrie und Versorgungsunternehmen: „Die besonderen Chancen dieser Branchen liegen in der Internationalisierung ihrer Absatzmärkte, die sie zunehmend vom russischen Wirtschaftssystem unabhängig macht. Speziell die Öllieferanten profitieren von steigenden Ölpreisen. Aber auch sinkende Preise wirken sich kaum auf die Wirtschaftlichkeit der Rohstoffunternehmen aus.“ Doch auch die Telekommunikationsbranche sei sehr interessant, betonte der Emerging-Markets-Experte gegenüber der FAZ.  Im Gegensatz zu Osteuropa war Lateinamerika lange Zeit das Sorgenkind unter den Schwellenländern. Nach Argentinien geriet unter anderem Brasilien schwer unter Druck. Dazu sagte Jörg Peisert gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD) , verglichen mit der Krise in Asien oder auch der Krise in Russland könne man eindeutig feststellen: „Die Schwellenländer sind erwachsen geworden. Nicht nur in Hinblick auf deren wirtschaftliche und politische Situation, sondern vor allem auch in der Wahrnehmung der Investoren. Es werden nicht mehr alle Schwellenländer über einen Kamm geschoren. Stattdessen haben sich deutlich Emerging Markets erster und zweiter Klasse herauskristallisiert. Zur ersten Klasse zählen Osteuropa und Südostasien. Lateinamerika hingegen ist zweit- oder momentan sogar drittklassig.“ Bei den wirtschaftlichen Rahmendaten spielten Osteuropa und auch Südostasien einfach in einer anderen Liga. „Vergleicht man etwa Kriterien wie das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt, die Inflationsrate oder die Verschuldung der Regionen, dann ist der Abschwung Lateinamerikas fundamental gerechtfertigt. Wobei man natürlich auch die psychologische Komponente, das Anlegervertrauen, nicht außer Acht lassen darf. Hier spielen politische Faktoren eine große Rolle.“ Der Emerging Markets-Experte macht sich vor Ort ein Bild der Situation in den einzelnen Ländern. Nach einer Reise nach Argentinien sagte Jörg Peisert gegenüber Finanzen.Net: „Die Leute auf der Straße ergeben sich ihrem Schicksal. Sie sind darüber frustriert, dass sie keine Chancen haben, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Denn es gibt in Argentinien keine breite Mittelschicht wie etwa in Deutschland, sondern eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich.“   „Das Wirtschaftswachstum zeigt, wie stark die kleinen und flexiblen Volkswirtschaften von der EU-Aufnahme profitieren. Zudem sind die oft noch stärker als die Aktienkurse gestiegenen Unternehmensgewinne zu bedenken“, sagte Jörg Peisert zu Business-Travel. Das schlage sich auch an der Börse nieder: So sei der Baltix-Index seit Anfang 2000 um sagenhafte 469 Prozent gestiegen. Und im Gegensatz zu vielen alten EU-Staaten sei die Stimmung in den baltischen Ländern gut. Es werde konsumiert, überall gebaut und investiert. Besonders der Außenhandel floriere. „Allein in Lettland haben mittlerweile hunderte Unternehmen aus der Bundesrepublik investiert“, so Peisert, der schon seit Jahren auf die Emerging Markets setzt. Und Lettland gehöre außerdem zu denjenigen Ländern, deren politische Stabilität Anlegern keine grauen Haare beschere.  Doch alles in allem blieb Russland doch der Favorit für Jörg Peisert, der gegenüber Welt-Online erklärte, dass die Situation im restlichen Osteuropa eher verhalten sei: „Hier ist die Entwicklung bei weitem nicht so spannend wie in Russland.“ Wichtigster Grund: Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn sind schlicht und ergreifend weiter als Russland. Was sich vor allem in der Weise bemerkbar macht, dass sich die Aktienkurse im Durchschnitt zumindest in der Nähe ihres fairen Werts bewegen. Der Trend gehe klar nach Osten. „Dabei stehen die baltischen Staaten ganz vorne in der Tabelle der Wachstumssieger“, wurde Jörg Peisert vom E-Commerce-Magazin zitiert. Der Standort Baltikum biete geringe Arbeitskosten und Sozialabgaben – und vor allem hochqualifiziertes und motiviertes Personal. Allein in Lettland haben mittlerweile hunderte Unternehmen aus der Bundesrepublik investiert. „Die Konjunktur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa boomt, aus einst maroden Plansoll-Ökonomien haben sich boomende Volkswirtschaften entwickelt“, so Peisert.

Russland wichtiger Partner – Gleichgewicht der Interessen beachten

Die Zeiten ändern sich. Auch in der 

Außenpolitik. Als Gerhard Schröder noch Kanzler war, waren die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika miserabel. Dafür pflegte der vom ,,Autokanzler“ zum ,,Energie-Lobbyisten“ mutierte Schröder ein besonders herzliches Verhältnis zu Russland. Auch gegenüber China vermied er peinlich kritische Töne. Bei Angela Merkel ist alles anders: Mit US-Präsident George Bush plaudert sie entspannt auf dessen Ranch, während im Verhältnis zu China und Russland eine neue Eiszeit herrscht.  Franz Sommerfeld, Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers http://www.ksta.de missfällt ,,Merkels neuer Ton in der Außenpolitik“. ,,Niemand erwartet von Merkel, dass sie mit Wladimir Putin saunt – wie weiland Helmut Kohl mit Boris Jelzin“, so Sommerfeld salopp. Doch sie müsse sich schon darum kümmern, dass die Beziehungen zu Frankreich, Russland und China wieder besser werden. Außenpolitik werde nicht an der Entschlossenheit des Auftritts gemessen, so Sommerfeld in Anspielung auf Merkels medienwirksames Zusammentreffen mit dem Dalai Lama. Eine Reideologisierung würde Deutschland als Gesprächs- und Handelspartner isolieren. Schon schicke sich Frankreich an, in China an die Stelle Deutschlands zu treten.  ,,Insbesondere im Verhältnis zu Russland müssen wir außer den Menschenrechten, die sicher wichtig und unveräußerlich sind, auch die vitalen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands berücksichtigen“, betont der Osteuropaexperte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de, der bereits vor Jahren im Gespräch mit der Welt am Sonntag http://www.joerg-peisert.de/welt_am_sonntag_.html oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung http://www.joerg-peisert.de/frankfurter_allgemeine_zeitung_.html auf die Chancen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion hingewiesen hat. ,,Die Außenpolitik von Merkel und Steinmeier muss immer wieder die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen politischen, wirtschaftlichen, macht- und energiepolitischen Interessen stellen, ohne dabei die Menschenrechte aus dem Blick zu verlieren.“

Russland: Macht auf tönernen Füssen

Momentan wird wieder viel von der neuen Stärke Russlands gesprochen. Das Riesenreich agiere wie zu alten Zeiten – sprich zu Zeiten vor Gorbatschow und Jelzin. Doch steht die neue Macht nicht auf tönernen Füßen? Zumindest der demografische Wandel liefert Hinweise darauf, dass sich der weltpolitische Geltungsanspruch nicht lange aufrechterhalten lassen wird. Offiziell leben noch rund 142 Millionen Menschen in Russland. Allerdings sterben pro Jahr 2,3 Millionen Bürger, während nur 1,4 Millionen kleine Russen geboren werden. Russlands Bevölkerung, so die Süddeutsche Zeitung (SZ) http://www.sueddeutsche.de, nehme in einem Tempo ab, das ihresgleichen suche. Seit 1996 sei die Einwohnerschaft des Landes um sechs Millionen geschrumpft – eine Zahl, die der Bevölkerung von ganz Hessen entspreche.  Im Jahr 2050 werden laut Prognosen nur noch 108 Millionen Menschen in Russland leben. ,,Ein so großes Territorium kann man mit so einer Bevölkerung nicht halten. Das bedeutet das Auseinanderfallen des Staates“, sagt Sergej Mironow, der Vorsitzende des Föderationsrates. Ob regionale Aktionen wie ,,Gebär einen Patrioten“ – Russen haben an einem Tag frei, nicht um Einkaufen zu gehen, sondern um ein Kind zu zeugen – helfen werden, ist fraglich. Das wahre Problem, schreibt SZ-Redakteur Daniel Brössler, sei die niedrige Lebenserwartung. Dass ein russisches Mann im Durchschnitt nur 56 bis 58 Jahre alt wird, dafür sorgen Alkoholismus, Tabakkonsum und falsche Ernährung.  Der Düsseldorfer Osteuropa-Experte Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de, der schon seit einigen Jahren die wirtschaftliche Entwicklung der Region beobachtet und kommentiert (so im Gespräch mit der Welt am Sonntag im Jahr 2002 http://www.joerg-peisert.de/welt_am_sonntag_.html), konstatiert, dass sich die Ökonomie in diesem Land seit der Jahrtausendwende positiv entwickelt: ,, Die Wirtschaft dürfte auch im nächsten Jahr weiter wachsen, so wie dies 2007 mit etwa sieben Prozent schon geschehen ist. Allerdings muss Putin nicht nur seine aktuellen Hausaufgaben machen, die zum Beispiel darin bestehen, die Investitionen ausländischer Unternehmen weiter zu erleichtern und rechtlich abzusichern. Wenn jetzt nichts gegen die sich abzeichnende demografische Krise getan wird, werden die bisher erzielten wirtschaftlichen Erfolge jedoch schnell Schnee von gestern sein.“

Estland hat bessere Wachstumszahlen als China

Vielleicht schielt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hin und wieder mit Neid auf Estlands Wirtschaftsdaten. Der Blick nach Norden dürfte dem kühlen Hanseaten an sich nicht schwer fallen. Die Staatsverschuldung in dem nur mit 1,4 Millionen Einwohnern bevölkerten Land von der Größe Niedersachsens ist atemberaubend niedrig. „Der baltische Musterknabe bietet in der Tat genug Anschauungsmaterial für hiesige Finanzpolitiker. Denn die Steuersätze in Estland sind äußerst niedrig. Trotzdem hat der Staat auf der Einnahmeseite kein Problem, da durch das transparente und unbürokratische System die Steuerehrlichkeit steigt“, sagt der Emerging Markets-Spezialist Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de, der sich bereits seit geraumer Zeit mit den Märkten in Ost- und Nordeuropa beschäftigt und dazu gegenüber Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.joerg-peisert.de/frankfurter_allgemeine_zeitung_.html und Welt am Sonntag http://www.joerg-peisert.de/welt_am_sonntag_.html immer wieder Stellung bezogen hat.Estland könne mit Wachstumszahlen aufwarten, so Siegfried Thielbeer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net, „die nicht nur im Vergleich zu den baltischen und nordischen Nachbarn einsame Spitze sind, sondern sogar die Chinas übertreffen“. Im jüngsten Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder des Weltwirtschaftsforums http://www.weforum.org belege Estland den 25. Platz. Inzwischen seien der Handel mit Russland und die von dort kommenden Investitionen nur noch von marginaler Bedeutung. Haupthandelspartner seien die EU-Staaten und hier vor allem die nordischen Staaten Finnland und Schweden. Auch die Bundesrepublik sei ein wichtiger Handelspartner. „Um das Land weiter auf dem ökonomischen Erfolgspfad zu halten, muss die Regierung in Tallinn nun alles tun, um die Gefahr einer Überhitzung zu bannen“, so Peisert. Weitere Informationen: von-wegen-polnische-wirtschaft-mittel-und-osteuropaeer-bei-unternehmerischer-initiative-ganz-vorn.pdf  http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Verbraucher;art131,2270146  http://www.laenderkontakte.de/news/15/estlands-euro-bleibt-erst-einmal-nur-ein-entwurf.html  http://www.finanzen.net/fonds/fonds_berichte_detail.asp?pkBerichtNr=66714  http://www.business-travel.de/news/17349  http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E3C9A6CA0D6174AFFB8735AE293DBC4C8~ATpl~Ecommon~Scontent.html