
Im Interview mit dem Deutschlandfunk spricht Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), über die ambitiösen Ziele und Herausforderungen seiner Agentur, fünf Jahre nach dem Gründungsakt. Dabei wird deutlich: Die Rolle des Staates in Innovationsprozessen ist weit mehr als nur eine bürokratische Randnotiz. Aber was kann der Staat tatsächlich für Innovationen leisten, und wie passt das zu Schumpeters Theorie der schöpferischen Zerstörung?
Laguna zeigt sich überzeugt, dass bahnbrechende Innovationen nicht einfach aus der Luft fallen. Stattdessen müssen sie gezielt gefördert werden – auch durch staatliche Institutionen. Dabei setzt SPRIND auf Projekte mit hohem Risiko, wie die Lasertechnologie von Marvel Fusion, die bis 2035 CO2-freie Energie liefern soll. Hier offenbart sich ein entscheidender Unterschied zu Schumpeters klassischem Verständnis von Innovation: Während Schumpeter den Unternehmer als treibende Kraft ansieht, der durch radikale Innovationen alte Strukturen zerstört, sieht Laguna den Staat als notwendigen Unterstützer dieser Prozesse. Ohne staatliche Förderung, argumentiert er, könnten viele dieser potenziellen „Sprunginnovationen“ niemals das Licht der Welt erblicken.
Diese Position widerspricht direkt Schumpeters These, dass der Staat nur einen Rahmen bieten solle, in dem Unternehmer ungehindert agieren können. Doch in der Realität zeigen Beispiele wie das Sprind-Freiheitsgesetz, das der Agentur mehr Flexibilität in der Projektfinanzierung gewährt, dass der Staat durchaus eine aktive Rolle in der Förderung von Innovationen spielt – wenn auch oft langsamer und weniger radikal als der Markt selbst.
Und hier liegt das Dilemma: Während Schumpeter den Unternehmergeist als unersetzlich für Fortschritt betrachtet, zeigt die Praxis der vergangenen Jahrzehnte, dass staatliche Initiativen oft zu spät kommen oder sich in Bürokratie verlieren. Laguna selbst kritisiert die zu große Einflussnahme der Ministerien auf die Entscheidungen von SPRIND und fordert mehr Planungssicherheit. Es bleibt die Frage, ob der Staat tatsächlich in der Lage ist, radikale Innovationen zu fördern, oder ob er sich letztlich nur als Bremsklotz erweist.
Eins ist sicher: Ohne charismatische Führungspersönlichkeiten wie dem „Postminister“ Heinrich von Stephan, der im 19. Jahrhundert das moderne Kommunikationswesen in Deutschland begründete, bleibt der Staat ein träge agierender Akteur. Vielleicht ist Laguna de la Vera einer der wenigen, die das Potenzial haben, den Staat aus dieser Trägheit zu befreien und neue Wege zu beschreiten. Schumpeter hätte das wohl mit Argwohn betrachtet – aber auch mit einer gewissen Bewunderung für den Mut, den es braucht, um sich gegen die Macht des Marktes zu stellen.