
Ein Gipfel der Künstlichen Intelligenz, Paris, großes Wort, große Bühne. Und dann steht er da, Olaf Scholz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, leicht verspätet, aber pünktlich genug, um nicht als No-Show zu gelten. Man hätte ihn auch per Deepfake einspielen können, der Unterschied wäre marginal gewesen. Scholz spricht. Er erzählt von Autos, von seiner Jugend, von der Faszination für Mechanik. Dann schweigt er wieder. Der Saal schweigt mit. Die KI schweigt auch. Selbst Sundar Pichai (Google), Sam Altman (Open AI), Joseph Tsai (Alibaba) oder Arthur Mensch (Mistral AI) – alle warten, aber es kommt nichts. Europa, das große Fragezeichen.
Und dann der andere, J. D. Vance, US-Vizepräsident, Trump-Lehrling, mit La-Fayette-Schwert in der Hand und neoliberaler Kreuzzugsrhetorik im Gepäck. „Wir brauchen internationale Regulierungssysteme, die Kreativität fördern“, sagt er. Was er meint: keine Regulierung. Ein bisschen amerikanischer Chaos-Kapitalismus als Exportschlager. Marktmacht als gottgegebene Ordnung. Ein Wettbewerb ohne Wettbewerb. Und Europa? Lächelt höflich im Dunkeln.
Scholz, der dann auch wirklich früh geht. Scholz, der sich nicht einmischt. Scholz, der dem französischen Gastgeber nicht einmal ein paar warme Worte über das deutsch-französische Verhältnis schenkt. Scholz, der in Paris ankommt wie ein Gast, der nicht eingeladen wurde, sondern aus Versehen im Festsaal des Elysée-Palastes gelandet ist und hofft, dass es niemand merkt.
Deutschland, die Schlafmütze der digitalen Transformation. Vance, der seinen muskulösen Amerika-über-alles-Kapitalismus grinsend unter die Leute bringt, und Scholz, der mit bürokratischer Präzision analysiert, aber sich nicht traut, irgendetwas zu tun. Wir schauen zu, während sich die digitalen Oligarchen mit regulatorischer Flankendeckung aus Washington weiter ihre Welt zusammenbauen. Und Scholz? Er hat viele Bücher gelesen. Und weiß jetzt über KI genauso viel wie damals über Autos.
Es gibt ihn nicht mehr, den fairen Wettbewerb, nur noch den Wettbewerb um Marktmacht. Europa könnte dagegenhalten, müsste es sogar. Ordnungspolitik, die kein ängstliches Rückzugsgefecht ist, sondern wirtschaftliche Gestaltung. Ludwig Erhard statt Verwaltungssprech. Aber Scholz bleibt Scholz, die Deutschen bleiben abwesend, während die Tech-Oligarchen ihre eigenen Spielregeln schreiben. Wer sich hier nicht wehrt, wird verwaltet.
Innovation in Europa? Geht gerade schlafen.