
Ein Gespräch mit Markus Herkersdorf: Partnerschaft mit der KI – Zukunft des Lernens und Arbeitens.
Es war der dritte Messetag, und neben der Keynote Stage, wo gerade die letzten Worte einer großen Rede verhallten, fand sich Markus Herkersdorf zum Gespräch ein. Er ist ein Mann, der Ruhe und Bedacht ausstrahlt, zugleich aber eine klare Vision von dem hat, was kommen wird. „Wir stehen nicht am Anfang einer Entwicklung, wir sind mittendrin“, sagt er gleich zu Beginn. Und was genau das bedeutet, sollte sich im Laufe unseres Gesprächs auf spannende Weise entfalten.
Herkersdorf, der Dipl.-Ing. für Luft- und Raumfahrttechnik und Mitgründer der TriCAT GmbH, spricht mit Bedacht über die Rolle, die Künstliche Intelligenz (KI) in unseren Arbeits- und Lernwelten spielt – nicht als Werkzeug, sondern als Partner. „Viele reden immer noch von Tools, aber was wir sehen, ist eine echte Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine,“ erklärt er mit fester Überzeugung. Für ihn ist die KI längst mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Sie sei „ein Assistent, der mich in Sphären schießt, in die ich ohne sie nie hätte vordringen können.“
Besonders in der Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung sieht er die KI als entscheidenden Faktor. „Wir öffnen eine Welt der Möglichkeiten, wenn wir KI mit virtuellen Welten und digitalen Zwillingen kombinieren,“ sagt er, während im Hintergrund die Keynote-Vorträge ausklingen. Herkersdorf spricht von einem neuen „Möglichkeitenraum“, den es zu erkunden gilt. Der Begriff „Partner“ trifft es hier genau: „Ein KI-Body, der über Weltwissen verfügt, empathisch reagieren kann, und mich seit Jahren begleitet – das ist keine Science-Fiction, sondern eine Frage der Zeit.“
Das Thema Vertrauen kommt ins Spiel, und Herkersdorf erkennt die menschliche Skepsis gegenüber Maschinen an. „Viele fragen sich, ob man einer Maschine vertrauen kann. Aber vertrauen wir nicht auch Menschen, obwohl sie uns manchmal enttäuschen?“ Mit dieser rhetorischen Frage macht er deutlich, dass Vertrauen in eine Partnerschaft, auch mit der KI, wachsen muss. „Eine Partnerschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich darauf verlassen kann, unterstützt zu werden – vielleicht auch mal kritisch hinterfragt zu werden.“
In unserem Gespräch erwähnte ich, dass die Abwehrhaltung gegenüber der KI oft aus „elitären Zirkeln“ komme, speziell aus Bereichen wie dem Verlagswesen oder der Musik. Herkersdorf stimmte zu und sagte: „Es gibt ein institutionales Abwehrmoment, weil man festgefahrene Strukturen nicht gerne aufbricht.“ Doch er sieht hierin keine unüberwindbare Hürde, sondern eine Herausforderung, der man sich stellen muss: „All das wird passieren, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist, ob es mit oder ohne uns passiert.“
Die wirklich spannenden Perspektiven eröffnen sich, als Herkersdorf auf die neuen Möglichkeiten der KI im kreativen Bereich zu sprechen kommt. „Ich habe mich viel mit der Geschichte meines Heimatortes Bonn-Duisdorf beschäftigt und die KI hat mir geholfen, daraus einen Karnevalssong zu machen. Sie hat meinen Text ins Kölsche umgeschrieben und sogar den Refrain entwickelt.“ In diesem Moment wird klar, dass es hier nicht mehr nur um trockene Arbeitsprozesse geht, sondern um etwas viel Tieferes: die Fusion von Kreativität und Technologie. Herkersdorf ergänzt: „Ich bin der Urheber, auch wenn ich keine Noten lesen kann – die KI hat mir geholfen, etwas zu erschaffen, das ich allein nicht hätte erreichen können.“
Die Frage nach der Zukunft der Arbeit bleibt im Raum. Herkersdorf zitiert Sven Gábor Jánszky aus der Keynote: „70% der Tätigkeiten sind automatisierbar.“ Für viele mag das nach einer düsteren Prognose klingen, aber Herkersdorf sieht es anders: „Es geht nicht darum, dass 70% der Menschen ihre Jobs verlieren, sondern darum, wie wir diese 70% neu definieren.“ Die KI übernimmt Routineaufgaben, was uns die Freiheit gibt, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: Kreativität, soziale Interaktion und Problemlösungen, die Maschinen nicht leisten können. „Wir müssen uns fragen: Was machen wir mit der Zeit, die uns durch die Automatisierung bleibt?“
Was besonders deutlich wurde, ist seine Sicht auf die Chancen für Menschen, die sich vielleicht abgehängt fühlen. „Es fallen Hürden weg“, erklärt er, „auch für Leute ohne formale Bildung. Das klassische Wissenserwerben auf Vorrat wird nicht mehr das entscheidende Kriterium sein.“ Jeder, der eine Leidenschaft hat, kann diese mit Hilfe der KI entfalten – unabhängig von Schulabschlüssen oder klassischen Karrierewegen. „Wenn ich eine Leidenschaft für Musik habe, brauche ich keine Noten lesen zu können. Mit KI kann ich trotzdem einen Song erschaffen.“
Zum Schluss betont Herkersdorf, dass die größte Herausforderung für die Unternehmen darin besteht, sich auf diese neue Realität einzustellen. „HR muss sich neu erfinden. Es geht nicht nur um die Verwaltung von Menschen, sondern um die Gestaltung von Zukunft – zusammen mit der KI.“ Er schließt mit einem deutlichen Aufruf: „Es ist eine riesige Chance, die wir ergreifen müssen.“
Das Gespräch endet mit einem Handschlag und dem Gefühl, dass wir an der Schwelle zu etwas Großem stehen. Die KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug – sie ist der Partner, der uns in eine neue Ära des Arbeitens und Lernens führen wird. Doch ob wir diese Chance nutzen, liegt an uns.