Die Backweb-Invasion und das Kontrollfieber der Vorstände: Ein Possenspiel der Unternehmenskommunikation

Man stelle sich die Szenerie vor: o.tel.o in den späten 90ern. Der Vorstand glaubte, das eigene Intranet sei nicht mehr als ein Verstärker für wohldosierte, gefilterte Botschaften, die die „Provinz“ an die Hand nehmen und über die „offizielle“ Wahrheit aufklären sollten. So weit, so gut. Dann kam „Backweb“ und mit ihm eine digitale Demokratieoffensive, die die geordneten Reihen der Kommunikationsbüros ins Chaos stürzte. Ein kleines Tool, das jedem Mitarbeiter erlaubte, seinen ganz persönlichen Nachrichtenfluss zu gestalten – Presseberichte, Betriebsratsinfos, ja, sogar die schlüpfrigen Verkaufsgerüchte über das Unternehmen selbst. Ein wahrer Dammbruch in einer Welt, die nur darauf vorbereitet war, die Wahrheit tröpfchenweise zu steuern.

Doch der Vorstand, blind wie ein Maulwurf in der Mittagssonne, hatte nie wirklich verstanden, was „Backweb“ da entfesselte. Fast die gesamte Führungsetage aktivierte das System nie; es blieb in ihren Augen eine Spielerei, ein modernes Spielzeug für die Büroangestellten, das man selbst getrost ignorieren konnte. Kommunikation im Blindflug: Man hielt sich für die oberste Kontrollinstanz und verpasste dabei, wie das eigene Machtinstrument zur Plattform einer kleinen Rebellion wurde.

Und dann: Frankfurt, Deutsche Bank, Arbeitskreis Unternehmenskommunikation. Die versammelte Elite der Kommunikationsspezialisten sitzt angespannt in den Sesseln, als ich „Backweb“ präsentiere. Was sich abspielte, war ein Drama in drei Akten: Empörung, Panik und Verteidigungsgeheul. In den Mienen einiger Anwesender spiegelte sich der blanke Terror – ein Hauch von Anarchie lag in der Luft. Ein Vertreter der Deutschen Bank, offenbar in heller Aufregung, pochte auf sein „Informationsmonopol“. Die Vorstellung, dass Mitarbeiter Informationen ohne Filter und Firlefanz, direkt und unzensiert zugespielt bekämen, glich für ihn einem gesellschaftlichen Umsturz.

Es ist fast schon tragikomisch, wie tief die Angst vor einem Kontrollverlust reichte. Rolf Breuer, der damalige Chef der Deutschen Bank, ließ sich in der Mitarbeitermagazin grinsend mit einem Taktstock abbilden. Die Überschrift? „Breuer gibt den Takt an.“ Ein Bild wie ein Manifest der veralteten Unternehmenskultur, die in ihrem Kontrollwahn weder den Sinn noch die Chancen neuer Technologien erkannte. „Backweb“ hätte ein kleiner Schritt in Richtung Offenheit und Transparenz sein können. Stattdessen wurde es zur Kampfansage, zur digitalen Bedrohung für ein System, das nur eines kannte: Den Finger fest auf dem Schalter der Informationszufuhr zu halten.

Und heute? Die modernen Tools sind fein verpackt und vollmundig mit „Demokratisierung“ und „Autonomie“ beworben, doch in den Vorstandsetagen herrscht dieselbe Angst wie damals. Die alten Reflexe sterben nicht. Die Frage bleibt: Was könnte die Mitarbeiter wohl verunsichern?

Witzige Story, die ich dann später für den Tagesspiegel schrieb: Hertha BSC: Trikottausch

#GreenMonday am 25. November: Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft – Die Agenda der Veränderung

Am 25. November geht der Green Monday in seine fünfte Runde – ein Ereignis, das mehr bietet als bloße Diskussion. Mit einer Agenda, die den Anspruch erhebt, nicht nur zu informieren, sondern aktiv Impulse für die Zukunft zu setzen, versammelt sich hier die Elite der nachhaltigen Innovation. Die Startup Night, von Frank Barz moderiert, schließt das Programm mit einem eindrucksvollen Finale, das junge Unternehmen in den Mittelpunkt rückt, die die Energiewende vorantreiben.

Das Programm im Überblick:

15:00 – 16:30
MASTERCLASS: Twin Transformation – Erfolgstreiber für zukunftsfähige Unternehmen
Mit Jolanda Gallas und Bernhard Steimel – Strategien, die aufzeigen, wie Unternehmen in der digitalen und nachhaltigen Transformation bestehen.

16:30 – 17:30
MASTERCLASS: Effizientes Nachhaltigkeitsmanagement mit KI
Mit Vivian Beischau von Verso – ein praxisnaher Einblick, wie Künstliche Intelligenz zur Steuerung und Optimierung nachhaltiger Prozesse eingesetzt werden kann.

17:30 – 18:00
Offizieller CHECK-IN für das Hauptprogramm

18:00 – 18:20
SPEED DATING – Vernetzungsmöglichkeit mit Jolanda Gallas und Gunnar Sohn

18:20 – 19:00
BEST PRACTICE SESSION: Erfolgreiche Nachhaltigkeitsstrategien
Mit Maria Blume von Getränke Hoffmann und Christian Kleinert, Geschäftsführer von JT Energy Systems – praxisnahe Einblicke in umsetzbare Nachhaltigkeitsstrategien.

19:00 – 19:30
ROUNDTABLE: „GreenTech Cluster Dresden“
Mit Mandy Schipke (Energy Saxony & CEO Novum Engineering), Martin Hermenau (VP Product Innovation, Heliatek GmbH), und Ingo Senftleben (GICON-Gruppe)* – Diskussion über die Rolle Dresdens in der GreenTech-Entwicklung.

19:30 – 20:00
NETWORKING Pause mit Interviews im Foyer
Gunnar Sohn im Gespräch mit Dr. Daniela Pufky-Heinrich, Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, Abteilungsleiterin Technologieökonomik und -management. Thema: Nachhaltige-Technologie-Entwicklung.

20:00 – 21:00
STARTUP NIGHT: „TechBoost für die Energiewende“
Moderiert von Frank Barz, TechBoost – fünf führende GreenTech Startups, darunter enerthing, Sustayn, eClever, I3DEnergy und Greenflash, präsentieren ihre Visionen zur Energiewende und konkurrieren um die Gunst des Publikums.

Der Green Monday zeigt damit eindrücklich, was es bedeutet, Innovation und Nachhaltigkeit ernst zu nehmen – mit einer Agenda, die nicht nur den Worten folgt, sondern zur Tat aufruft.

Hier geht es zur Anmeldung, wenn man direkt in Dresden dabei sein möchte.

Hier kann man remote teilnehmen via Zoom.

@marc_saxer: Zwischen Drahtseilakt und Machtpoker: Europas wankender Kurs im globalen Kraftzentrum Indo-Pazifik

Marc Saxers jüngster Artikel „Das Powerhouse“ liest sich wie ein Fieberthermometer der weltpolitischen Spannungen im Indo-Pazifik. Saxer beschreibt das Gebiet als „ein geopolitisches Kraftzentrum, das sowohl Freundschaft als auch Feindseligkeit anzieht, ein Magnet für Allianzen und Konflikte.“ Diese Großregion, betont er, sei heute nichts weniger als das globale Gravitationszentrum – ein Szenario, das in den westlichen Hauptstädten Europas längst nicht voll begriffen sei. Saxer warnt, dass Europa das Machtvakuum im Indo-Pazifik falsch einschätze: „Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges ist schlagartig klar geworden, wie sehr Europas eigenes Gewicht geschwunden ist.“ Europa, so Saxer, müsse sich darauf konzentrieren, seine Kräfte für die Sicherung und Stabilisierung des eigenen Kontinents zu bündeln.

Als wir uns vor der Europakonferenz zum Gespräch trafen, sprach Saxer bereits darüber, dass der Ukraine-Krieg in einen größeren, globalen Machtkampf eingebettet sei. „Dieser Krieg ist letztlich Teil eines globalen Ringens um Vorherrschaft, das weit über Europas Grenzen hinausreicht,“ erklärte er und zog eine scharfe Linie zwischen dem, was Europas politische Eliten bisher als Krise betrachteten, und der eigentlichen tektonischen Verschiebung in Richtung einer multipolaren Weltordnung. Ein Rückzug auf den Kontinent wäre eine Sackgasse: „Wir können uns nicht in eine Festung zurückziehen, wenn das Spiel längst über unsere Landesgrenzen hinaus entschieden wird,“ sagte er und fügte hinzu, dass Europa stattdessen Wege finden müsse, um sich im asiatischen Machtspiel zu positionieren.

Saxer malt das Bild eines asiatischen Kontinents, der aus der Zeit der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges gewachsen ist. Die Region, die er als „Laboratorium der geopolitischen Antagonismen“ beschreibt, wird durch das Verhältnis der „Großen Vier“ – USA, Russland, China und Indien – geformt. Der Kalte Krieg, so beschreibt er, hinterließ tiefe Narben, die heute wieder aufbrechen: „China sieht sich eingekreist und kontert mit der Belt and Road-Initiative.“ Diese neue Seidenstraße sei für Peking, das Zugang zu den globalen Märkten sucht, der „Ausweg aus der Abhängigkeit von den Engpässen der Straße von Malakka.“ Eine Flucht nach Westen, die Europa als wichtiges Ziel sieht – und eine Herausforderung, der sich die Europäer nicht entziehen könnten, selbst wenn sie wollten.

In seinem Artikel bringt Saxer deutlich zum Ausdruck, wie China im Osten des Indo-Pazifik durch das Südchinesische Meer vorstößt und „die amerikanischen Inselketten durchbrechen“ will, während die USA mit ihrem Bündnissystem von Australien bis Japan „die Bewegungsfreiheit der chinesischen Flotte einschränken.“ Doch anders als im Kalten Krieg, wo klare Allianzen bestanden, sei das neue Spiel mit Verschiebungen und Entkopplungen komplizierter und auch gefährlicher. Die meisten Staaten, die im Gewebe der Region eingebettet sind, scheuen klare Parteinahme und versuchen, wie Saxer formuliert, „eine Balance aus sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und ideologischen Interessen zu halten – ein Tanz auf dem Drahtseil.“

Der geopolitische und ökonomische Wettbewerb werde in dieser Region in vollem Umfang entfaltet, schreibt Saxer: „Die Frage, wie lange die Swing States diese Balance noch halten können, beschäftigt die Hauptstädte der Region.“ Ein direkter Konflikt zwischen den Großmächten – etwa ein Krieg zwischen den USA und China um Taiwan – könnte die Region über Nacht zum Brandherd machen. Das hätte, so Saxer, „schlagartig und nachhaltig katastrophale Auswirkungen auf die globalen Lieferketten.“ Diese Kriegsgefahr, ergänzt er, erhöhe den Druck auf die kleineren Staaten, sich langfristig zu einer Seite zu bekennen. Im Interview war ihm anzumerken, dass er Europa in einer schwerwiegenden Lage sieht. „Im Fall eines Konflikts würde auch Europa kaum neutral bleiben können,“ warnte er.

Doch die Brisanz endet für Saxer nicht auf dem Schlachtfeld, sondern verlagert sich zunehmend auf das Feld der Wirtschaft und Technologie. Mit der „Small Yard, High Fence“-Strategie der USA und dem Plan zur technologischen Autarkie Chinas verschärfe sich der Konkurrenzkampf auf wirtschaftlichem Boden. „Diese technologische Bifurkation könnte bald auch den Finanzsektor und andere Industrien ergreifen,“ prophezeit Saxer und schildert, wie europäische Unternehmen in Zukunft gezwungen sein könnten, sich für einen Markt zu entscheiden. Diesem Szenario zu entkommen, wird Europa kaum möglich sein, wenn es weiter in seiner isolierten Haltung verbleibt.

Saxer bleibt dennoch pragmatisch: Er sieht eine Rolle für Europa als „stabilisierende Kraft“, die im Indo-Pazifik dringend benötigt werde. Ein Europa, das im Konzert der Mächte „den USA nicht als reiner Erfüllungsgehilfe dient, sondern als eigenständiger Partner agiert und das multilaterale Spielfeld mitgestaltet, wäre im asiatischen Machtzentrum willkommen.“ Doch Saxer mahnt eindringlich, dass eine Partnerschaft auf Augenhöhe mehr sei als bloße Worte. Europa müsse seine moralisierenden Töne beenden und sich mit dem Fundament seiner eigenen diplomatischen Traditionen besinnen: „Die Prinzipien von Souveränität, Nichteinmischung und territorialer Integrität haben einst in Europa ihren Ursprung genommen – daran sollte sich Europa wieder erinnern.“

Mit dieser klaren Analyse endet Saxers Artikel, doch die Frage, die bleibt, ist brisant: Wird Europa die Zeit finden, sich den Anforderungen einer multipolaren Weltordnung anzupassen? Saxer, wie auch in unserem Interview, hinterließ dabei keinen Zweifel: „Die Zeit der komfortablen Passivität ist vorbei.“

Am Scheideweg der Macht: Ein Interview mit Marc Saxer über Europas Strategie im Schatten des Indo-Pazifik

In unserem Interview im vergangenen Jahr skizzierte Marc Saxer bereits die Umrisse dessen, was sich heute als klare geopolitische Verschiebung abzeichnet. „Dieser Krieg in Europa“, erklärte Saxer, „ist eingebettet in eine globale Umwälzung der Machtverhältnisse.“ Für Saxer stellt die Ukraine-Krise nur eine Episode dar in einem viel größeren Konflikt zwischen den USA und China – ein Machtkampf, dessen Schauplatz zunehmend der Indo-Pazifik wird. Diese Entwicklung sieht er als tiefgreifende „Zeitenwende“ für Europa, die „strategische Vorstellungskraft“ erfordere, um nicht zurückgelassen zu werden​.

In Bezug auf die strategische Lage Europas warnte Saxer, dass das Exportmodell Deutschlands – jahrzehntelang die Säule der deutschen Wirtschaft – angesichts der zunehmenden Entkopplungsbewegungen unter Druck geraten werde. „Die deutsche Industrie hat an technologischer Weltspitze verloren,“ meinte er und beschrieb den Indo-Pazifik als das neue Zentrum, wo sich die wirtschaftlichen und technologischen Kräfte bündeln. Gleichzeitig sehe er die Herausforderung, dass sich Europa hier strategisch neu orientieren müsse, da eine einseitige Bindung an die USA die Handlungsoptionen beschränken könnte​.

Saxer sprach auch über die Risiken eines Krieges um Taiwan, der das Potenzial habe, globale Lieferketten schlagartig zu zerstören. „Eine Eskalation im Indo-Pazifik wäre für Europa kein entferntes Problem,“ betonte er, sondern könnte Europa zwingen, sich stärker in eine der Machtblöcke zu integrieren. Im aktuellen Artikel geht er auf diese Sorge weiter ein und beschreibt, wie die wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen in der Region Europa vor die Entscheidung stellen könnten, „Freund oder Feind“ zu wählen.

Seine Perspektive aus Bangkok heraus lässt Saxer auch die Rolle Asiens differenziert sehen: Er warnte davor, Asien als „monolithischen Block“ zu betrachten, und hob die komplexen wirtschaftlichen Interessen hervor, die China, Indien und kleinere Länder wie Vietnam oder Malaysia dazu zwingen, eigene Interessen strategisch zu balancieren. Diesen politischen Tanz auf dem „geopolitischen Drahtseil“ betrachtet Saxer als das Hauptmerkmal einer multipolaren Weltordnung, in der alte Freundschaften und Feindschaften zunehmend an Bedeutung verlieren​.

Zum Abschluss unseres Gesprächs riet Saxer der Bundesregierung dringend, ihre Industriepolitik so auszurichten, dass sie flexibel auf die globalen Machtverschiebungen reagieren kann. „Europa muss lernen, eine eigenständige Stimme zu entwickeln – und das wird schmerzhaft.“ Ein starker, pragmatischer Ansatz, so meint er, sei notwendig, um die europäischen Interessen in der Region zu sichern und die Abhängigkeit von einem dominanten Verbündeten zu vermeiden.

Siehe auch:

Europas ökonomische Sicherheit: Mehr als nur eine Frage der Verteidigung

Siehe auch die Videos auf der Europa-Konferenz auf Facebook.

Sohn@Sohn #DeepFake – Die digitale Täuschung in der Entstehung erkennen: Ein Aufruf zur Investition

In einer Ära, in der digitale Manipulationen wie Deepfakes das Vertrauen in Medien und Informationen bedrohen, gehen wir bei Sohn@Sohn einen entscheidenden Schritt weiter: Unser Ziel ist nicht nur, bereits existierende Deepfakes zu erkennen, sondern Täuschungen bereits in der Entstehung zu entlarven. Wir setzen auf eine neue Form der Krisenfrüherkennung, inspiriert durch das Cassandra-Projekt von Professor Jürgen Wertheimer, das gesellschaftliche Spannungen und Bedrohungen durch literarische Analyse voraussagte.

Unser Ansatz geht über die traditionellen Methoden der digitalen Sicherheit hinaus und sucht nach „Muster[n], die auf manipulative Absichten hinweisen.“ Statt ausschließlich technische Merkmale zu analysieren, erfassen wir „Kontextinformationen, Trends und Narrative in digitalen Inhalten“, um Bedrohungen durch Deepfake-Techniken rechtzeitig zu antizipieren​(Deep Fake Früherkennun…). Constantin Sohn entwickelt dafür eine Plattform, die maschinelles Lernen und fortschrittliche Datenanalyse nutzt, um ein adaptives System zu schaffen, das sich an neue Manipulationstechniken anpasst.

Unser Konzept umfasst:

  1. Früherkennung und Prävention: Anstatt nur reaktiv auf Deepfakes zu reagieren, setzen wir auf die kontinuierliche Analyse digitaler Trends und Narrative. So wollen wir potenzielle Bedrohungen erkennen, bevor sie sich entfalten. Wir arbeiten daran, „eine umfassende Datenbank mit [Trendanalysen]“ zu schaffen, die Bedrohungen identifiziert, bevor sie uns erreichen​(Deep Fake Früherkennun…).
  2. Skalierbare Technologie für breiten Einsatz: Ob für Social-Media-Plattformen, Nachrichtenportale oder Unternehmensinfrastrukturen – unsere Lösung passt sich flexibel an verschiedene Anforderungen an. Damit bieten wir eine Lösung für alle, von Einzelpersonen bis zu multinationalen Organisationen.
  3. Adaptive Plattform mit lernender KI: Mit Natural Language Processing (NLP) und Computer Vision kann das System in Echtzeit massive Datenmengen analysieren und feinste Veränderungen in Text-, Audio- und Videoformaten erkennen. Durch kontinuierliches Lernen bleibt die Plattform neuen Manipulationstechniken immer einen Schritt voraus.

Aber das ist nur der Anfang. Wir haben das Ziel, die Öffentlichkeit frühzeitig über Deepfake-Attacken zu informieren und einen kritischen Diskurs auszulösen. Einzelne Bilder oder Videos als Fake zu entlarven reicht nicht; entscheidend ist der kollaborative Effekt. Sohn@Sohn setzen hier auf Crowd-Effekte, um eine kollektive digitale Mauer gegen Täuschungen aufzubauen. Unser Ansatz legt die Grundlage für eine informierte und widerstandsfähige Öffentlichkeit, die digitale Bedrohungen frühzeitig erkennt und gemeinsam darauf reagiert.

Constantin und ich, Gunnar Sohn, stehen als Team hinter dieser Vision. Wir suchen nach Investoren wie dir, die das Potenzial in einer proaktiven Sicherung der digitalen Kommunikation erkennen. Unser Ziel ist es, diese Idee in die Realität umzusetzen – ein System, das Täuschung schon an der Quelle aufdeckt.

Der Weg in eine sichere digitale Zukunft braucht neue Lösungen, die präventiv und adaptiv handeln. Klingt das spannend? Dann melde dich bei uns. Wir suchen noch Investoren – und Partner für eine digitale Welt, die wir gemeinsam sicherer machen können. Kontakt via: gunnareriksohn@gmail.com oder constantin.sohn@gmail.com

Siehe auch:

Projekt Cassandra: Literatur als Frühwarnsystem

@christianbaye13 Wege aus der Krise: Warum Deutschland jetzt Innovation, Wohnungsbau und echte Arbeitsanreize braucht #Wirtschaft #ZukunftPersonal

In einem Blogbeitrag analysiert Professor Christian Bayer von der Universität Bonn die strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaftspolitik und den dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit dem demografischen Wandel. Er beschreibt die Situation als Ergebnis eines „drastischen Rückgangs des Produktivitätswachstums,“ das sich seit den 1990er Jahren „mehr als halbiert“ hat. Die rot-grünen Arbeitsmarktreformen und die erhöhte Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer sowie von Frauen und Migranten hätten diesen Rückgang vorübergehend kaschiert. Doch nun seien „alle diese Reserven zunehmend erschöpft.“

Bayer spricht von der „rollenden Rentenwelle,“ die das Land ohne eine durchdachte Strategie zu überrollen drohe. Die fehlende Langfristplanung in Bezug auf die Arbeitskräfteentwicklung gefährde, so Bayer, die Stabilität der Wirtschaft: „Es sind bislang wenig Maßnahmen in Sicht, die den damit verbundenen Rückgang der Zahl der Arbeitskräfte und damit auch der wirtschaftlichen Aktivität bremsen.“ Die Gefahr, dass Deutschland in ein verlorenes Jahrzehnt abrutscht, wie es schon einige südeuropäische Länder erlebt haben, sei real. Im Interview, das ich auf der Fachmesse Zukunft Personal mit Professor Karlheinz Schwuchow führte, erläuterte er die Zunahme dieses „Leidensdrucks“ auf allen Ebenen. „Die Krise muss erst kommen, bevor sich etwas bewegt,“ so Schwuchow, der darauf hinweist, dass der Arbeitskräftemangel viele Unternehmen bereits zwingt, die vorhandenen Qualifikationen und Potenziale besser zu nutzen. Es werde oft darüber gesprochen, „ältere Beschäftigte nach Hause zu schicken,“ anstatt deren Erfahrung strategisch einzusetzen – eine verfehlte Haltung, die dem zunehmenden Fachkräftemangel nicht gerecht wird.

Ein weiteres brisantes Thema in Bayers Beitrag ist das Deutschlandticket. Er beschreibt es als einen teuren Ansatz ohne große Wirkung: „Das statistische Bundesamt hat gezeigt, dass das Deutschlandticket keine nennenswerten Änderungen der Verkehrsmittelnutzung mit sich gebracht hat.“ Stattdessen koste es die Bundesländer jährlich 1,5 Milliarden Euro, die seiner Meinung nach besser für die Schaffung von 20.000 zusätzlichen Lehrerstellen verwendet werden könnten: „Dies wäre keine schlechte Idee,“ so Bayer, und deutet an, dass Investitionen in Bildung angesichts der demografischen Entwicklungen weitaus tragfähiger wären.

Schließlich fordert Bayer eine Kurskorrektur in der Flächennutzungspolitik. Die stark regulierte Bereitstellung von Bauland führe zu explodierenden Miet- und Grundstückspreisen und habe eine Vergrößerung der Vermögensungleichheit zur Folge. „Mieten wie Grundstückspreise sind explodiert,“ schreibt Bayer und kritisiert die negativen Auswirkungen auf Mobilität und Arbeitsmarkt, die durch diese Preissteigerungen entstehen. Ein flexibleres Bauplanungsrecht, das die „starre Bebauungspläne“ aufbricht, wäre eine notwendige Maßnahme, um der sozialen und wirtschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken.

Bayer plädiert insgesamt für eine Wirtschaftsstrategie, die nicht bloß kurzfristige Maßnahmen ergreift, sondern zukunftsgerichtete Strukturen schafft. Die aktuelle Wirtschaftspolitik müsse sich, so Bayer, nicht an Symptomen orientieren, sondern an den Wurzeln der Probleme ansetzen, bevor Deutschland in die ökonomische Bedeutungslosigkeit abgleitet.

Die Unendlichkeit des Augenblicks – Warum das wahre Gespräch unsere letzte Rettung ist

Kersten Knipps Buch Im Gespräch: Wie wir einander begegnen ist mehr als eine bloße Betrachtung über das Reden. Es ist eine Untersuchung über die Kunst des Verstehens – oder vielleicht treffender: über das ewige Ringen danach. Knipp versteht das Gespräch als ein Gebiet des Unberechenbaren, fast wie ein Tanz, in dem das Zögern und die Spannung entscheidend sind. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, das den Leser in jeder Zeile einlädt, die üblichen Muster der Kommunikation zu überdenken und an das Unausgesprochene heranzutreten.

Knipp führt uns zu den fundamentalsten Fragen: Was lässt ein Gespräch lebendig werden? Was lässt es erlöschen? In einem Ton, der sowohl sanft als auch kritisch ist, führt er uns durch ein Universum der Gespräche – von denen, die wir mit Geliebten führen, bis zu denen, die vor drohender Macht verstummen. Knipp beschreibt eindringlich, wie die Stille manchmal lauter als jedes Wort wird. Es ist das Kapitel zur dröhnenden Stille, in dem er den Schmerz und die Gefahr der Isolation ergründet und die Erkenntnis vermittelt, dass das wahre Gespräch immer auch eine Brücke zur Überwindung von Einsamkeit ist.

Hier zeigt sich Knipp als Meister des Nuancenhaften. Er erfasst den Geist des vertrauten Gesprächs – das Echte, das keine Fassade duldet, und das Unsichere, das sich in ständigen Umwegen entfaltet. Er analysiert die Wortlosigkeit, das Schweigen vor großer Macht, als die tiefste Form des Schweigens, in dem sich der Mensch in einem Zustand innerer Ausweglosigkeit befindet. Knipp beschreibt die Stille als eine erdrückende Präsenz und enthüllt die damit verbundenen Ängste und Machtmechanismen. Hier scheint das Buch auf eine überraschende Weise politisch zu werden.

Doch Knipp zeigt auch die Leichtigkeit der Sprache, den spielerischen Umgang mit Phrasen und Floskeln. Das Kapitel über Small Talk offenbart seinen scharfen Blick für die oft unterschätzte Kraft des „belanglosen“ Gesprächs. Small Talk ist für Knipp mehr als oberflächliches Geplänkel; er versteht ihn als eine rituelle Handlung, die trotz – oder gerade wegen – ihrer Belanglosigkeit Verbindungen schafft und manchmal unerwartet in tiefere Gespräche münden kann.

Das wohl schönste Kapitel ist jenes über das Gespräch der Verliebten. Hier gelingt es Knipp, eine Verbindung zwischen der Poesie und der Intimität des Dialogs zu schaffen. Es ist, als würde der Leser mitlauschen, mitfühlen, ja fast mitsprechen. Knipp beschreibt diese Dialoge als Momente, in denen die Schwerkraft der Realität für einen kurzen Augenblick aufgehoben scheint – als könnten Worte eine eigene Welt schaffen, in der es keine Schranken gibt.

Im Gespräch ist ein kluges, unaufdringliches Buch, das nicht laut wird und sich auch nicht aufdrängt. Es ist ein Plädoyer für die Kunst des Dialogs, aber auch eine stille Warnung vor seiner Zerbrechlichkeit. Am Ende bleibt man mit dem Gedanken zurück, dass das Gespräch wohl die zarteste, aber auch die mächtigste Form des Menschseins ist. Es ist ein Werk, das dazu einlädt, wieder auf die Stille zu hören und zu lernen, das Wesentliche zwischen den Zeilen zu entdecken. Kersten Knipp hat hier ein Buch geschrieben, das mehr ist als ein Essay – es ist ein leises, aber beharrliches Manifest für die Kraft der Begegnung.

Am 15. November machen wir um 19 Uhr in Bonn ein Autorengespräch mit Kersten . Übertragen auf Facebook und Co. – also auf meinen Accounts auf YouTube, LinkedIn, Twitch und eben Facebook. Ihr könnt natürlich auch in der Bibliothek vorbeischauen.

Die glorreichen Sieben: Wenn wenige DAX-Giganten die KI-Zukunft Deutschlands bestimmen

In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz den Anspruch erhebt, zur treibenden Kraft unserer Wirtschaft zu avancieren, legt die Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ein vielschichtiges Bild von den Ambitionen und zugleich den Verwerfungen in den DAX-40-Unternehmen offen.

Professor Julian Kawohl und Maximilian Otte zeichnen ein klar strukturiertes, fast schon schablonenhaftes Szenario: von 263 identifizierten KI-Lösungen konzentrieren sich zwei Drittel auf sieben große Unternehmen. Eine Erkenntnis, die ebenso ernüchternd wie provokant ist.

Denn woher kommt sie, diese so extreme Konzentration der „glorreichen Sieben“? BMW, Continental, Telekom und SAP – diese Namen könnten in einer modernen Geschichte des Wirtschaftswachstums und der Innovationskraft kaum fehlen. Sie versammeln um sich ein Arsenal an KI-Lösungen, das in den Bereichen Work und Mobility in beeindruckender Dichte vorliegt. Doch in dieser Stärke liegt zugleich die Bruchstelle unserer digitalen Wirtschaft: Ein Großteil der Branchen wie Chemie, Finanzen und Immobilien hinken weit hinterher – als seien sie mit bleiernen Füßen in der Vergangenheit verankert, während die Schrittmacher der Mobilitätsbranche und die omnipräsente Telekommunikation schon in einer Zukunft leben, in der Prozesse durch Computer Vision und digitale Diagnose optimiert werden. Was zeigt uns das?

Die Ecosystem Strategy Map (ESM), die Kawohl und Otte verwenden, bietet einen Rahmen, doch bleibt die Diagnose düster. Nicht nur die Struktur, sondern auch die Rollen der KI-Lösungen erscheinen einseitig: 63 Prozent als Enabler im B2B-Bereich, nur ein kleiner Teil als Realizer oder gar als Orchestrator. Hier wird sichtbar, wie eng vernetzt, fast monolithisch der deutsche Unternehmensgeist denkt, wenn er sich dem Thema KI nähert – eine KI, die häufig eher auf Effizienz als auf innovative Transformation ausgerichtet ist.

Betrachtet man die Visualisierungen aus der Studie, lässt sich kaum verhehlen, dass viele Unternehmen Künstliche Intelligenz nach wie vor als rein funktionales Werkzeug betrachten. 25 Prozent aller KI-Lösungen basieren auf Computer Vision – eine Technologie, die zweifellos optimiert, aber eben auch nur verbessert, was ohnehin existiert. Die Empfehlungen der Studienautoren klingen in dieser Hinsicht wie eine Mahnung: Ohne einen umfassenden, branchenspezifisch durchdachten KI-Ansatz wird das Versprechen der Zukunft schlicht verfehlt. Doch was braucht es, damit die Langsameren aufholen?

Maximilian Otte und Julian Kawohl sprechen dies implizit an, ohne jedoch die finale Konsequenz zu formulieren: Der deutsche Innovationsmotor läuft, aber er stottert. Die monopolartige Ballung von KI-Kompetenz in einigen wenigen Unternehmen signalisiert eine Spaltung, die die Studie nüchtern als wirtschaftliche Realität festhält. Es wird Zeit, dass sich die Branche die Frage stellt, ob sie weiterhin in Silos denken will – oder ob sie die ungenutzten Lebensbereiche, die Bereiche der Spiritualität, des Sozialen und der Freizeit, mit einer Künstlichen Intelligenz anreichert, die mehr kann, als bloß den Status quo zu verwalten.

In der Konsequenz sind die Ergebnisse dieser HTW-Studie ein Weckruf. Sie dokumentieren, wie schmal der Grat zwischen Fortschritt und Rückstand geworden ist – und wie viel in diesem Land noch zu tun bleibt, um KI nicht nur als Werkzeug, sondern als Motor einer neuen, vielfältigen und demokratischeren Innovationskultur zu etablieren.

Einheitlicher Grundsteuerhebesatz: Bonn spart sich die soziale Gerechtigkeit

Die Entscheidung, in Bonn auf die Einführung differenzierter Hebesätze für die Grundsteuer B zu verzichten und stattdessen einen einheitlichen Hebesatz zu verwenden, wirft mehrere kritische Fragen auf, die sowohl die Belastung der Steuerpflichtigen als auch die langfristigen finanziellen Risiken und die administrativen Anforderungen betreffen.

Zunächst erscheint die Argumentation der Verwaltung in Bezug auf das fiskalische Risiko und die rechtliche Unsicherheit als nachvollziehbar, vor allem angesichts der widersprüchlichen Rechtsgutachten zum Thema differenzierte Hebesätze. Die potenzielle Gefahr einer Verfassungswidrigkeit und die damit verbundene Möglichkeit von Klagen gegen differenzierte Hebesätze könnten tatsächlich eine langwierige und kostspielige Unsicherheit für die Stadt verursachen. Dies zu vermeiden, ist aus fiskalischer Perspektive ein vernünftiger Ansatz.

Allerdings ignoriert diese Entscheidung die soziale und strukturelle Komponente der Grundsteuerreform. Differenzierte Hebesätze bieten die Möglichkeit, die Steuerlast zwischen Wohn- und Nichtwohnnutzungen gerechter zu verteilen und damit besonders Wohnnutzungen gezielt zu entlasten. Ein einheitlicher Hebesatz könnte dagegen zu einer ungewollten Erhöhung der Steuerlast für Wohnimmobilien führen, was die ohnehin angespannte Wohnsituation in Bonn verschärfen könnte. Diese Problematik wird in der Vorlage lediglich am Rande erwähnt, ohne auf die möglichen sozialen Folgen einzugehen. In einer Stadt, die mit steigenden Wohnkosten zu kämpfen hat, wäre es ratsam, diese Auswirkungen stärker zu berücksichtigen und nach sozialverträglichen Alternativen zu suchen.

Die administrativen Hürden, die eine Einführung differenzierter Hebesätze mit sich bringen würde, sind ebenfalls nachvollziehbar. Dennoch ist die Frage, ob diese bürokratischen Herausforderungen nicht bewältigbar wären, um im Gegenzug die Steuerlast gerechter zu verteilen und den Wohnraum für Bonner Bürgerinnen und Bürger erschwinglicher zu halten. Der Verweis auf die bereits bestehende administrative Belastung durch die Grundsteuerreform scheint eine etwas bequeme Argumentation, um eine dringend nötige Debatte über steuerliche Gerechtigkeit zu vermeiden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Empfehlung der Verwaltung auf fiskalischer Vorsicht und administrativer Pragmatik basiert, jedoch soziale und gerechte Steuerverteilung nur unzureichend berücksichtigt. Ein umfassenderer Diskurs über die sozialen und wirtschaftlichen Langzeitfolgen dieses Beschlusses wäre hier angebracht, um langfristig eine sowohl finanziell tragbare als auch sozial gerechte Lösung zu finden.

Dissonante Gipfel-Politik und der Ruf nach Entbürokratisierung

Die Entbürokratisierung ist erneut ein zentrales Thema in der politischen Debatte. In der Bundesregierung wird die Notwendigkeit einer schlankeren, effizienteren Verwaltung lautstark gefordert, doch die „Gipfel-Politik“ – das dauerhafte Treffen von Entscheidungsträgern ohne klaren Fortschritt – wirkt eher kontraproduktiv. Während Ministerien und Verbände, allen voran der Bundesfinanzminister und Wirtschaftsvertreter, die Bürokratie als Hemmschuh für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen anprangern, wird eine konkrete, kohärente Strategie oft von symbolischen Debatten und widersprüchlichen Beschlüssen überschattet. Der Ruf nach Vereinfachung ist allgegenwärtig, doch wie lange schon diskutieren wir über das „Wie“ ohne nachhaltige Fortschritte? Um den Ursprung und die Tragweite dieser Problematik zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Erkenntnisse führender Denker der 1970er Jahre sowie auf die gegenwärtigen Vorschläge des verstorbenen Verwaltungswissenschaftlers Gottfried Richenhagen.

Historische Perspektiven auf Bürokratie: Luhmann und Geißler

Bereits 1978 formulierten Niklas Luhmann und Heiner Geißler grundsätzliche Kritik an der Bürokratie, die seither kaum an Relevanz verloren hat. Für Geißler war das zentrale Problem weniger die bloße Existenz der Bürokratie, sondern ihre Praxis, die sich in restriktiven Hierarchien und Kontrollmechanismen ausdrückt. „Das eigentliche Problem der Bürokratisierung ist nicht die Existenz der Bürokratie, sondern ihre Praxis,“ fasste er pointiert zusammen. Die starre Struktur, die dabei entsteht, hindert das System daran, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren und erzeugt eine Distanz zu den Bedürfnissen der Bürger. Kontrolle und Misstrauen bestimmen das Handeln, was Geißler als Zeichen eines fehlenden Vertrauens in die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger betrachtete.

Niklas Luhmann ergänzte diese Analyse mit seiner Kritik am Wohlfahrtsstaat, der, wie er es formulierte, durch den Drang zur Inklusion eine „selbstverstärkende Tendenz“ der Bürokratisierung entwickelte. Diese Tendenz drohe „uns zu überrollen,“ da jede zusätzliche Verordnung eine Kaskade von Aufgaben und Folgeprozessen schaffe. Für Luhmann war die Lösung in punktuellen, gezielten Maßnahmen zu finden, die sich auf direkte Wirkungen beschränken. So betonte er, dass „direkte Einwirkungen vor indirekten den Vorzug verdienen“ und dass die Politik ihre Energie nicht auf symbolische Entscheidungen, sondern auf konkrete, lösungsorientierte Eingriffe lenken müsse.

Die heutige Gemengelage: Digitalisierung und Fachkräftemangel

Die Ideen und Vorschläge von Luhmann und Geißler wirken heute aktueller denn je, doch die Herausforderungen haben sich durch die digitale Transformation und den Mangel an Fachkräften weiter verschärft. Der verstorbene Professor Gottfried Richenhagen, ein Visionär des modernen Public Managements, griff diese Herausforderungen auf und skizzierte eine Doppelstruktur der Verwaltung als Lösung: Neben der klassischen Bürokratie, die nach dem Modell Max Webers auf festen Regeln und Strukturen basiert, sah er die Notwendigkeit für eine agile, flexible Verwaltung. Diese sollte in der Lage sein, schnell auf neue Entwicklungen zu reagieren und notwendige Anpassungen vorzunehmen.

Richenhagens Mahnung: Agilität als Basis der modernen Verwaltung

Richenhagen machte deutlich, dass die Corona-Pandemie die strukturellen Defizite in der öffentlichen Verwaltung gnadenlos aufgedeckt hat. Während viele Verwaltungsprozesse in die digitale Welt überführt wurden, geschah dies oft nur halbherzig und führte zu einer sogenannten „Pseudodigitalisierung.“ Bürgeranträge werden zwar digital eingereicht, landen jedoch als PDF-Dateien, die von Sachbearbeitern manuell in alte Systeme übertragen werden müssen. „Der technische Modernisierungsrückstand ist groß, und es zeichnet sich in den nächsten Jahren keine durchgreifende Veränderung ab,“ resümierte Richenhagen in einem Interview. Damit beschrieb er eine Verwaltung, die zwar digital erscheint, in Wahrheit jedoch weiter in ihren starren, analogen Strukturen verharrt.

Kompetenzen der Zukunft: Soziale und interdisziplinäre Fähigkeiten

In seiner Vision einer modernen Verwaltung forderte Richenhagen jedoch mehr als nur technologische Lösungen. Für ihn war die digitale Transformation untrennbar mit sozialen und außerfachlichen Kompetenzen verbunden. „Es sind weniger die IT-Kenntnisse als vielmehr außerfachliche Kompetenzen, die die digitale Transformation der Verwaltung vorantreiben.“ Damit hob er hervor, dass Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeiten und die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit als Grundpfeiler einer agilen Verwaltung gefördert werden müssen. Es reiche nicht, digitale Schulungen anzubieten; vielmehr müsse eine tiefgehende Kulturveränderung angestoßen werden, die eine solche Kompetenzentwicklung dauerhaft verankert.

Strategische Ausrichtung und politischer Konsens als Schlüssel zur Transformation

Richenhagen plädierte dafür, digitale Bildung und Zusammenarbeit nicht als unverbindliche, ergänzende Schulungseinheiten zu verstehen, sondern als grundlegende Bausteine einer zukunftsfähigen Verwaltung zu etablieren. Die Herausforderung liegt dabei für ihn nicht nur in der Reform von Prozessen, sondern in einem tiefgreifenden Kulturwandel. „Ohne das Bewusstsein, dass Digitalisierung und Agilität zusammengehören, bleibt jeder Fortschritt brüchig,“ lautete seine klare Warnung. Damit mahnt er eine Verständigung auf strategische Leitlinien an, die klare, konsistente Kompetenzen in der Verwaltung fördern und auf politischer Ebene verankern müssen.

Verwaltung der Zukunft als Balanceakt zwischen Stabilität und Flexibilität

Die Analysen und Forderungen von Luhmann, Geißler und Richenhagen zeigen, dass eine nachhaltige Entbürokratisierung nicht nur an der Oberfläche ansetzen darf. Sie braucht eine Verwaltung, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentriert, jedoch gleichzeitig offen und flexibel für neue Anforderungen bleibt. Der öffentliche Sektor muss nicht nur Prozesse, sondern auch seine Denkweisen transformieren, indem er eine Kultur schafft, die sowohl Stabilität als auch Flexibilität in sich vereint. Richenhagens Ideen und Ansichten wirken dabei wie ein Vermächtnis, das uns daran erinnert, dass eine moderne Verwaltung nur dann bestehen kann, wenn sie sich aktiv weiterentwickelt und das Vertrauen der Bürger stärkt.

Siehe auch mein Interview mit Hermann Simon:

„Wir brauchen ein Ministerium für Entbürokratisierung“

Für die Gipfeltreffen in Berlin – Deutschlands Stärken im Fokus: Weg vom Erbsenzählen – Hin zu Innovation

Das hat Thomas Jenewein sehr gut analysiert:

„Erbsenzählen und PowerPoint-Schlachten von Menschen in Anzügen retten uns nicht. Davon gibt es viel zu viel.“

  • Problem: Zu viel Fokus auf theoretische Analysen und Präsentationen.
  • Vision: Deutschland durch exzellente Deep-Tech-Innovation voranbringen.

Deutschlands Stärken nutzen:

Ingenieure: Entwicklung von hochwertigen Maschinen und technischen Innovationen

Informatiker: Förderung von Deep-Tech-Lösungen im digitalen Bereich

Chemiker: Hohe Standards in Forschung und Produktentwicklung

Experten-Bedarf: Betriebswirtschaftliche Kompetenz hinzufügen

„Marketing und Vertrieb sind wichtig, um diese Produkte erfolgreich zu machen.“

Schlussfolgerung – Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Technik:

„Es geht nicht darum, Business-Schulen im Stil von McKinsey zu fördern, sondern um eine stärkere Zusammenarbeit zwischen betriebswirtschaftlichen und technischen Hochschulen.“

In dieser Diskussion um Innovation und Wohlstand ausgehend von Daron Acemoglus Arbeiten und deren Rezeption durch Winfried Felser, lassen sich einige klare Akzente für die Bundesregierung herausarbeiten. Acemoglus Forschung zu den „inclusive institutions“ betont die entscheidende Rolle von Institutionen, die offen und zugänglich sind und somit den wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt befördern, indem sie Wettbewerb und kreatives Unternehmertum fördern.

Politische und wirtschaftliche Reformen könnten darauf abzielen, neue Anreize für Investitionen und Innovationsschübe zu setzen und dabei gezielt oligopolistische Strukturen zu vermeiden, die Wachstum und Wandel blockieren.

Siehe auch:

Exzellenz ohne Wirkung: Warum Deutschlands Spitzenforschung im Transfer scheitert