
Der goldene Handschlag oder Mitarbeiterbindung? Ein Gespräch mit Filiz Louise Kacmaz auf der Zukunft Personal Europe
Es gibt diese Momente, in denen die Sprache entlarvt, was wirklich zählt. „Goldener Handschlag“ – das klingt wie eine elegante Lösung für ein lästiges Problem. Doch in Wirklichkeit ist es ein schmerzhaftes Symptom einer unternehmerischen Kurzsichtigkeit, die uns immer wieder begegnet. Inmitten des geschäftigen Treibens der Zukunft Personal Europe in Köln, direkt neben der Keynote Stage, setzte ich mich mit Filiz Louise Kacmaz zusammen, um über genau diese Problematik zu sprechen: den Reflex großer Unternehmen, in schwierigen Zeiten schnell die Notbremse zu ziehen und mit Abfindungen Personal abzustoßen, um den Unternehmenswert zu sichern – bis sich zwei Jahre später herausstellt, dass man das Know-how dieser Menschen wieder braucht. Der klassische „Doof-Reflex“, wie Kacmaz es lakonisch beschreibt.
Die Ironie dabei ist kaum zu übersehen: Unternehmen, die in Panik verfallen, wenn die Konjunktur schwächelt, riskieren durch solche Maßnahmen nicht nur den Verlust von Kompetenzen, sondern auch das Vertrauen der Mitarbeitenden. Die Botschaft, die Kacmaz und ich unmissverständlich vermittelten, lautete: Es gibt einen besseren Weg – bindet die Menschen an das Unternehmen, bietet ihnen Raum zur Entfaltung, und sie werden nicht nur bleiben, sondern auch zur Stabilität und zum langfristigen Erfolg beitragen.
Kacmaz, die als Gründerin von Work Life Romance tief in der Materie der Personalentwicklung steckt, spricht aus Erfahrung. Ihre zehnjährige Beratungstätigkeit hat gezeigt, wie wichtig es ist, das Potenzial aller Mitarbeitenden – ob jung oder alt – zu nutzen. Doch dazu müssen Unternehmen erst einmal aufhören, ihre Belegschaft als bloße Kostenstelle zu betrachten. Sie müssen lernen, die verschiedenen Perspektiven wertzuschätzen und die Mitarbeitenden nicht durch „goldene Handschläge“ zu verabschieden, sondern ihnen einen Platz im Unternehmen zu bieten, an dem sie wachsen und gedeihen können.
Die Stärke des Gesprächs lag in der Erkenntnis, dass Flexibilität nicht nur ein Schlagwort sein darf, sondern aktiv gelebt werden muss. Ob es um flexible Arbeitszeitmodelle oder das viel zitierte Zusammenspiel von Jung und Alt in diversen Teams geht – es wurde schnell klar: Die Lösung liegt nicht darin, immer neue Mitarbeitende zu rekrutieren, sondern vielmehr darin, das bestehende Wissen und die Erfahrungen der langjährigen Mitarbeiter zu nutzen. Und genau hier kommt die Verbindung zwischen Mitarbeiterbindung und dem Schaffen eines offenen Raums für Weiterentwicklung ins Spiel.
Besonders eindrücklich wurde dies deutlich, als das Thema „innere Kündigung“ aufkam. Kacmaz beschrieb, wie Mitarbeitende oft gar nicht mehr wissen, was sie eigentlich wollen – sie sind im Hamsterrad des Arbeitsalltags gefangen. Ein erster Schritt zur Lösung? „Einfach mal innehalten und den Mitarbeitenden Raum geben, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu äußern.“ Dabei geht es nicht darum, pauschale Lösungen wie Homeoffice von Bali aus anzubieten, sondern gezielt auf die Lebensrealitäten der Belegschaft einzugehen. Wer Kinder hat, wird nicht plötzlich von der Südsee aus arbeiten – es braucht maßgeschneiderte, individuelle Ansätze.
Am Ende des Gesprächs bleibt die zentrale Botschaft: Mitarbeiterbindung bedeutet, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist nicht nur eine Frage der „Netten Gesten“, sondern der aktiven Gestaltung einer Arbeitsumgebung, in der sich Mitarbeitende entfalten können – unabhängig von Konjunktur und Börsenkurs.
So bleibt mir nach diesem Gespräch nur eines zu sagen: Unternehmen sollten weniger darüber nachdenken, wie sie sich von ihren Mitarbeitenden trennen können. Stattdessen müssen sie sich darauf konzentrieren, wie sie sie halten – nicht mit einem goldenen Handschlag, sondern durch echte, langfristige Wertschätzung und Entwicklung. Das ist das wahre Gold, das Unternehmen brauchen, um erfolgreich zu sein.