Mit Sicherheit unterwegs – Britta Zur und die unsichtbare Architektur der Bahn

Es gibt wenige Berufswege, die so konsequent an den Schnittstellen von Macht, Recht und Verantwortung verlaufen wie der von Britta Zur. Staatsanwältin, Polizeipräsidentin in Gelsenkirchen, Ordnungsdezernentin – und nun Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Sicherheit GmbH. Auf der Zukunft Personal Europe in Köln sprach sie im Messe-TV-Studio nicht nur über Hochrisikospiele wie Schalke gegen Dortmund, sondern auch über die Kunst, Personalmanagement in einer Branche zu betreiben, die selten im Rampenlicht steht und doch das Rückgrat der Mobilität bildet.

Sicherheit als bewegliches Geflecht

Zur beschreibt ihre Organisation gern als „Polizei der Deutschen Bahn“. 33.000 Kilometer Schienennetz, mehr als 5.500 Stationen, 120 neue Auszubildende allein in diesem Jahr – eine Dimension, die man eher mit einer mittelgroßen Stadt als mit einem Unternehmen verbindet. Sicherheit sei hier kein statisches Bollwerk, sondern ein atmendes System, das sich täglich neu erfinden müsse. Ob Anschlagsdrohung, Starkregen oder Hochrisikospiel: Bedrohungen wandern, die Sicherheitsarchitektur muss flexibel folgen.

Schule der Gelassenheit

Die wichtigste Ressource ihrer Kräfte ist nicht die Ausrüstung, sondern Haltung. Deeskalationstrainings in stillgelegten Zügen, gemeinsame Übungen mit der Bundespolizei, psychologische Nachsorge nach Einsätzen – es ist eine Schule der Gelassenheit, die Britta Zur als Kern des Berufs versteht. „Die gefährlichsten Situationen sind oft die, die unscheinbar beginnen“, sagt sie. Deshalb sei Aufmerksamkeit, nicht Härte, der entscheidende Rohstoff.

Personalmanagement als Standortfaktor

Auf der Messe sprach Zur auch über die Parallelen zwischen Sicherheit und HR-Management. Wie in der Wirtschaft insgesamt verschärft der demografische Wandel den Wettbewerb um Talente. Die Sicherheitsbranche gilt seit Jahren als schwieriger Arbeitsmarkt. DB Sicherheit begegnet dem mit Ausbildung, Weiterbildung und Arbeitgeberattraktivität. Benefits, flexible Arbeitsmodelle, vor allem aber ein klarer Sinn: „Viele kennen uns nicht, dabei sind wir unverzichtbar für die Sicherheitsarchitektur Deutschlands.“

Unsichtbare Arbeit, sichtbarer Wert

Die Einsätze von DB Sicherheit sind oft unspektakulär – und gerade deshalb unverzichtbar. Sie sichern den Alltag, noch bevor er gefährdet wird. In einer Zeit, in der Übergriffe auf uniformiertes Personal zunehmen, wird die Fürsorge nach innen zum Standortfaktor: psychosoziale Notfallversorgung, Resilienztrainings, ein Netzwerk, das auffängt.

Lektionen für die Arbeitswelt

Im Messe-TV-Studio klang eine Botschaft durch, die weit über die Bahn hinausweist: Sicherheit und Personalmanagement teilen die gleiche Logik. Sie beruhen auf Prävention, Vernetzung und dem Mut, in Menschen zu investieren. Wer glaubt, man könne auf diesem Feld sparen, irrt doppelt – ökonomisch und gesellschaftlich.

Britta Zur hat auf der Zukunft Personal Europe gezeigt, dass Sicherheit nicht nur Abwehr bedeutet, sondern Vertrauen. Und dass Personalpolitik in einer Sicherheitsbranche Vorbild sein kann – gerade weil sie das Unsichtbare sichtbar macht.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.