
Die Masterclass „Bürokratiemonster CSRD, LkSG & CO: Zähmen statt bekämpfen!“ auf der Digital X in Köln zeigte den Teilnehmern, dass die Zeit der vagen Nachhaltigkeitsversprechen vorbei ist. Nicole Dorazil von der Telekom und Klaus Wiesen von Verso führten die Zuhörer durch die komplexen Anforderungen der neuen europäischen Richtlinien und gaben klare Antworten darauf, wie Unternehmen diese Herausforderungen nicht nur bewältigen, sondern auch zu ihrem Vorteil nutzen können.
Bereits zu Beginn machte Dorazil deutlich: „Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zwingt uns, die Nachhaltigkeit nicht mehr als Add-on zu sehen, sondern als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie.“ Die neuen Berichtspflichten umfassen 1144 Datenpunkte, die erfasst und gemeldet werden müssen. Dies erfordert eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft, aber auch mit den Risiken, die externe Einflüsse wie Naturkatastrophen für das Unternehmen mit sich bringen.
Ein zentrales Thema war die Frage, was mit den gesammelten Daten passiert, die an die EU übermittelt werden. „Diese Daten werden in einer zentralen europäischen Datenbank gesammelt und sind öffentlich zugänglich“, erklärte Dorazil. „Es wird nicht darum gehen, ob jemand in Brüssel jedes einzelne Detail liest, sondern darum, dass Unternehmen sichtbar werden. Investoren, Partner und auch die Verbraucher werden diese Daten nutzen, um zu sehen, wie nachhaltig ein Unternehmen wirklich ist.“ Diese neue Transparenz übt enormen Druck auf die Unternehmen aus, wie auch ein Teilnehmer aus der IT-Branche anmerkte: „Es ist nicht nur eine Frage der Compliance, sondern auch der Reputation. Wer schlecht abschneidet, wird auf einer Liste stehen, und das kann kein Unternehmen wollen.“
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse – das Herzstück der neuen Anforderungen – wurde ebenfalls ausführlich diskutiert. „Wir müssen uns sowohl die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt als auch die Risiken, die durch externe Faktoren entstehen, genau ansehen“, betonte Wiesen. „Die Frage ist nicht, ob wir diese Analyse machen, sondern wie wir sie so effizient wie möglich gestalten.“ Dorazil fügte hinzu: „Viele Unternehmen unterschätzen, wie zeitintensiv dieser Prozess ist. Es ist ratsam, bereits 2024 damit zu beginnen, um 2025 die Berichterstattung fristgerecht abschließen zu können.“
Auch praktische Fragen zur Umsetzung standen im Raum. Ein Zuschauer wollte wissen, wie die Integration der vielen Softwaresysteme, die in Unternehmen bereits existieren, in die Berichterstattung eingebunden werden kann. Klaus Wiesen antwortete pragmatisch: „Wir liefern Software as a Service. Sie haben eine zentrale Plattform, die die relevanten Datenpunkte abbildet. Wichtig ist, dass wir die richtigen Schnittstellen schaffen und nicht zu viel Zeit damit verschwenden, Daten aus unzähligen Systemen zu verwalten, die am Ende vielleicht nur minimale Relevanz haben.“
Ein weiterer Teilnehmer fragte nach den globalen Auswirkungen der Richtlinien, insbesondere auf Unternehmen außerhalb der EU. „Wenn Sie nach Europa exportieren, werden Sie ebenfalls diesen Anforderungen unterliegen“, erklärte Wiesen. „Die CSRD ist kein regionales Phänomen, sie wird globale Auswirkungen haben.“
Am Ende der Masterclass blieb für viele Teilnehmer die Erkenntnis, dass die neuen Richtlinien zwar eine Herausforderung darstellen, aber auch eine Chance bieten. „Es geht nicht nur darum, die Anforderungen zu erfüllen“, schloss Dorazil. „Es geht darum, das eigene Unternehmen resilienter, transparenter und zukunftsfähiger zu machen. Wer diese Herausforderung annimmt, kann langfristig profitieren.“