
Das zehnjährige Jubiläum des Barcamp Bonn war keine nostalgische Rückschau, sondern ein Gegenwartsbeschleuniger mit Aussicht. Wortwörtlich: Der Tag begann im Eventraum vor der Dachterrasse, mit Blick auf das Siebengebirge – und dem vielleicht schönsten Auftaktformat, das die Konferenzwelt zu bieten hat.
Was ist ein Barcamp?
Ein Barcamp ist keine Konferenz, sondern eine Einladung: zum Mitreden, Mitdenken, Mitgestalten. Keine Panels, keine PowerPoint-Kaskaden, kein Rednerpult. Stattdessen: Der Session-Pitch am Morgen, in großer Runde. Jede und jeder darf ein Thema vorschlagen – ob Workshop, Debatte, Frage oder Experiment. Und: Jede vorgeschlagene Session findet statt. Kein Voting, kein Aussieben. Die Raumgröße richtet sich nach dem erwarteten Andrang, nicht nach Relevanzurteilen. Das ist nicht nett, das ist konsequent.

Die Stadt in der Box
Ein Highlight: Oliver Krings präsentierte im Raum Scanbot seine Livebox Bonn – Modellbau im Maßstab 1:87, allerdings ohne Eisenbahn. Statt Schienenromantik: blinkende Ampeln, leuchtende Fenster, bewegte Miniaturszenen. Eine urbane Komposition im Plexiglasformat. „Ich habe das beim Basteln gelernt“, sagte Krings – und meinte damit eine Haltung: Nicht Spezialistentum, sondern Hingabe.
Denken in Serie
Im Tagesverlauf entwickelte sich ein dichtes Programm über sämtliche Räume hinweg – benannt nach den Sponsoren. Dazu zählen cronn (Raum-Sponsor), Rheinwerk, i3kommunikation, SWB, coppeneuer, trackle, IHK Bonn/Rhein-Sieg, Stadtwerke Bonn, Kreissparkasse KölnBonn, Scanbot, der Eventspace und die Dachterrasse von Bonn.digital. Themen? Hier eine kleine Auswahl:
– Mentale Gesundheit in digitalen Zeiten
– Demokratie und Plattformmacht
– Karriere und Emotion
– Feedback geben, Werte klären, Content hinterfragen
– Text-Hacks, Transformationstraining und AI-Washing
Das Ganze wirkte nicht wie ein kuratiertes Festival, sondern wie ein organisches Netzwerk an Gedankenlinien – mal leise, mal laut, mal wild, mal klug improvisiert.
Meine Session: Weltrettung via Fediverse?
Im Raum Kreissparkasse KölnBonn habe ich die Frage gestellt: „Kann das Fediverse die Welt retten?“
Technisch faszinierend, ideell vielversprechend – aber reicht das, um das Machtgefüge digitaler Öffentlichkeit zu verschieben? Ich habe Zweifel formuliert. Und Widerspruch provoziert. Gut so. Die Debatte war offen, widersprüchlich, weiterdenkbar.
🎧 Die Folge erscheint im Sohn@Sohn-Podcast – mit O-Tönen, Extrapassagen und einem Nachspiel zum Thema digitale Gegenmacht.
Abschluss auf dem Dach

Am Abend: Barcamp-Bon(n)-usmaterial mit DJ Carsten Rhinow, Würstchen vom Grill, floraler Bastelaktion mit Antonia Windheuser und Quizrunde mit Johannes Mirus auf Anregung von Thorsten Ising. Dazu: Dämmerung über dem Siebengebirge, Gespräche, die nicht so schnell enden wollten, und das stille Gefühl, dass das hier mehr war als nur ein Tagungsformat.
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