
Man kann Marcel Reif vieles nachsagen, aber nicht, dass er die Dinge nicht auf den Punkt bringt. Bereits 1997 sagte er: „Die Verluste sind horrend, die jeder macht mit dem Fußball, jeder! Die Frage ist, haben wir uns alle gegenseitig hochgejazzt wie die Bekloppten und finden nicht den Schlüssel, diesen Motor wieder abzustellen?“ Treffender könnte man die irrationale Dynamik hinter der Fußball-Industrie nicht beschreiben.
Was Reif damals andeutete, ist heute wissenschaftlich klar umrissen: Sunk Cost Fallacy. Es ist die gefährliche Logik, weiter in ein Projekt zu investieren, nur weil man schon zu viel hineingesteckt hat, anstatt die Realität zu akzeptieren. Der Fußball ist längst zu einer Ressourcenfalle geworden, einer Endlosinvestitionsspirale, die nur deshalb weitergedreht wird, weil die Milliarden, die bisher hineingeflossen sind, nicht umsonst gewesen sein dürfen.
Doch genau diese Logik führt uns immer tiefer in den Abgrund. Gehälter von Spielern, Beratern und Funktionären schießen in schwindelerregende Höhen, während die Finanzierung durch die Fans immer aggressiver eingefordert wird. Die Abo-Preise steigen, Merchandising kennt keine Schmerzgrenze mehr, und der Zugang zu bewegten Bildern wird immer exklusiver – nicht etwa, um das Spiel besser zu machen, sondern nur, um die Maschinerie am Laufen zu halten.
Marcel Reif sah das kommen. Die Frage ist: Sehen die Fans das auch? Wann wird uns allen klar, dass wir nicht Teil eines Spiels, sondern eines Wirtschaftsmodells sind, das uns längst aus den Augen verloren hat?
Es ist Zeit, innezuhalten. Zeit, sich zu fragen, ob wir bereit sind, diese Ressourcenfalle weiter zu füttern. Denn die Eskalation des Engagements – die irrationale Eskalationseffekt, wie es die Wissenschaft nennt – führt nicht zum Sieg, sondern zur totalen Entfremdung. Der Fußball lebt von den Fans. Ohne uns ist er nichts.
Die Alternative? Die schönste Nebensache der Welt wieder zur Hauptsache machen: Leidenschaft, Gemeinschaft, das Spiel selbst. Ohne Millionen. Ohne Größenwahn. Ohne die irrationale Angst, dass das, was wir bereits investiert haben, verloren gehen könnte, wenn wir aufhören.
Denn vielleicht ist das die wahre Kunst des Spiels: zu wissen, wann es Zeit ist, den Ball ins Aus zu schießen, um neu anzufangen.
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