Kommentar: Rote Linien, leere Sprüche: Bonns Verkehrswende als schlechtes Theater

Es gibt einen Moment in der Geschichte jeder Stadt, in dem sich die Verwaltung, abgehoben von jeder Realität, dazu entschließt, der Bürgerwelt ein kleines Stück Kunst zu schenken. In Bonn hat dieses Kunstwerk die Gestalt roter durchgezogener Linien auf der Fahrbahn angenommen. Verkehrspolitik als dadaistisches Experiment: Rote Linien, die keine rechtliche Grundlage haben, und Busspuren, die Radfahrer mit tonnenschweren Fahrzeugen teilen sollen – als wäre das die neueste Form sozialer Interaktion auf Rädern.

Doch das Kunstwerk hört hier nicht auf. Begleitet wird es von einem Potpourri aus pseudo-pädagogischen Sprüchen, die uns mehr in die Irre führen als die rote Linie selbst: „Mit Abstand die beste Straße“, „Autos zu Gast bei Freunden“ – das sind keine Verkehrsschilder, das sind Beruhigungspillen für eine entfremdete Bürgerschaft.

Wenn der Bonner Verkehrsplan eine Pointe hätte, sie würde in diesen Schildern liegen, in den rot-markierten Fahrbahnen, die einem Verwaltungsgerichtsbeschluss zufolge rechtswidrig sind. Nun wird das Rechnungsprüfungsamt eingeschaltet – es soll klären, warum die Stadt es versäumte, die politischen Gremien über die Bedenken der Bezirksregierung zu informieren. Was denn sonst?

Das Problem ist jedoch größer als eine simple Misskommunikation zwischen Stadt und Bezirksregierung. Bonn zeigt, wie eine Verkehrspolitik scheitern kann, wenn sie mehr auf Plakate und Symbole setzt als auf echte Lösungen.

Am Wegesrand der roten Markierungen kann die Oberbürgermeisterin schnell erkennen, was so alles schief läuft in der Bundesstadt.

Beschluss des VG Köln.

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