
Der Tisch. Zwei Menschen. Der Kaffee, Hafermilch „Barista Edition“, tropft bedeutungslos in die Tasse, während der wahre Stoff des Treffens sich am Rande zusammenballt. Und dann: das Retweet-Gespenst. Herbert von Halem, Verleger, institutionelle Festung und – im Kern – ein Schatten, der aus seinem eigenen Verlagsbüro aufsteigt, mächtiger als der Mensch, der sich dort niedergelassen hat. Ein Schatten von rechts, eine Deutung, die sich aus den nachträglichen Äußerungen von HvH speist. Von einer Rechtsecke, die in ihrer Selbstverständlichkeit als Teil des Diskurses betrachtet werden will, während sie gleichzeitig das Fundament des Gesprächs untergräbt.
Die Szene eskaliert nicht im Wort, sondern in der Dynamik. Worte wie „Gesinnungsschnüffelei“ fallen nicht während des Treffens, sondern werden später schriftlich von HvH genutzt. Die Konfrontation bleibt subtil, getragen von den monologischen Ausführungen des Verlegers, die kaum Raum für Gegenrede lassen. Konkrete Nachfragen, gestellt vom Autor, treffen ins Leere und enden mit einem abrupten Rauswurf.
Hier ist kein Raum für subtile Zwischentöne, keine vorsichtigen Begriffe wie „Rechtsruck“ oder „Populismus“. Doch auch „Rechtsextremismus“ wird im Gespräch nicht ausgesprochen, sondern bleibt Teil der späteren Analyse. Ein Begriff, der sich gegen die verklebten Halbheiten stemmt, die im Schatten jener stehen, die sich „die Meinungsfreiheit“ als Schutzschild vorhalten, während sie selbst den Widerspruch ersticken.
Von Halem will Diskurs, sagt er. Doch was er in Wahrheit fordert, ist ein Echo. Eine Zustimmung ohne Auseinandersetzung, ein stilles Akzeptieren seiner Positionen, während er die Bühne mit den Lautsprechern extremistischer Narrative teilt.
Ein Verleger muss aushalten, was Worte mit sich bringen. Die Resonanz, das Echo, den Widerstand. Doch hier – der Schatten. Ein Verleger, der den Raum lüften muss, als wäre der Diskurs eine Bedrohung, keine Befruchtung.
Am Ende bleibt der Geschmack von Hafermilch im Mund, bitter, dünn, ironisch. Und die Erkenntnis: Ein Verlag kann Bücher drucken, aber er kann sie nicht alle verstehen.
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