Im Ring des Lebens – Was wir von Yemisi Ogunleye lernen können #SAPLearningForum


Ein Blogpost über mentale Stärke, Veränderung und die Kraft der Dankbarkeit – inspiriert vom SAP Learning Forum Pre-Event in Walldorf.

Es war ein warmer Sommerabend auf dem SAP-Campus in Walldorf, als zwei Gastgeber mit spürbarer Vorfreude auf die Bühne traten: Thomas und Seyde von SAP begrüßten Teilnehmende vor Ort und online zum Pre-Opening des SAP Learning Forums. Doch die eigentliche Bühne gehörte an diesem Abend einer anderen: Yemisi Ogunleye, Olympiasiegerin im Kugelstoßen, Hallenweltmeisterin, EM-Bronzemedaillengewinnerin und eine Frau, die mehr mitbrachte als Medaillen – nämlich Haltung, Tiefgang und überraschend klare Gedanken zur Frage, wie wir lernen, wachsen und scheitern.

Veränderung heißt: annehmen, was kommt

Im Gespräch mit Thomas und Seyde erzählt Yemisi von ihrem Weg in den Spitzensport – und davon, wie dieser Weg immer wieder durch Verletzungen unterbrochen wurde. Ursprünglich Turnerin, dann Siebenkämpferin, musste sie sich aus gesundheitlichen Gründen umorientieren – und fand ausgerechnet im Kugelstoßen ihre neue Leidenschaft. Ein Sport, den sie zunächst mit einseitigem Krafttraining assoziierte. Doch: „Kugelstoßen ist vielschichtig – Technik, Rhythmus, Kraftschnelligkeit. Es hat mich nicht eingeschränkt, sondern erweitert.“

Veränderung, so Yemisi, beginnt mit dem Mut, sie nicht als Verlust zu begreifen, sondern als Übergang. Als Möglichkeit, Neues zu entdecken – nicht trotz, sondern wegen der Krise.

Activate Human Superpower – Der Kopf entscheidet

Das Motto des Events lautete: Activate Human Superpower. Yemisis Antwort darauf ist keine Floskel, sondern ein Erfahrungswert: „Man kann körperlich topfit sein – wenn der Kopf blockiert, nützt das alles nichts.“ Sie spricht über mentale Vorbereitung, Visualisierung, das bewusste Durchspielen von Erfolg und Scheitern. Und über einen simplen Satz, den sie sich in schlechten Momenten sagt: Es wird gut werden.

Das ist keine naive Hoffnung, sondern gezielte Selbststeuerung. Und ein Konzept, das auch jenseits des Sports anwendbar ist: in Projekten, Meetings, Change-Prozessen. Wer sich mental vorbereitet – auf Gelingen wie auf Rückschläge – handelt aktiver. Und scheitert stabiler.

Emotion ist kein Störfaktor – sie ist Triebkraft

Yemisi spricht offen über ihre Emotionalität. Über die Tränen bei Interviews. Über spontane Gesangseinlagen. Über den Stolz, überhaupt auf dieser Bühne stehen zu dürfen. Für viele aus der Businesswelt fast schon provokant: „Emotionen gehören nicht rausgefiltert. Sie sind Teil der Leistung.“ In einer Kultur, die oft auf Effizienz, Objektivität und Meetingdisziplin getrimmt ist, wirkt diese Haltung fast revolutionär. Aber sie trifft einen Nerv.

Warum tun wir, was wir tun? Und wo ist die Leidenschaft geblieben?

Dankbarkeit ist kein Pathos – sie ist Praxis

Vielleicht einer der stärksten Momente des Gesprächs: Als sie beschreibt, wie sie sich bei ihrer Trainerin nach jedem Training bedankt. Nicht ab und zu. Täglich. „Ein einfaches Dankeschön wird oft unterschätzt“, sagt sie. Ihre Trainerin stehe seit über elf Jahren an ihrer Seite, stelle eigene Interessen zurück, reise mit, trage Verantwortung – und bleibt dabei im Schatten der Aufmerksamkeit.

Wer diese Haltung ins Arbeitsleben überträgt, ändert die Spielregeln: Wertschätzung ist nicht Delegationsaufgabe für die HR-Abteilung, sondern eine Frage persönlicher Integrität.

Lernen heißt auch: scheitern dürfen

Gefragt nach ihren Lernmethoden, spricht Yemisi nicht über Tools, sondern über Rückschläge. Verletzungen, schlechte Trainingstage, verregnete Wettkämpfe. Sie erzählt, wie sie bei den Olympischen Spielen im ersten Versuch ausrutschte – und dennoch den Wettkampf drehte. Warum? Weil sie sich diese Situation vorher visualisiert hatte. Weil sie wusste, wie sie reagieren will.

Scheitern, so ihre zentrale Botschaft, sei keine Ausnahme, sondern Teil des Prozesses. Wer das begreift, wird nicht ängstlicher, sondern freier. Und ehrlicher.

Glaube als innerer Halt

Auf eine persönliche Frage aus dem Publikum antwortet sie ohne Zögern: Ihr christlicher Glaube sei das Fundament. Die Zuversicht, dass es einen größeren Plan gibt. Die Gemeinschaft, die sie trägt. Der Gesang in ihrer Gemeinde. Keine Inszenierung, kein Pathos – sondern ein leiser, starker Hintergrundton, der in allem mitschwingt.

Zwischen Talent, Wille und Glück

Zum Schluss wird sie gefragt: Wie viel ist Talent, wie viel Wille, wie viel Glück? Ihre Antwort: Talent bringt dich in die Auswahl. Wille bringt dich durch. Und Glück? Spielt eine Rolle – aber man muss bereit sein, es zu nutzen, wenn es kommt.

Was bleibt von diesem Abend?

Ein Gespräch, das weniger über Sport war als über Leben. Yemisi Ogunleye zeigte, dass mentale Stärke nicht angeboren ist, sondern erlernt. Dass Dankbarkeit kein sentimentaler Akt, sondern tägliche Haltung sein kann. Und dass Emotion kein Widerspruch zu Professionalität ist, sondern ihr Ursprung.

In einer Welt, die sich oft im „Wie“ verliert, erinnert sie uns an das „Warum“. Warum wir führen. Warum wir lernen. Warum wir anfangen – und warum wir manchmal neu anfangen müssen.

Denn nicht jeder Tag bringt eine Goldmedaille. Aber jeder Tag ist eine neue Chance, sie sich zu verdienen. Auf seine Art. In seinem Ring. Mit seinem Team. Und mit einem Lächeln im Gesicht.

„Alleine kann man schnell gehen, aber zusammen kann man weit gehen.“ – Yemisi Ogunleye

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