
Aus dem Buch: Hans Rusinek, Work-Survive-Balance: Warum die Zukunft der Arbeit die Zukunft unserer Erde ist. Verlag Herder.
„Im zweiten Kapitel ( Arbeit) schauen wir uns an, wie heute über die Zukunft der Arbeit gedacht wird. Wir unterscheiden vier Typen. Die verlassen sich in ihrem oberflächlichen Zukunftsbrimborium wahlweise auf beschleunigte Innovationsproduktion im Sinne des Design Thinking, auf die Kommunikation grandioser Ziele im Sinne eines Davos-Kapitalismus, auf die sektenhafte Entgrenzung von Arbeit als einziges Sinnzentrum und auf eine digitale Weltflucht, fern von den planetaren Folgen unseres Tuns. Das ist in seiner Konsequenz alles ziemlich Old Work. Diese Arten, Zukunft zu gestalten, bleiben innerhalb der zerstörerischen Logiken der Klimakrise und verkürzen damit unsere Zukunft.“
Entkörperung in Organisationen: toxisch nach innen, toxisch nach außen
„Sosehr dies Betrachtungen aus extremen Zeiten sind, begegnen uns viele Entkörperungspraktiken auch heute noch, besonders in hochambitionierten Unternehmen. „Das ist mir egal. Wir können die Leute jederzeit austauschen und neue anheuern. Alles, was zählt, ist die Firma“, so Theranos-CEO Elizabeth Holmes zu ihrem Engineering-Direktor, der sich darüber beschwerte, dass mit ihrer neuen Idee die Mitarbeiter zu schnell ausbrennen würden. Die junge Holmes, die immer Steve-Jobs-artig einen schwarzen Rollkragen trug, hatte die fabelhafte Idee, eine 24/7-Arbeitszeit für die Engineering-Abteilung ins Spiel zu bringen. Als Gründerin des Medizin(!)-Start-ups Theranos führte sie eine Firma, an dessen Erfolg von Henry Kissinger über Rupert Murdoch bis Larry Ellison sehr viele glaubten. Die sich dann als der größte Betrug in der Geschichte des Silicon Valley entpuppte. Außer einer hochtoxischen Arbeitskultur hatte die Firma nämlich nichts zu bieten – die großartigen Geräte, die sekundenschnell Bluttests auswerten sollten, stellten sich als Täuschungen heraus. Heute sitzt Holmes eine elfjährige Haftstrafe in einem texanischen Gefängnis ab, vermutlich nicht im Rollkragenpullover. Der Wirtschaftsethiker Guido Palazzo leitet aus dem Theranos-Fall eine Daumenregel ab: Was nach innen toxisch ist, ist es auch nach außen. Ein Unternehmen mit einer missbräuchlichen Kultur kann nicht führend im Bereich der Gesundheit sein.„
Mehr dazu bei Zukunft Personal Nachgefragt – Sendung am Dienstag, 9. April, um 15 Uhr. Man hört, sieht und streamt sich im Multistream.
Rusinek ist Keynote-Speaker auf der Zukunft Personal Nord in Hamburg am 24. Februar.