
Es ist eine bittere Ironie, dass in einer Stadt wie Bonn, die sich gerne mit ihrem kulturellen Erbe und ihrer historischen Bedeutung schmückt, die Erinnerung an einen ihrer bedeutendsten Söhne, Johann Joseph Eichhoff, so kläglich vernachlässigt wird. Eichhoff, ein Vordenker des europäischen Binnenmarktes und ein Architekt der freien Rheinschifffahrt, war eine Schlüsselfigur, deren Wirken weit über Bonn hinausstrahlte. Doch was bleibt von dieser großen Persönlichkeit? Nicht einmal ein Porträt im Stadtmuseum. Und die Begründung? Man brauche es nicht mehr. Eine Aussage, die symptomatisch für den schleichenden Verfall einer städtischen Institution ist, die sich offenbar selbst nicht mehr zu brauchen scheint.

Es ist kaum vorstellbar, dass eine Stadt, die einst im Geiste der Aufklärung zu den wichtigsten Zentren des Rheinlands zählte, nun so nonchalant mit ihrer eigenen Geschichte umgeht. Eichhoff, der die Schifffahrtsstraße Rhein als zentrale Lebensader Europas erkannte und ihre wirtschaftliche Bedeutung weit vorausschauend förderte, wird zum Fußnotenmaterial degradiert. Stattdessen versinkt sein Porträt in der Versenkung, aus der es womöglich nie wieder auftauchen wird. Was ist das für ein Umgang mit einem Mann, der durch seine Visionen und Taten maßgeblich zur Entwicklung dieser Region beitrug?
Die Entscheidung, sich von dieser und anderen Dauerleihgaben zu trennen, wird von der Stadt Bonn auf Presseanfrage mit Lagerkapazitäten und Versicherungskosten gerechtfertigt. Doch Insiderinformationen entlarven diese Argumentation als fadenscheinig. Die Kosten für diese Leihgaben seien in den Versicherungsprämien des Eigenbestandes inkludiert gewesen, und das Porträt selbst war 2021 noch in einer Ausstellung zu sehen. Es ist kaum zu glauben, dass eine Stadt, die sich ihres Erbes so bewusst sein sollte, sich hinter solch plumpen Rationalisierungen versteckt.
Noch beschämender als der Verlust dieser historischen Artefakte ist die ungewisse Zukunft des Stadtmuseums selbst. Die Franziskanerstraße wird geräumt, und die Sammlung landet in Depots weit außerhalb. Ob das Museum je wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, bleibt fraglich. Die Leitung des Museums bleibt ebenso in der Schwebe – Entscheidungen wurden angeblich bereits getroffen, doch der ausgewählte Kandidat scheint angesichts der „tollen Perspektiven“ wenig begeistert zu sein, den Posten tatsächlich anzutreten. Wer könnte es ihm verdenken, wenn in einer solch prekären Situation gar keine Ausstellungen mehr in Aussicht stehen?
Es ist eine Farce sondergleichen, die hier gespielt wird. Die Geschichte Bonns wird nicht nur ignoriert, sie wird aktiv ausradiert – Schritt für Schritt, Portrait für Portrait. Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen hätten den Glauben an die kulturelle Bedeutung der Stadt ebenso verloren wie die Geduld, sich um die Sicherung ihres Erbes zu kümmern. Eine Stadt, die ihre Wurzeln nicht ehrt, verliert nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch ihre Zukunft.