
Franz Langecker, das Urgestein des Personaljournalismus, steht neben mir, am dritten Tag der „Zukunft Personal Europe“. Man könnte sagen, er wirkt fast wie eine lebendige Anklage. Kein falsches Pathos, keine Euphorie – stattdessen eine Nüchternheit, die dem Anlass gerecht wird. „Es sind viele junge Leute hier“, beginnt er, „aber die Themen sind alt. Und das Problem bleibt: Die Digitalisierung geht viel zu langsam.“
Was folgt, ist keine bloße Beschreibung der Messe, sondern eine Generalabrechnung. Es sind nicht die fehlenden Ideen, nicht die jungen Talente, die den Wandel blockieren – nein, es sind die alten Manager. „Die Manager von gestern versauen die Zukunft von morgen“, sagt Langecker mit einer stoischen Schärfe, die kaum Spielraum für Widerspruch lässt. Das alte Personal, das sich krampfhaft an die Hebel der Macht klammert, ohne zu verstehen, dass die Maschine längst eine andere Richtung eingeschlagen hat.
„Wir reden hier über KI, über mentale Gesundheit, über neue Trainingsmethoden. Aber was hilft das, wenn die alten Strukturen jeden echten Fortschritt abwürgen?“ fragt er, und man spürt, dass diese Frage keine rhetorische ist. Langecker sieht sich nicht als Prophet des Neuen, sondern als jemand, der das Offensichtliche benennt, das alle sehen, aber keiner zugeben will. „Die Leute im Vorstand – die wollen doch nur ihr Bauchgefühl bestätigen. Aber Bauchgefühl ist nicht mehr genug!“
Seine Analyse trifft ins Schwarze. Diese Messe, mit all ihrem Zukunftspathos, dient oft nur als Fassade für den Erhalt alter Privilegien. „Es braucht HR-Labore, in denen Dinge ausprobiert werden“, fordert er. „Aber die alten Manager kann man nicht überzeugen. Sie halten sich an verstaubten Konzepten fest, während die Welt um sie herum explodiert.“ Langeckers Ton wird schärfer, fast zynisch: „Die stecken fest in einer Zeit, in der man noch dachte, man könne die Zukunft in Gremien wegverwalten.“
Er spricht von den „alten Platten“, die immer wieder abgespielt werden – C-Level-Diskussionen, die keinen Millimeter weiterkommen. „Recruiting? Kein Geschäft für HR mehr! Diese Zeiten sind vorbei“, sagt er. „Wir brauchen Leute, die verstehen, dass Arbeit nicht mehr so funktioniert wie vor zwanzig Jahren.“
Und dann die Pointe, kalt und präzise: „Die jungen Talente? Die wollen sie ranlassen – aber nur auf dem Papier. Denn in Wahrheit haben die Alten keine Lust, den Platz zu räumen.“ Langecker bringt es auf den Punkt: „Wir müssen HR neu denken, komplett. Weg mit den Relikten, die alles blockieren.“ Man hört fast, wie die letzten Reste des Alten bröckeln.
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