„Die Glückssuche inmitten grauer Aktenberge“ – Über das Gespräch mit Selma Fehrmann

Es ist ein unscheinbarer Morgen auf der Zukunft Personal Europe, der so begann wie viele andere zuvor. Neben mir steht Selma Fehrmann – Autorin eines Buches mit einem verheißungsvollen Titel: Happiness at Work. Ein Thema, das in Deutschland, wie sie mit einem Hauch der Nostalgie berichtet, ebenso schwerfällig seinen Platz findet wie ein Karton Papierkram im Archiv eines längst vergessenen Bürogebäudes.

Selma Fehrmann, mit einem Akzent, der ihre holländischen Wurzeln verrät, schildert, wie in den Niederlanden das Schulfach Glück bereits seit Jahren den Lehrplan bereichert – ein Konzept, das hierzulande jedoch noch skeptisch beäugt wird, als wäre Glück etwas, das man sich erst nach dem Renteneintritt leisten könne. „In den Niederlanden ist Arbeitsglück längst ein zentrales Thema“, sagt Fehrmann, und ich kann es mir nicht verkneifen, innerlich zu schmunzeln. Ein zentrales Thema – wie bei uns der immerwährende Kampf um neue Richtlinien und den wöchentlichen Abteilungsleitungsmeetings.

Aber sie hat recht, denke ich. Glück im Beruf ist doch mehr als das regelmäßige Abhaken von To-do-Listen. Es geht um Selbstverwirklichung, Talente und um die Frage, ob man tatsächlich in dem glänzt, was man tut – oder ob man einfach nur funktioniert. „Der beste Lehrer wird zum Schuldirektor befördert“, bemerkt sie mit einem leisen Seufzer, und sofort erkenne ich das Muster. Hier wird nicht befördert, weil jemand eine Leidenschaft für Führung entwickelt hat, sondern weil die Karriereleiter nun einmal in diese Richtung führt. Doch wer fragt dabei, ob der Schuldirektor wirklich glücklich ist? Und schlimmer noch: ob die Schüler glücklich sind?

Der Gedanke, Glück in die Führungsetagen zu tragen, mag utopisch klingen – wie eine Illusion, die in der steifen Welt des Controllings und der KPIs keinen Platz hat. Doch Selma bleibt dabei. Wenn wir nicht bald anfangen, über Glück und Wohlbefinden zu sprechen, werden die autoritären Strukturen, die sie so treffend beschreibt, weiterhin das Arbeitsleben vergiften. Es ist Zeit für eine Veränderung, und zwar eine grundlegende.

Die Frage, die mich nach diesem Gespräch nicht loslässt, ist einfach: Wann wird Deutschland, dieses Land der Ernsthaftigkeit, den Mut aufbringen, das Glück – ob in den Schulen oder in den Büros – zu einer Priorität zu machen? Vielleicht, so hoffe ich, wird das Buch von Selma Fehrmann der erste Schritt auf diesem langen, aber notwendigen Weg sein.

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