
Ein Lieblingsgespräch über die Unruhe des Denkens
Unter den vielen Gesprächen, die Alexander Kluge geführt hat, gibt es einige, die einen nicht mehr loslassen. Nicht weil sie ein Thema erschöpfend behandeln würden, sondern weil sie es in Bewegung setzen. Das Gespräch mit Philipp Felsch über Theorie, Essayismus, Antiakademismus und die eigensinnigen Lebensformen des Denkens gehört für mich in diese seltene Kategorie. Es ist eines jener Kluge-Gespräche, in denen nicht bloß Fragen gestellt, sondern geistige Umlaufbahnen eröffnet werden: von Adorno zu Schopenhauer, von Peter Gente zu den Studentenbewegungen, von der Universitätskritik des 19. Jahrhunderts zu der kaum weniger irritierenden Gegenwart. Wer diesem Gespräch zuhört, hört nicht nur zwei Intellektuelle über Theorie sprechen. Man hört auch, wie die Universität selbst zum Problem wird — und wie jede wirkliche Theorie aus einem Unbehagen an den bestehenden Verhältnissen entspringt. Philipp Felsch ist heute Professor am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.
Niemand betreibt Theorie ohne Grund
Der stärkste Gedanke, der aus diesem Gespräch bleibt, lautet: Niemand betreibt Theorie ohne Grund. Das heißt: Theorie ist nie bloß Methode, nie nur eine Disziplin unter anderen, nie lediglich ein gepflegtes Fachgespräch über Begriffe. In Felschs Rekonstruktion erscheint sie als eine Form des Essayismus zwischen Wissenschaft, Dichtung und Philosophie; sie richtet sich auf die „zweite Natur“, also auf das gesellschaftlich Geformte, und ist gerade deshalb unsystematisch, fragmentarisch und antiakademisch. Nicht Letztbegründung ist ihr Element, sondern Kulturkritik; nicht der große Bau, sondern die Sonde.
Das ist mehr als eine literarische Vorliebe. Es ist eine Lagebeschreibung. Denn an dem Punkt, an dem Denken wirklich riskant wird, gerät es fast notwendig in Spannung zur Institution, die es verwaltet. Die Universität will Wissen ordnen, prüfen, zertifizieren, verstetigen. Theorie im emphatischen Sinn will dagegen oft gerade das bereits Verfestigte wieder in Bewegung bringen. Felsch formuliert das in aller Ruhe — und gerade deshalb so scharf: Viele Theoriebewegungen seien aus jenen Momenten hervorgegangen, in denen jemand aus der Universität herausfiel, an ihrem Rand stand oder sich demonstrativ gegen ihre Konventionen stellte.
Schopenhauer oder der Hass auf die Kathederweisheit
Die klassische Figur dieses Außenseitertums heißt Arthur Schopenhauer. Sein Lebenslauf ist bekannt und doch in diesem Zusammenhang neu zu lesen: Studium in Göttingen und Berlin, Habilitation, dann der fast komisch selbstmörderische Entschluss, die eigenen Berliner Vorlesungen parallel zu Hegel anzusetzen, fast leere Hörsäle, jahrzehntelange Wirkungslosigkeit des Hauptwerks und schließlich der späte Durchbruch mit den „Parerga und Paralipomena“ von 1851. Die „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ und die Forschung zur Wirkungsgeschichte beschreiben diesen späten Erfolg als eigentlichen Beginn seiner öffentlichen Macht. Gerade diese Konstellation machte Schopenhauer zur Urfigur des philosophischen Außenseiters: des Mannes am Rand, der aus dem Rand eine Methode macht.
Seine Polemik gegen die „Universitätsphilosophie“ liest sich noch heute wie ein Brandbrief gegen den Betrieb. Schopenhauer argumentiert dort, dass Wahrheit an Universitäten nur eine „sekundäre Stelle“ einnehme, sobald Philosophie an Rücksichten auf Staat, Religion und Versorgung gebunden werde. Aus freier Wahrheitsforschung werde dann Zurichtung. Fast nichts, schreibt er, sei dem „wahren Weisewerden“ so hinderlich wie der beständige Zwang, weise zu scheinen; das philosophische Katheder sei ein öffentlicher Beichtstuhl, an dem Gedanken schon durch die Sorge gelähmt würden, wie sie den Absichten der Vorgesetzten gefallen könnten. Die Wahrheit, so Schopenhauer, brauche die Atmosphäre der Freiheit. Das ist Polemik, gewiss. Aber in ihr steckt eine Einsicht, die der moderne Hochschulbetrieb nicht erledigt hat.
Noch böser wird Schopenhauer, wenn er die Universität als Ort der „Zurichtung“ für Referendare, Advokaten, Ärzte und Schulmänner beschreibt, deren Überzeugungen dem Staat angemessen geformt werden sollen. Wer diese Sätze heute liest, muss sie nicht wörtlich übernehmen, um ihre Aktualität zu spüren. Denn die Form hat sich geändert, nicht das Problem. Heute tritt an die Stelle der Staatsraison oft die sanftere Herrschaft von Anschlussfähigkeit, Drittmittelfähigkeit, Profilbildung und moralisch geschniegelt präsentierter Relevanz.
Peter Gente, der Jäger und Sammler
Von Schopenhauer führt ein sehr westdeutscher Weg zu Peter Gente. Gente war keine Figur des grellen Auftritts. Er war der stille, obsessive Leser, der Sammler, der Spurenleger, aus dem später der Merve-Verleger wurde. Felsch erzählt den Anfang dieser Geschichte mit großem Gespür für den biographischen Funken: der Jurastudent an der FU Berlin, der bei Siemens in Spandau jobbt, zwei Kommilitonen über Adorno sprechen hört, sich die „Minima Moralia“ besorgt und an diesem Buch hängenbleibt, obwohl er es zunächst kaum versteht. Theorie erscheint hier nicht als didaktisch zugerichtetes Wissen, sondern als Einbruch des Fremden in den Common Sense.
Dass Gente fünf Jahre lang mit den „Minima Moralia“ als intellektuelles Vademecum durch West-Berlin läuft, ist eine jener kleinen Szenen, aus denen sich eine ganze Ideengeschichte erschließen lässt. Theorie war für diesen Typus von Leser keine Zusatzqualifikation, sondern eine Lebensform der Wahrnehmung. Man wollte nicht Kapitän werden, sagt Felsch, sondern Navigator: einer, der die frei herumliegenden Verhältnisse nach 1945 erkundet, die Lügen prüft, die Sedimente des Verfestigten sicht- und lesbar macht. Gerade darin liegt die Schönheit dieser Figur. Gente war nicht Professor des Denkens, sondern sein Schmuggler.
Historisch ist Gente weit mehr als eine Nebenfigur. Er gründete 1970 in West-Berlin den Merve Verlag mit, der zunächst als neomarxistisches Kollektiv begann und später zu einem der wichtigsten Einfuhrhäfen französischer Theorie in der Bundesrepublik wurde. Das ZKM beschreibt Merve als einen Verlag, der Autoren wie Althusser, Baudrillard, Deleuze, Guattari, Foucault, Lyotard, Virilio und viele andere in ein kleines, handliches, beinahe subversives Taschenbuchformat brachte. Man kann ohne Übertreibung sagen: Ohne Gente sähe die Theoriegeschichte der alten Bundesrepublik anders aus.
Karl Korsch und die Gefahr der Orthodoxie
Auch Karl Korsch gehört in diese Genealogie des produktiven Außenseitertums. Er war Jurist, marxistischer Theoretiker, Hochschullehrer, 1919 habilitiert in Jena, 1923 Professor und im selben Jahr Justizminister der sozialistisch-kommunistischen Regierung in Thüringen; später saß er im Reichstag und emigrierte 1933 über Dänemark und England in die USA. Sein Leben liest sich wie eine Verdichtung jener Weimarer Jahre, in denen Theorie und Politik einander noch nicht höflich fernblieben.
Entscheidend ist aber etwas anderes. Korsch war einer der ersten, die den Marxismus gegen seine eigene Versteinerung lasen. In „Marxismus und Philosophie“ von 1923 bestand er darauf, dass Theorie ihren geschichtlichen und praktischen Boden nicht vergessen dürfe. Sobald sie sich zur Orthodoxie verhärte, verliere sie ihre kritische Schärfe. Darin liegt Korschs bleibende Aktualität. Seine Frage war nicht nur, was Marx gesagt habe. Seine Frage war, was aus einer Theorie wird, wenn Partei, Staat und Lehrbetrieb aus ihr ein Dogma machen. Gerade weil die Universität solche Dogmen gern in Lehrform gießt, bleibt Korsch ihr unerquicklich nah.
Gegen die Uni studieren
Damit kommt man zu dem schönen, halb vergessenen Slogan „Gegen die Uni studieren“. In dem gleichnamigen Vorwort von Hanna Engelmeier und Philipp Felsch in der Zeitschrift „Mittelweg“ (Ausgabe 36) wird Antiakademismus ausdrücklich nicht als Intellektuellenfeindschaft verstanden, sondern als eine Position, die gerade aus der Kritik real existierender Universitäten neue Wissensformen hervorbringen kann. Antiakademismus, so die Pointe, hat nicht nur Ressentiment produziert, sondern auch Reformprojekte, Gegeninstitutionen, ja Gegenuniversitäten. Die Kritische Universität von 1967 in Berlin, die New Yorker „Free University“ von 1965, die älteren romantischen und antiinstitutionellen Gegenmodelle gehören in diese Geschichte.
Es nimmt dem Antiakademismus die falsche Alternative von bloßer Zerstörung oder reiner Nostalgie. Nicht jede Kritik an der Universität ist reaktionär, nicht jeder Ruf nach Gegeninstitutionen antiintellektuell. Im Gegenteil: Vieles, was später als wissenschaftliche Innovation gefeiert wurde, begann als Absetzbewegung gegen die Normalformen des Lehrbetriebs. Die Universität lebt, historisch betrachtet, nicht nur von ihrer Stabilität, sondern auch von ihren Gegnern. Darin liegt die eigentliche Sprengkraft des Satzes: Niemand betreibt Theorie ohne Grund. Die Frage lautet also nicht nur, wer Theorie betreibt, sondern aus welchem Mangel, welcher historischen Verstimmung, welchem intellektuellen Druck heraus.
Der Fall Kittler
Kein deutscher Fall zeigt diese Dialektik deutlicher als Friedrich Kittler. Die Humboldt-Universität würdigte ihn nach seinem Tod 2011 als einen der einflussreichsten deutschen Medientheoretiker und als Begründer der „Berliner Schule“ der Medienwissenschaft. Das ist die offizielle, nachträglich beruhigte Fassung. Interessanter ist, dass Kittler vor dieser Kanonisierung ein Ärgernis war: ein Gelehrter, der die Konventionen seiner Disziplin nicht respektvoll bewohnte, sondern durch Stil, Gegenstände und Auftreten in Unruhe versetzte.
Der Streit um seine Habilitation ist deshalb nicht bloß eine akademische Episode, sondern ein Formkonflikt von exemplarischem Rang. Felsch formuliert die Frage provokant: Um wie viel Theorie und Theoriebewegungen wären wir ärmer, wenn bestimmte Nachwuchsakademiker sich hätten problemlos habilitieren können? Bei Kittler lag die Sache gerade im „erbitterten Kampf“ um die Habilitation. Aus dieser Reibung erwuchs später eine ganze Theoriebewegung und schließlich sogar eine neue Disziplin.
Thomas Etzemüller hat den „Fall“ in der Zeitschrift Mittelweg mit feiner Ironie rekonstruiert. Sichtbar wird dort, dass es den Gutachtern keineswegs nur um Inhalte ging, sondern um Stil, Auftreten, Sprachspiel und um die Frage, welches Schreiben im akademischen Raum als wissenschaftlich gelten dürfe. Einige Ordinarii hatten den Eindruck, Kittler verweigere sich „dem Kollektiv der Professoren und dem Gespräch mit ihnen“. Gerade diese Distanzierung war es, die ihn verdächtig und produktiv zugleich machte. Am Ende wurde er aufgenommen. Die Universität absorbierte ihre Störung — und machte sie zur Disziplin. Genau darin liegt die Dialektik: Aus Ärgernis wird Kanon, aus Grenzverletzung Institution.
Feyerabend und die Lust am Methodenverstoß
International hieß die emblematische Figur eines solchen Denkens Paul Feyerabend. Der österreichische Wissenschaftsphilosoph wurde mit „Against Method“ von 1975 berühmt. Seine Formel „anything goes“ war weniger ein Aufruf zur Beliebigkeit als eine Attacke auf den Aberglauben, wissenschaftlicher Fortschritt lasse sich durch allgemeine und ausnahmslose Methodenregeln absichern. Die „Stanford Encyclopedia of Philosophy“ beschreibt Feyerabends Werk entsprechend als eine radikale Wissenschaftskritik, die aus der Geschichte der Wissenschaft lernte, wie unerquicklich realer Erkenntnisfortschritt für Regelpuristen ist.
Gerade darin ähnelt er Schopenhauer, Korsch und Kittler mehr, als die Epochen vermuten lassen. Alle diese Figuren misstrauen der Fiktion, Wahrheit entstehe aus Regelbefolgung allein. Alle haben ein Sensorium für die Gewalt der Form. Und alle wissen, dass Institutionen nicht nur Erkenntnis ermöglichen, sondern sie auch normieren.
Eine Szene aus Koblenz
Vor einigen Jahren saß ich an einer privaten „Elite“-Hochschule im Raum Koblenz auf einem Podium über Kreislaufwirtschaft. Mir gegenüber: ein Lobbyist des Handels, geschniegelt mit jenen Grüne-Punkt-Weisheiten, in denen ein strukturelles Problem zu einer pädagogischen Fingerübung zusammenschrumpft. Die Camouflage der Kreislaufwirtschaft auf Milchdöschen-Niveau. Ich war, wie sich rasch zeigte, nicht eingeladen, um zu stören, sondern um das Feigenblatt des Diskurses zu geben. Als der Mann geendet hatte, erhielt er von den „elitären“ Studierenden kräftigen Applaus. Dabei haben diese Schmierlappen immer ihre Hedge-Fonds-Karrieren im Fokus.
Man muss aus einer solchen Szene keine Totalthese über die Gegenwart machen. Aber sie verrät etwas. Nämlich wie sehr der Impuls, der einmal Theoriehunger hieß, erlahmt ist. Nicht weil junge Menschen dümmer geworden wären. Sondern weil der akademische Raum vielerorts seine Spannung auf andere Ziele umgestellt hat: auf Anschlussfähigkeit, Karrierefähigkeit, Konfliktvermeidung, höfliche Relevanz. Selbst Widerspruch erscheint dann nur noch als dekorativ eingeplante Programmdifferenz.
Dass private Hochschulen in Deutschland stark gewachsen sind, bildet dafür immerhin einen institutionellen Hintergrund. Nach Destatis studierten im Wintersemester 2023/24 bereits 372.887 Menschen an privaten Hochschulen, davon 344.318 an privaten Fachhochschulen. Schon 2021/22 entfielen rund 69,5 Prozent der Studierenden an privaten Hochschulen auf Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Das heißt noch nichts über jeden einzelnen Campus. Aber es sagt etwas über die Richtung des Feldes.
Wo ist der Protest geblieben?
An der Freien Universität Berlin der achtziger Jahre wäre ein solcher Auftritt anders gelaufen. Nicht notwendigerweise gerechter, aber mit höherer Reibung. Der Jargon wäre als Jargon markiert worden. Die Interessenform hinter der Sprache wäre Thema geworden. Man hätte die Handelskonzern-Müll-Lyrik nicht einfach nach ihrem Wohlklang, sondern nach ihrer Funktion befragt. Das ist der eigentliche Verlust: nicht der des Lärms, sondern der des Reflexes, glatte Rede nicht glatt passieren zu lassen.
Die gegenwärtige Wissenschaftspolitik liefert für diese Verflachung einen institutionellen Untergrund. Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiK) 2025 hält fest, dass 96 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen an Hochschulen befristet beschäftigt sind; bei Promovierenden liegt der Anteil sogar bei 99,7 Prozent. Ein System, das fast alle jungen Köpfe auf Widerruf hält, produziert eher Vorsicht als Eigensinn, eher Antragssprache als intellektuelles Risiko. Wer auf die nächste Verlängerung wartet, wird selten der nächste Schopenhauer.
Zugleich hat sich die Form des Protests verändert. Nach dem 7. Oktober 2023 und im Verlauf des Jahres 2024 haben Hochschulen in Deutschland eine deutliche Zunahme antisemitischer Vorfälle registriert; die Hochschulrektorenkonferenz spricht ausdrücklich davon, dass jüdische Studierende und Lehrende geschützt werden müssen und Antisemitismus an Hochschulen entschieden bekämpft werden muss. Das ist eine reale, ernste Lage. Aber sie ist nicht identisch mit jener erkenntniskritischen Unruhe, die einmal unter Protest verstanden wurde. Zu oft tritt an die Stelle des Arguments die Zugehörigkeitsgeste. Zu oft wird nicht mehr gegen den Betrieb gedacht, sondern nur noch in moralischen Lagern auf ihm.
Was von Kluge bleibt
Alexander Kluge wusste, dass Denken erst dort interessant wird, wo es die Formen des Betriebs stört. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre, die das Lieblingsgespräch mit Philipp Felsch in seinem Andenken erhält. Kluge hätte diese Diagnose vermutlich nicht in der Sprache der Klage formuliert. Er hätte sie montiert. Einen Seminarraum. Neonlicht. Ein Podium. Einen jungen Menschen, der höflich applaudiert, weil Zustimmung sozial billiger geworden ist als Widerspruch. Dann einen Schnitt zu Schopenhauer mit fünf Hörern. Einen Schnitt zu Peter Gente in der S-Bahn mit den „Minima Moralia“. Einen Schnitt zu Kittler im Habilitationskampf. Und am Ende keinen Trost, sondern eine offene Akte.
Denn Kluge wusste, was die Wissenschaftspolitik ungern hört: Dass es ohne intellektuellen Eigensinn keine lebendige Universität gibt. Exzellenz ersetzt keinen Stachel. Dauerstellen allein ersetzen ihn auch nicht, so notwendig sie sind. Und Pseudo-Protest, der sich in Parolen erschöpft, ersetzt ihn erst recht nicht. Was fehlt, ist etwas Älteres und Schwierigeres: die Lust, sich mit dem Verfestigten anzulegen, nicht um aufzufallen, sondern um wahr zu werden.
Vielleicht beginnt jede Erneuerung der Universität genau dort. Nicht mit noch einer Reformfolie. Sondern mit der Rückkehr eines Satzes, der wieder riskant klingt. Nicht alles, was im Hörsaal Beifall findet, verdient Zustimmung. Nicht alles, was institutionell anerkannt ist, ist geistig lebendig. Und nicht alles, was antiakademisch auftritt, ist schon frei. Aber eine Universität, die ihren Andersdenkern keinen Raum mehr gibt, wird am Ende auch ihren Konformisten nichts mehr zu sagen haben.