Vollgas ins Gestern – Die ewige Liebe der FDP zum Auto

Der Morgen dämmert, das Hirn noch nicht ganz wach, doch die Schlagzeilen des Tages sind ein Kaffee, der die Synapsen schneller als jeder Red Bull zum Zappeln bringt: Die FDP, die mutig entschlossene Partei der Freiheit, hat wieder einmal den Tempomacher gemacht. Bijan Djir-Sarai und sein treuer Begleiter Zyon Braun verkünden das neue Evangelium der deutschen Mobilität: „Das Auto ist Freiheit, das Auto ist Leben, das Auto ist – nun ja – alles.“

Ein Schatten huscht über mein Gesicht, während ich mich an das Jahr 2017 erinnere, als die Tränen noch nicht in Sturzbächen über den Asphalt des gesunden Menschenverstands rollten. Damals wagte ich die Frechheit, Christian Lindner als „Verbrennungsmotor-Gichtling“ zu bezeichnen – ein Titel, der ihn seither ziert wie ein alter Benzinfleck auf einem Designeranzug. Und nun? Nun fährt die FDP weiter mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung eines Staus, den sie selbst verursacht hat.

„Keine Anti-Auto-Politik!“, ruft Djir-Sarai in die Runde, als ob irgendwo im tiefen Brandenburg ein Traktorfahrer darüber jubelt, dass sein alter Diesel noch ein paar Jahre mehr den dörflichen Horizont in zarten Ruß hüllen darf. Die Idee, man könne Mobilität auch anders denken – vielleicht, ganz verrückt, als etwas, das über das eigene Autodach hinausreicht – wird hier weggelacht wie ein klappriger Fahrradkurier im Porsche-Rückspiegel.

„Technologieoffenheit!“ Ein Wort, so hohl und doch so schwer, dass es vermutlich nur aus einem FDP-Schulungsheft stammen kann. Offen für alles, was der Fortschritt zu bieten hat – solange es mindestens vier Räder hat und mit ordentlich PS ausgestattet ist. Elektroautos? Pah, nicht, solange es noch irgendwo auf dieser Welt einen Liter Benzin zu fördern gibt. Aber was soll’s, die Grünen mit ihrem Verbotsfetisch können ja gerne weiter ihre Fahrräder polieren, während echte Liberale die Autobahnen unsicher machen.

Man stelle sich vor, die FDP hätte den Mut, wirklich etwas Innovatives zu fordern. Aber nein, stattdessen wird das begleitete Fahren ab 16 propagiert, als ob man den Führerschein jetzt schon mit der Geburtsurkunde ausstellen sollte. Denn was wäre ein besseres Geschenk zur Konfirmation als die erste Spritztour auf einer frisch geteerten Landstraße?

Und dann kommt der Knaller: Das Tempolimit, dieser Popanz, der angeblich alles zerstören würde, was Deutschland lieb und teuer ist. „Kein Tempolimit!“ Wie ein trotziges Kind, das nicht ins Bett will, klammern sich die Freien Demokraten an das letzte Stück „Freiheit“, das sie verteidigen können, ohne allzu viel nachdenken zu müssen. Denn wer braucht schon saubere Luft, wenn man mit 250 km/h über die Autobahn brettern kann, die Dank Drei-Schicht-Baustellenbetrieb ja bald wieder komplett frei sein sollte.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Freiheit bei der FDP vor allem eines bedeutet: Das Gaspedal durchdrücken, und zwar bis zum bitteren Ende. Der letzte Verbrennungsmotor wird wohl dann abgeschaltet, wenn es in Deutschland keine Autobahnen mehr gibt – weil sie entweder im Stau erstickt sind oder in der Klimakatastrophe versunken. Aber das ist natürlich eine andere Geschichte. Oder, wie Djir-Sarai sagen würde: „Das interessiert uns nicht, wir fahren jetzt erst mal weiter.“

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