
Wenn schon YouTube meine berufliche Existenz als Livestreamer weghaut, bleibt wenigstens mein Zettelkasten ein Refugium für Geschichten: Paul Verlaine, dieser Typ, der am 30. März 1844 in Metz das Licht der Welt erblickt, hatte nie eine Chance auf ein normales Leben. Sohn eines Hauptmanns, eine Jugend voller Traurigkeit – ein verdammtes Klischee, wenn du mich fragst. Aber dann kommt Paris, diese Stadt der Sünde, und Verlaine taucht kopfüber ein. Er arbeitet im Rathaus, trifft zufällig den gleichaltrigen François Coppée, und plötzlich bricht die Poesie aus ihm heraus wie Eiter aus einer Wunde.
1866 knallt er uns „Poèmes saturniens“ vor die Füße. Diese Dinger sind kalt, steif, regelgebunden, aber schon damals flackert da etwas durch, ein Funke von Melancholie und Zynismus, der sich durch seinen ganzen Kram zieht. Die inneren Dämonen lassen ihn nicht los, treiben ihn immer weiter in den Abgrund. Die Ehe mit Mathilde Mauté? Klar, das klingt erst nach einem Happy End. „La bonne chanson“ ist voller Liebe, aber die Dunkelheit lauert immer im Hintergrund.
Arthur Rimbaud, das jugendliche Genie, der Rebell, geboren am 20. Oktober 1854 in Charleville. Dieser Mann war die Definition von „frühreif“. Mit seinen Gedichten wie „Le bateau ivre“ und „Voyelles“ sprengt er die Grenzen der Poesie. Seine Worte sind eine Explosion, eine Revolte gegen jede Form von Konvention. Und dann trifft er Verlaine – Boom, das literarische Äquivalent einer Atombombe.
Rimbaud und Verlaine, diese beiden Verrückten, treiben es auf die Spitze. Verlaine verlässt seine Frau, seinen Sohn, für diesen wilden Jungen. Sie leben zusammen, taumeln durch die Straßen, getrieben von Absinth und Leidenschaft. Die Welt um sie herum verschwimmt, und in diesem Chaos entstehen die „Romances sans paroles“. Doch das Drama ist unausweichlich. 1873 schießt Verlaine auf Rimbaud, landet im Knast, und die epische Romanze ist vorbei.
Im Gefängnis findet Verlaine einen bizarren Frieden mit Gott. Er schreibt „Sagesse“, ein Buch der Weisheit und Liebe, das im Kontrast zu seinem früheren Leben steht. Aber nach seiner Entlassung verfällt er wieder. Die späteren Werke, „Jadis et Naguère“ und das berühmte „Ars poétique“, sind nur noch Schatten seiner früheren Größe.
Rimbaud hingegen kehrt der Literatur den Rücken. Er wird zum Mythos, zum Geist, der durch die Geschichte wandert. Seine wenigen Werke bleiben als Monumente seiner Genialität bestehen, aber er selbst verschwindet in den Schatten.
Diese beiden Typen, Verlaine und Rimbaud, sie sind wie zwei Seiten derselben verdammten Münze. Ihre Beziehung war eine Katastrophe, eine Orgie des Wahnsinns, aber sie haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen getrieben. Ihre Werke sind ein Beweis dafür, dass wahre Kunst aus dem tiefsten Abgrund des menschlichen Erlebens kommt.
Verlaine und Rimbaud, sie haben die literarische Welt erschüttert. Ihr Erbe ist ein Beweis für die zerstörerische und schöpferische Kraft der Poesie. Sie haben uns gezeigt, dass das Leben und die Kunst untrennbar miteinander verbunden sind, dass aus dem größten Leid die tiefste Schönheit entstehen kann. Ihr Vermächtnis lebt weiter, ein brennendes Feuer in der Geschichte der Literatur.