
Mangel an Zukunftsbildern und aktiver Szenarienplanung: Anne M. Schüller fordert „Bilder“, die eine klare Vision der Zukunft in fünf, zehn oder zwanzig Jahren bieten. Diese Visionen sollen Unternehmen ermöglichen, Kundeninteraktionen, Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen frühzeitig auf zukünftige Entwicklungen auszurichten.
Kulturelle Innovationshemmnisse: In Deutschland wird oft versucht, kritische Themen zu vermeiden, um bestehende Hierarchien und Führungsstrukturen nicht herauszufordern. Viele Unternehmensleiter neigen dazu, störende oder unangenehme Zukunftsperspektiven zu ignorieren, was den Zugang zu potenziellen Innovationen behindert.
Strukturelle Innovationsdefizite: Traditionelle Organisationen kämpfen mit der Anpassung an schnelle technologische Veränderungen. Start-ups und Innovation Labs werden als wichtig für die wirtschaftliche Zukunft angesehen, da sie durch Flexibilität und Kundenorientierung innovative Lösungen vorantreiben können.
Fehlende Adaptionskompetenz in Zeiten schneller Veränderungen: Schüller beschreibt die Zukunft als „Hochgeschwindigkeitswildwasserzeit“ voller Unsicherheiten, die von geopolitischen und klimatischen Veränderungen geprägt ist. Organisationen, die nur auf kurzfristige Effizienz setzen, laufen Gefahr, den Anschluss an innovative Vorreiter zu verlieren.
Erstellen von „Future Personas“ und Szenarien für gezielte Innovationsstrategien: Schüller sieht die Wichtigkeit von „Future Personas“, um realistische Zukunftsszenarien zu entwickeln. Diese sollen helfen, zukünftige Handlungsfelder und eine langfristige Strategie klar zu definieren, um dem Unternehmen eine nachhaltige Zukunftspositionierung zu ermöglichen.
Forderung „Kauft nicht bei Umweltzerstörern“:
Greenwashing und Täuschung: Schüller kritisiert Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsversprechen nicht ernst nehmen und stattdessen „Millionen in verlogene Werbung“ investieren. Sie erklärt, dass „Greenwashing […] ein glasklares Zeichen dafür [ist], hintendran zu sein, Trends verschlafen zu haben oder wie bisher weitermachen zu wollen“(Zukunft meistern ).
Aufruf zum Boykott: Im Zusammenhang mit dem jährlichen Schmähpreis „Goldener Geier“ der Deutschen Umwelthilfe wird betont: „Votet gerne mit. Und vor allem: Kauft nicht bei solchen Betrügern. Es gibt ehrliche Alternativen“.
Online-Pranger, um öffentlich auf problematisches Verhalten aufmerksam zu machen.
De-Influencing: Waldemar Zeiler wird zitiert mit dem Aufruf: „Kauf keinen Scheiß bei scheiß Unternehmen“. Schüller beschreibt weiter, wie De-Influencing und Boykott-Hashtags dazu führen, dass „Marken und Unternehmen, die ökologische und soziale Themen missachten, längst im Fadenkreuz allgemeiner Kritik“ stehen.
Profite auf Kosten anderer: In der Passage „Externalitäten sind Profit auf Kosten Dritter“ beschreibt Schüller, wie Unternehmen auf Kosten von Umwelt und Gesellschaft Gewinne maximieren. Sie kritisiert dies als „wirtschaften zulasten Dritter“ und erwähnt Beispiele, wie „Urwälder [gerodet werden], um billig an Soja und/oder Palmöl zu kommen“.
Schüller sieht das Future Lab als essenzielles Werkzeug, um Unternehmen zukunftsfähig zu machen und sie in die Lage zu versetzen, proaktiv auf Veränderungen zu reagieren und diese mitzugestalten.
Anne M. Schüller beleuchtet auf den Seiten 118 bis 137 von Zukunft meistern die notwendigen Schritte und Prinzipien für eine erfolgreiche organisationale Transformation. Sie fordert das Aufbrechen von „Silo-Formationen“, die sie als „Anomalien in einer vernetzten Welt“ bezeichnet. Solche Strukturen führen zu „Zuständigkeitswirrwarr, Insellösungen und Aufgabenfragmentierung“, was in modernen Unternehmen ineffizient ist und den Wissensfluss behindert. Schüller plädiert für vernetzte, horizontale Arbeitsmodelle, die das herkömmliche Abteilungsdenken überwinden und Hierarchien flacher gestalten.
Die Autorin kritisiert weiter das „Bürokratiemonster“ und fordert schlankere Prozesse, die Innovation und Agilität fördern sollen. Eine transformative Führungskraft, so Schüller, müsse sich selbst kontinuierlich weiterentwickeln und Wandel aktiv anstoßen. „Moderne Führung heißt: sich selbst transformieren“, erklärt sie und hebt hervor, dass solche Führung nicht nur auf das Management des Bestehenden abzielen darf.
Statt festgelegter Stellen sind fluide Rollen und agile Teams die Arbeitsstrukturen der Zukunft. Schüller beschreibt die Notwendigkeit von Flexibilität, um auf die dynamischen Anforderungen einer schnell verändernden Welt zu reagieren. In „Caring Companies“ sieht sie die Zukunft, Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Wohlfühlorte bieten, indem sie Gesundheitsvorsorge, Familienunterstützung und Kinderbetreuung anbieten. Solche Firmen könnten laut Schüller eine stärkere Mitarbeiterbindung aufbauen und die Fluktuation verringern.
Zukunftsfähige Arbeitsplätze beschreibt Schüller schließlich als eine inspirierende Mischung aus „lebendigem Kiez und der Internationalen Raumstation ISS“. Diese Büros sind so konzipiert, dass sie den menschlichen Bedürfnissen gerecht werden, modular aufgebaut sind und Raum für informellen Austausch schaffen – nicht nur funktional, sondern auch ansprechend gestaltet. Schüllers Vision ist eine flexible, menschenorientierte Arbeitswelt, die auf echte Zusammenarbeit und individuelle Bedürfnisse setzt.
Anne M. Schüller diskutiert in ihrem Buch, dass die Arbeit der Zukunft nicht mehr von festen Stellen, sondern von flexiblen Rollen geprägt sein sollte. Sie beschreibt, dass in klassischen Organisationen eine Stelle und ihr Aufgabenbereich strikt an eine Person gebunden sind, was die Entwicklung und das Potenzial der Mitarbeitenden oft einschränkt. Schüller stellt fest: „Solch statische Positionen verhindern agiles Handeln. Zudem blockieren eng gefasste Stellenbeschreibungen die Potenzialentfaltung“.
In einem sich ständig wandelnden Umfeld seien Rollen, die nicht fest an Personen geknüpft sind, weitaus effizienter, da diese flexibler an veränderte Umstände angepasst werden können. Der Rolleninhaber übernimmt Verantwortung für ein Aufgabenpaket, und was die Rolle darf, wird in Vereinbarungen festgelegt. „Der Rolleninhaber beschreibt seinen Aufgabenbereich selbst,“ was zu mehr Klarheit, Motivation und Produktivität führt.
Schüller beschreibt weiterhin, wie in zukunftsorientierten Unternehmen die Rollenverteilung auf Freiwilligkeit und Kompetenz basiert, was dazu beiträgt, dass Mitarbeitende das tun können, was sie am besten können und mögen. Dies ermöglicht eine größere Flexibilität für Mitarbeitende und fördert zudem die Selbstentwicklung und das Engagement, da die Grenzen traditioneller, statischer Stellen wegfallen und die Mitarbeitenden in mehreren Rollen oder Teams arbeiten können.
Im Kapitel „So kommen Innovationen gut in die Welt“ beschreibt Anne M. Schüller wichtige Erfolgsfaktoren für Innovationsprozesse, darunter die Kundenorientierung, den Zufallseffekt (Serendipity) und den Umgang mit Innovationshindernissen durch sogenannte Killerphrasen.
Zum Kundenverständnis betont Schüller, wie wichtig es ist, Kundenbedürfnisse zu erfassen und über Annahmen hinauszugehen. Sie hebt hervor: „Wer Kundenbelange wirklich verstehen will, braucht einen ergebnisoffenen Austausch und sollte Kunden befragen. Oder, besser: Kunden beobachten. Oder, am besten: im Blindtest zum Kunden seiner Firma werden.“ Ein erfolgreiches Beispiel dafür nennt sie mit der Schweizer Bundesbahn (SBB), die ihre Führungskräfte in die Rolle von Reisenden versetzte, was zu tiefen Einsichten und schnellen Verbesserungen führte.
Serendipity, also das Prinzip des glücklichen Zufalls, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Schüller beschreibt es als „eine unerwartete Lösung für ein Problem, an dem man gar nicht gearbeitet hat.“ Sie argumentiert, dass Serendipity gefördert werden kann, indem Unternehmen „die Weisheit der Vielen“ nutzen und durch kreative, ungeplante Begegnungen und Austauschmöglichkeiten wie bei Pixar spontane Ideen fördern.
Die Killerphrasen der Vorgestern-Bewahrer: Schließlich geht sie auf Killerphrasen ein, die Innovationsprozesse oft blockieren. Killerphrasen wie „Das geht doch gar nicht!“ und „Das haben wir immer schon so gemacht“ führen zu Stillstand und dem Ersticken neuer Ideen. Schüller empfiehlt, solchen Aussagen mit klugen Fragen entgegenzutreten, um den „Killerphrasierer“ ins Nachdenken zu bringen und den kreativen Prozess zu schützen.
Die Next Economy Open 2024 findet am 5. und 6. Dezember 2024 statt. Komplette Programm wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.
















