Kommentar: Bonn verbrennt die Zukunft #NCBN

Das Ende des NachhaltigkeitsCamps Bonn ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die an eine ökologische Zukunft dieser Stadt glauben. Acht Jahre lang war das Camp ein Labor für Ideen, in dem Bürgerinnen und Bürger, NGOs, Mittelstand und Verwaltung diskutierten, wie sich Nachhaltigkeit praktisch und innovativ umsetzen lässt. Nun verstummt diese Bühne – und das in einer Stadt, die sich gern als UNO- und Klimahauptstadt inszeniert.

Ich erinnere mich an meine Session: „Was kommt in zehn Jahren in die Tonne?“ Die These war klar: Wenn wir Produkte mit ökologischer Intelligenz ausstatten, brauchen wir keine Beseitigungswirtschaft mehr. Vernetzte Alltagsgegenstände könnten selbst Auskunft geben über Herkunft, Ökobilanz und Weiterverwendung. Sie würden eigenständig den Weg vom Kunden zurück ins Recycling finden – anstatt auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen zu enden. 99 Prozent der heutigen Elektronikgeräte ließen sich so zurückführen, ihre verborgenen Schätze aus Gold, Platin oder Kupfer heben.

Das ist kein Science-Fiction, sondern die logische Fortschreibung dessen, was der Bund für Umwelt und Naturschutz längst gefordert hat: Produkte, die langlebig, ressourcenleicht, reparaturfreundlich und rückholbar sind. Hinzu kommen soziale Innovationen wie Carsharing oder Repair Cafés. Oikos, die antike Idee von Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, ist aktueller denn je: Verantwortung beginnt im Kleinen, bei dem, was wir selbst gestalten und nicht auf kommende Generationen abwälzen.

Währenddessen verkauft uns die Bonner Stadtspitze Müllverbrennung als „grüne Energie“. Ein Etikettenschwindel, der den Kern des Problems verfehlt. Überkapazitäten in Müllverbrennungsanlagen und die Monopolisierung durch Kommunen verdrängen die mittelständischen Recycler, die seit Jahrzehnten Know-how aufgebaut haben. Professor Justus Haucap, ehemaliges Mitglied der Monopolkommission, hat es treffend formuliert: Hier wird der Wettbewerb ausgehebelt, hier wird Verantwortung in Machtlogik verkehrt.

Die OB-Wahl in Bonn ist damit mehr als ein parteipolitisches Kräftemessen. Sie wird zum Lackmustest: Steht Bonn für Kreislaufwirtschaft, digitale Öko-Intelligenz und Innovation – oder für Greenwashing, Gebührenpolitik und den Erhalt archaischer Strukturen?

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