Innovation ist die beste Verteidigung – Warum Europa eine eigene DARPA braucht

Als die Sowjetunion 1957 mit Sputnik 1 die USA technologisch düpierte, war die Reaktion in Washington klar: massive Investitionen in Forschung und Entwicklung. Innerhalb weniger Monate wurde die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gegründet – eine militärische Innovationsagentur, die seitdem Technologien wie das Internet, GPS und Präzisionswaffen hervorgebracht hat. Die Lehre aus dem Sputnik-Schock? Technologischer Vorsprung sichert geopolitische Macht.

Europa erlebt heute seinen eigenen Sputnik-Moment. Russland setzt in der Ukraine Drohnenschwärme ein, kombiniert elektronische Kriegsführung mit KI-gesteuerter Zielerfassung und nutzt Hyperschallwaffen, während Europa immer noch mit langsamen Beschaffungsprozessen und veralteten Waffensystemen kämpft.

Doch anstatt eine eigene militärische Innovationsstrategie zu entwickeln, verlässt sich Deutschland weiter auf importierte Großtechnologien aus den USA – F-35-Kampfjets, Patriot-Abwehrsysteme und Abrams-Panzer. Dabei haben Rafael Laguna, Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), und Patrick Rose, ehemaliger Chief Scientist der US Navy und heutiger SPRIND-Innovationsmanager, eine klare Botschaft: Deutschland und Europa müssen jetzt handeln – mit einer eigenen DARPA für transformative Militärinnovationen.

Die Realität auf dem Schlachtfeld: Drohnen, KI und flexible Einheiten

„Die Bundeswehr investiert in Systeme aus dem Kalten Krieg, während moderne Kriegsführung längst anders aussieht“, kritisiert Patrick Rose im Smarter-Service-Talk. Große, schwerfällige Panzer und bemannte Kampfflugzeuge seien in dynamischen Konflikten zunehmend ineffektiv. „Bis ein Panzer am Ziel ist, hat sich die Lage längst verändert. Drohnen und autonome Waffensysteme operieren in Echtzeit und sind viel flexibler einsetzbar.“

Russland setzt inzwischen massiv auf iranische Shahed-Kamikaze-Drohnen, Lancet-Präzisionsdrohnen und elektronische Kriegsführung, um gegnerische Radarsysteme und Flugabwehr zu stören. Gleichzeitig zeigt die Ukraine, dass Drohnenschwärme mit vergleichsweise geringem Budget russische Panzer und Artilleriestellungen ausschalten können. Die Kriegsführung hat sich fundamental geändert – Europa darf diesen Wandel nicht ignorieren.

Eine neue Innovationsagentur für Europa

„Wir brauchen eine Sprind.mil, eine europäische DARPA, die gezielt disruptive Militärtechnologien entwickelt“, fordern Laguna und Rose in ihrem Tagesspiegel-Artikel. Eine solche Agentur könnte drei zentrale Aufgaben übernehmen:

1️⃣ Ein Innovationscampus für Militärtechnologie – ein zentraler Hub für Startups, Forschungseinrichtungen, klassische Rüstungshersteller und Risikokapitalgeber, um neue Verteidigungstechnologien schnell zur Marktreife zu bringen.

2️⃣ Red Teaming-Labore – hier könnten neue Waffensysteme unter realistischen Gefechtsbedingungen getestet werden. „Wir brauchen keine weiteren teuren Fehlinvestitionen wie den Schützenpanzer Puma – wir müssen Waffensysteme im Einsatz testen, bevor Milliarden in Serienproduktionen fließen.“

3️⃣ Wettbewerbsbasierte Entwicklungsprogramme – nach dem Vorbild der DARPA-Challenges könnten europäische Teams an Lösungen für Cyberabwehr, Drohnentechnologie und KI-gestützte Verteidigungssysteme arbeiten.

Deutschland als Innovationsmotor statt Technologieimporteur

Ein zentrales Problem bleibt die Abhängigkeit Europas von US-Rüstungskonzernen. „Wir haben nicht einmal vollen Zugriff auf die Software der F-35 – wir fliegen also Hightech-Jets, die von amerikanischer Steuerung abhängig sind“, erklärt Rose. „Deutschland muss eigene technologische Souveränität aufbauen, sonst bleiben wir nur ein verlängerter Werkbank für die USA.“

Der Weckruf ist eindeutig: Technologische Innovation entscheidet über geopolitische Stärke. Die Frage ist nicht, ob sich Europa eine eigene DARPA leisten kann – sondern ob es sich leisten kann, weiter darauf zu verzichten. Jetzt ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob Europa geopolitisch handlungsfähig bleibt – oder in die zweite Liga der Militärtechnologie abrutscht.

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